Kreisverbindungskommando Wesermarsch Truppe für den Katastrophenfall

Das Kreisverbindungskommando Wesermarsch steht der Bundeswehr bei Einsätzen im Katastrophenfall vor Ort mit Lokalkompetenz zur Seite. Geleitet wird es seit 2015 vom Braker Reservisten Sven Dunker.
27.01.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Georg Jauken

Das Kreisverbindungskommando Wesermarsch steht der Bundeswehr bei Einsätzen im Katastrophenfall vor Ort mit Lokalkompetenz zur Seite. Geleitet wird es seit 2015 vom Braker Reservisten Sven Dunker.

Es gibt nur wenige Ausnahmesituationen, in denen die Streitkräfte innerhalb der Grenzen Deutschlands eingesetzt werden. Bis 1968 war die Bundeswehr eine reine Außenverteidigungsarmee. Seitdem erlaubt das Grundgesetz, sie auch „zur Hilfe bei einer Naturkatastrophe oder bei einem besonders schweren Unglücksfall“ anzufordern. Damit das im Fall des Falles auch klappt, gibt es die sogenannten Kreisverbindungskommandos (KVK) und Reservisten wie Sven Dunker.

Der Oberstleutnant der Reserve aus Brake leitet das KVK Wesermarsch seit Sommer vergangenen Jahres. Während eines Treffens mit der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen (CDU) bekam er jetzt die Gelegenheit, die Aufgaben des weitgehend unbekannten Kommandos einmal vorzustellen. „Ihr war es nicht so bewusst, dass die Aufgaben so umfangreich sind“, beschreibt Dunker seine Eindrücke aus dem Gespräch mit der CDU-Politikerin, „sie hat unseren ehrenamtlichen Einsatz gelobt“. Die Kreisverbindungskommandos sind eine noch recht neue Erfindung. Seit 2007 unterstützen sie die Organisation von Bundeswehr-Hilfseinsätzen im Katastrophenfall. Mögliche Einsatzszenarien sind Moor- und Waldbrände, Überschwemmungen, Schneekatastrophen, ausgedehnte Stromausfälle oder auch Tierseuchen.

Die Bundeswehr reagierte mit den Verbindungskommandos auf die Reduzierung ihrer Truppenstärke von rund 500 000 Mann in den 1980er-Jahren auf jetzt nur noch etwa 177 000 aktive Soldaten und Soldatinnen. Zahlreiche Bundeswehr-Standorte – in der Wesermarsch die Admiral-Brommy-Kaserne mit der Technischen Marineschule und der Marinesanitätsstaffel in Brake sowie die Flugabwehrraketenbataillone in Stadland und Elsfleth – wurden nicht mehr benötigt und in den 1990er-Jahren aufgegeben. Mit der Schließung der Kasernen riss auch der direkte Draht der lokalen Politik zu den Streitkräften.

Damit das für den Katastrophenschutz nicht zum Problem wird, wurden die Verbindungskommandos ins Leben gerufen. Ortsansässige Offiziere der Reserve wie Sven Dunker, die sich mit den politischen und lokalen Gegebenheiten auskennen und häufig über wichtige Spezialkenntnisse verfügen, fungieren in den Verbindungskommandos als Bindeglied zwischen Gesellschaft und Armee.

Sven Dunker hatte sich 1986 für vier Jahre von der Bundeswehr verpflichten lassen und in den Panzerabwehrbataillonen 43 und 73 in Oldenburg und Cuxhaven gedient. Das Ende des Kalten Krieges verhinderte zunächst, dass der als Reservist vorgesehene Offizier in den Jahren nach 1990 eine Verwendung fand. Das änderte sich mit der Gründung des Kreisverbindungskommandos Wesermarsch. Als dessen Leiter hält Sven Dunker den Kontakt zum „Kommando Territoriale Angelegenheit“ in Hannover. Dort weiß man, welche Kompanien verfügbar sind, um im Katastrophenfall einzugreifen, wenn die zivilen Helfer der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks (THW) und den anderen Organisationen nicht ausreichen oder schon so lange im Einsatz sind, dass sie eine Ablösung brauchen.

In den Katastrophenszenarien für die Wesermarsch geht es insbesondere um Gefahren, die durch die Nähe zur Nordsee entstehen. „Die Wesermarsch ist aufgrund ihrer besonderen geografischen Lage von Hochwasser und Sturmfluten bedroht“, hatte Landrat Thomas Brückmann anlässlich der Ernennung Dunkers zum KVK-Leiter betont. So trifft es sich gut, dass sich Sven Dunker gerade damit bestens auskennt.

Der 49-Jährige lebt mit seiner Familie in Brake und arbeitet als Bauingenieur beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremerhaven in der Abteilung für Gewässerkunde. Zu ihren Aufgaben gehört die Messung und Auswertung der Wasserstände in der Außen- und Unterweser sowie der Sturmflut- und Hochwassermeldedienst. „Ich sitze beim WSA direkt an der Quelle, um abschätzen zu können, welche Gefahren der Wesermarsch drohen könnten“, sagt Sven Dunker.

Sobald sich Gefahr abzeichnet, informiert er das „Kommando Territoriale Angelegenheit“ über die Entwicklung des Hochwassers und die Maßnahmen des zivilen Katastrophenschutzes, bis die Gefahr vorüber ist. „Die Bundeswehr braucht für ihre Einsätze eine längere Vorbereitungszeit“, erläutert Dunker. Daher sei es wichtig, sofort Kontakt aufzunehmen, wenn sich eine Anforderung ergeben könne.

Bislang musste er die Truppe nicht zu Hilfe rufen. Der Bundeswehreinsatz in Hitzacker beim Elbe-Hochwasser 2013 habe jedoch gezeigt, dass die Zusammenarbeit des örtlichen Katastrophenschutzstabs, der zuständigen Kreisverbindungskommandos und der Bundeswehr funktioniere. Sven Dunker und einer seiner Kollegen aus dem KVK Wesermarsch hatten sich damals als Freiwillige zur Unterstützung der Kräfte vor Ort gemeldet, kamen dort aber letztendlich nicht zum Einsatz. Nach den Erfahrungen dort, nach den regelmäßigen Übungen auf Stabsebene und durch den Verbund mit den Kreisverbindungskommandos Friesland, Wilhelmshaven sowie Oldenburg Stadt und Land ist Dunker jedoch optimistisch, dass ein etwaiger Hochwassereinsatz in der Wesermarsch ebenso gut klappen würde.

„Man weiß, was man zu tun hat“, sagt der KVK-Leiter. Die Verantwortlichen auf unterschiedlichen Ebenen würden sich außerdem persönlich kennen und einen regen Informationsaustausch pflegen. Als Teilnehmer der regelmäßigen Deichschauen an der Weser und an den Küsten von Nordsee und Jadebusen sieht er die Wesermarsch gut geschützt, selbst wenn die Deiche hier und da noch etwas erhöht werden müssten. „Bei den Deichschauen können wir uns überzeugen, dass viel dafür getan wird, den teilweisen Unterbestick der Deiche zu beseitigen“, stellt Sven Dunker fest.

Im Gespräch mit Astrid Grotelüschen in Brake ging es auch darum, dass das KVK Wesermarsch ihre Sollstärke von zwölf Dienstposten noch nicht erreicht. Laut Dunker fehlt es an Nachwuchs, vor allem an Sanitätsoffizieren. Am Ende sprach er mit dem Gast über die Möglichkeiten, an einem Bundestagsbesuch teilzunehmen. Eine solche Gelegenheit wünscht Dunker für sich und die Kollegen vom KVK.

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