Forschungsprojekt in Blumenthal

Trügerische Idylle

Bremen lässt prüfen, welche Gefahr für Anwohner der Blumenthaler Aue bei Hochwasser besteht – und was notwendig werden müsste, um das Risiko einzudämmen. Anlieger wissen das längst: mehr Schutz.
23.04.2018, 18:12
Lesedauer: 3 Min
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Trügerische Idylle
Von Christian Weth
Trügerische Idylle

Vorne die Blumenthaler Aue, hinten die Burg Blomendal: Manchmal kommt das Wasser gefährlich nah – so nah, dass Politiker mehr Schutz für das historische Gebäude fordern.

Christian Kosak

Blumenthal. Eigentlich sollen die Blumenthaler Aue und die Beckedorfer Beeke das Wasser aufnehmen und ableiten, wenn es zum Starkregen kommt. Doch manchmal schaffen die Bäche das nicht, dann laufen sowohl angrenzende Grundstücke als auch das Gelände der Burg Blomendal voll. Wie groß die Gefahr für Gebäude und Anwohner ist, sollen demnächst Ingenieure ermitteln. Und zugleich sagen, was notwendig werden müsste, um sie einzudämmen. Politiker, Anlieger und Nutzer der Burg wissen das längst: mehr Schutz.

Dass die Blumenthaler Aue und das Gelände genauer untersucht werden, hat jetzt Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) angekündigt. Die Behörde will auf den Klimawandel nicht nur mit höheren und breiteren Deichen reagieren, sondern auch Vorsorge treffen für die Bereiche dahinter. Bereiche wie die Blumenthaler Aue. Sie und die Pauliner Marsch in der Östlichen Vorstadt sind seit wenigen Tagen nicht bloß Überschwemmungs-, sondern auch Forschungs- und Projektgebiet. "Bresilient" heißt das Vorhaben des Ressorts, ein Wortspiel aus Bremen und Resilienz – die Fähigkeit, auf Krisen besser reagieren zu können.

Für Ortsamtsleiter Peter Nowack kommt es nicht von ungefähr, dass die Blumenthaler Aue zum Forschungsfeld geworden ist. Der Beirat hat eine Untersuchung quasi gefordert. Vor einem Jahr war das, als das Gelände und die Probleme, die es macht, wieder einmal auf der Tagesordnung der Fraktionen standen. Als Anwohner einmal mehr beklagten, dass nicht nur das Gelände bei Hochwasser und Starkregen vollläuft, sondern auch auf ihren angrenzenden Grundstücken Land unter ist. Und als Klaus Peters, Chef des Vereins Burg Blomendal, erneut an die Fürsorgepflicht der Stadt erinnerte – für das mittelalterliche Gebäude, aber auch den Kindergarten.

Beide haben ihm zufolge vor Jahren schon einmal Schaden genommen. In einem Fall war Wasser in den Keller der Kita gedrungen, in einem anderen in die unteren Ausstellungsräume des Burgmuseums. Seit es das Schöpfwerk auf dem früheren Gelände der Bremer Woll-Kämmerei gibt, ist nach Peters' Einschätzung die Situation zwar nie wieder so bedrohlich geworden wie damals, aber beinahe: "Es gibt immer wieder Tage, an denen die Burg zur Insel wird und das Wasser bis an den Hof herankommt." Brücken zur Burg sind dann nicht mehr passierbar und Zufahrten sowie Wege überflutet.

Die Stadtteilpolitiker haben darum neue Berechnungen der Blumenthaler Aue gefordert: Wo fängt das Überschwemmungsgebiet eigentlich an – wo hört es auf? Eine genaue Antwort soll schon deshalb her, weil Anwohner befürchten, dass Gebäudeversicherungen irgendwann plötzlich mehr Geld von ihnen für den Schutz ihrer Häuser verlangen könnten als bisher. Keine Frage ist dagegen für die Fraktionen, dass es mehr Schutz für sie geben muss, nicht irgendwelchen, sondern baulichen. Ortsamtschef Nowack hat es grob überschlagen. Er kommt auf ein Dutzend Haushalte und knapp 30 Menschen, die im Bereich der Blumenthaler Aue wohnen. "Und alle", sagt er, "haben dort gebaut, wo ihnen die Behörde gesagt hat, bauen zu können."

Ob es tatsächlich mehr Schutz gibt, wie Politiker und Anlieger fordern, kann Anna Pechan momentan noch nicht sagen. Die Koordinatorin des Projekts "Bresilient" weiß vorerst nur, was jetzt gemacht wird und was in einem zweiten Schritt folgen soll. Nach ihren Worten sind Ingenieure dabei, das Gebiet der Blumenthaler Aue sowohl topografisch als auch hydrologisch zu erfassen. "Sie sollen die Lage des Geländes ebenso analysieren wie den Kreislauf des Wasser." Pechan geht davon aus, dass die Untersuchung in diesem Jahr abgeschlossen wird, damit im nächsten darüber gesprochen werden kann, wie groß die Risiken sind.

Und wie man sie verkleinern könnte. Pechan spricht von einem Frühwarnsystem, etwa einer Smartphone-App, die zügig und aktuell informiert, wie sich dieser Starkregen oder jenes Hochwasser voraussichtlich auf das Hinterland auswirken werden. Von mehr Messstellen, die genauere Daten liefern, welche Windstärken und Pegelstände zu erwarten sind. Und von baulichen Veränderungen beispielsweise der Brücken zur Burg sowie von Hilfe für Anwohner. Pechan listet auf, wozu die Ingenieure möglicherweise raten könnten – nicht, was schon jetzt feststeht: "Was getan werden muss, wissen wir erst, wenn die Ergebnisse der Ingenieure vorliegen und die Resultate mit allen diskutiert wurden."

Die Projektkoordinatorin kündigt Gespräche mit der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk an, mit dem Beirat, den Nutzern der Burg und Anliegern. Auch mit Hansewasser will die Behörde reden. Mit dem Abwasserentsorger soll ausgelotet werden, ob vielleicht mehr gemacht werden müsste, als ein Schöpfwerk in Betrieb zu nehmen. Wann erste Projekte umgesetzt werden könnten, ist bisher genauso offen wie deren Finanzierung. Fest steht nur die Dauer des Forschungsvorhabens "Bresilient" – bis 2020 – und der Förderbetrag, den der Bund dafür gibt – 2,2 Millionen Euro. Geld für mögliche Bauarbeiten, sagt Koordinatorin Anna Pechan, ist in der Summe nicht enthalten: "Das würde später sozusagen noch obendrauf kommen."

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