979. Freimarkt in Bremen

Tschüss, Freimarkt!

Schausteller, Besucher und Sicherheitskräfte ziehen Bilanz des diesjährigen Freimarkts. Schön war’s, lautet ihr Tenor. Alles bestens, also? Nicht ganz: Die Polizei in Bremen verzeichnete allein bis Freitag weit mehr als 3000 Verstöße gegen die Marktordnung.
02.11.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexandra Knief
Tschüss, Freimarkt!

Auf zum letzten Flug: Heute Abend schließt der Freimarkt, erst im Oktober kommenden Jahres geht es wieder weiter.

Frank Thomas Koch

Heute geht der 979. Freimarkt zu Ende. 17 Tage lang lockten Fahrgeschäfte, Spielbuden, Festzelte und zahlreiche Leckereien rund vier Millionen Besucher auf die Bürgerweide. Damit kamen nach Angaben des Schaustellerverbands in diesem Jahr mehr Gäste zum Volksfest als im vergangenen Jahr. Damals sorgte vor allem Sturm „Christian“ für Ärger, der den Marktbetrieb für eine Weile gestoppt hatte.

Dank des recht milden Wetters im Oktober und des Ferienbeginns während der Freimarktszeit sind sowohl Schausteller als auch Besucher mit dem Verlauf in diesem Jahr offenbar wieder sehr zufrieden.

Neben dem Publikum aus der Umgebung zog das Volksfest auch Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland in die Hansestadt, was vor allem das Hotelgewerbe freute.

Auch wenn bisher noch keine konkreten Zahlen vorliegen, ziehen Polizei und Rettungskräfte eine erste positive Bilanz, schließlich habe es keine größeren Zwischenfälle gegeben. Aber die Marktordnung, die unter anderem das Mitbringen von Glasflaschen, Hunden und Fahrrädern verbietet, sei in diesem Jahr so oft gebrochen worden wie noch nie. Die Polizei hoffe auf eine bessere Beschilderung im nächsten Jahr, um die zahlreichen Verstöße, die zum Teil auch auf Unwissenheit zurückgingen, gezielt verhindern zu können.

Für alle Fans des Volksfestes auf der Bürgerweide heißt es nun wieder, ein Jahr zu warten, bis es das nächste Mal heißt „Ischa Freimaak“. 2015 findet das Spektakel vom 16. Oktober bis zum 1. November statt.

POLIZEI

Marktordnung oft gebrochen

Die Polizei zieht eine positive Bilanz. Dank großer Präsenz habe es bis Freitag keine schweren Gewalttaten, keine Karussell-Unfälle und keine Banden-Schlägereien gegeben. „Wir sind zufrieden mit dem Freimarkt, gerade was die Bereiche Sicherheit und schwere Straftaten angeht.“ Nur die Einhaltung der Marktordnung sei nach wie vor ein Problem: „Schon bis Freitag hatten wir über 3300 Verstöße, vor allem in Form von mitgebrachten Glasflaschen. Das ist Marktrekord“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit lag auf dem Freihalten von Rettungswegen und Notausgängen. „Um die Sicherheit zu gewährleisten, mussten über 50 Autos abgeschleppt werden.“

HOTEL

261 Zimmer – alle weg

„An den Wochenenden waren wir komplett ausgebucht, 261 Zimmer – alle weg“, berichtet Kay-Christian Dubbert, Direktionsassistent vom Maritim Hotel. „Auch zu unseren Freimarktpartys von Donnerstag bis Samstag in der Hotelbar kamen mehr Gäste als im letzten Jahr.“ Die Gäste kamen aus ganz Deutschland und dem Ausland. Vor allen bei den Skandinaviern ist der Freimarkt mittlerweile das Gleiche wie das Oktoberfest für die Italiener“, sagt er. „Es war ein friedliches Fest.“

KARUSSELLBETREIBER

Freimarkt ist Umsatzgarant

„Solange das Wetter mitspielt, sind die Bremer immer sehr treu“, sagt Manfred Howey, Betreiber des Fahrgeschäftes „Happy Sailor“. „Regentage gibt es natürlich immer, wir sind hier schließlich nicht an der Côte d’Azur.“ Trotzdem ist Howey optimistisch, die Umsatzzahlen des letzten Jahres erreicht zu haben. „Wir hatten Glück, dass der Monatsanfang noch mit in die Freimarktszeit gefallen ist.“ Die Leute hatten somit wieder Geld in der Tasche.

BESUCHER

Wiederholungsbesuch garantiert

Silvia Künnen und ihre Tochter Annrieke sind sich einig: Der Freimarkt war ein tolles Erlebnis. „Ich fand das große Kettenkarussell am besten, und Autoscooter fahre ich auch gerne“, sagt die siebenjährige Annrieke. Für Mama Silvia gibt es andere Attraktionen: „Ich freue mich immer auf ein Eis mit Sahne und Berliner“, sagt sie. „Frisch gebacken und noch warm schmecken die einfach am leckersten.“ Die beiden haben keinen Zweifel: Nächstes Jahr sind sie wieder dabei.

SCHAUSTELLERVERBAND

Besucheranstieg dank Ferien

Wolfgang Ahrens, Geschäftsführer des Schaustellerverbands des Landes Bremen, ist zufrieden. Zwar habe man nicht den Rekord von 4,4 Millionen Besuchern im Jahr 2012 knacken können, aber das Ziel, an rund vier Millionen Besucher heranzukommen, habe man nach Ahrens’ Einschätzung erreicht: „Es kamen mehr Gäste als letztes Jahr“, ist er sicher. „Gerade ab Beginn der Herbstferien war ein deutlicher Besucheranstieg erkennbar.“

RETTUNGSDIENSTE

Gelassene Stimmung

„Es gab keine außergewöhnlichen Einsätze, wir hatten es mit den üblichen Dingen zu tun“, sagt Günter Dahnken, Leiter des Einsatzdienstes beim Malteser Hilfsdienst, der auf der Bürgerweide vertreten war. Von Schnittverletzungen über erhöhte Alkoholpegel einiger Besucher bis hin zu Kreislaufentgleisungen oder alltäglichen Notfällen sei alles dabei gewesen. „Allgemein war die Stimmung aber sehr gelassen und der Dienst eher angenehm.“

BAYERNFESTHALLE

Die Biertanks sind leer

„Es lief ungefähr wie im letzten Jahr, wir sind sehr zufrieden“, sagt Diana Traber, Geschäftsführerin der Bayernfesthalle. „Es gab kaum Krawalle und wir hatten nette Gäste.“ Vor allem der Sonntagsfrühschoppen am zweiten Freimarktswochenende sei gut besucht gewesen. An jedem Wochenende habe es Einlassstopps gegeben, da die Halle voll war. „Dank unserer vielen Helfer haben wir das Umsatzziel vom letzten Jahr erreicht“, sagt sie. „Unsere Biertanks sind leer.“

ZUCKERWARENSTAND

Mandeln wie immer beliebt

Anja Veldkamp, Inhaberin eines Süßwarenstandes, ist zufrieden: „Der Renner waren wie jedes Jahr die gebrannten Mandeln und die Schokofrüchte“, sagt sie. Auch die neuen Eierlikör-Mandeln hätten zahlreiche Abnehmer gefunden. Vor allem auf ihre Stammkundschaft könne sie sich in Bremen immer verlassen. „Es gibt eine 94-jährige Dame, die seit Jahren zu uns kommt und auch dieses Mal wieder da war“, sagt Veldkamp.

SPIELHÖLLE

Höhepunkt des Jahres

„Der Freimarkt ist für uns immer das Highlight des Jahres, so war es auch dieses Mal“, sagt Max Kellner von der Spielhölle Hongkong. „Ich habe viele strahlende Gesichter gesehen und bin selbst sehr zufrieden.“ An die Umsätze der vergangenen Jahre habe er anknüpfen können. Einige seiner kuscheligen Gewinne waren in diesem Jahr ganz besonders beliebt: „Die kleinen Mädchen lieben einfach unseren flauschigen Riesenteddy.“

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