Zwei Studenten der Hochschule für Künste porträtieren Migranten in Bremen / Ein multimediales Projekt

Tür an Tür

Bremen. Samir stammt aus Syrien. Wie er mit seiner Familie in Bremen nach Flucht und Trennung wieder zusammengefunden hat, gehört zu den Geschichten, die Imke Anna Maria Meyer und Dennis Bücker für ihr Bachelorprojekt „Tür an Tür“ zusammengetragen haben. Die beiden Studenten porträtieren acht Menschen in ihrer Abschlussarbeit.
30.07.2015, 00:00
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Von Frauke Fischer
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Dennis Bücker und Imke Anna Maria Meyer haben ein multimediales Projekt verwirklicht, in dem es um Menschen in Bremen mit ausländischen Wurzeln geht.

Frank Thomas Koch

Samir stammt aus Syrien. Wie er mit seiner Familie in Bremen nach Flucht und Trennung wieder zusammengefunden hat, gehört zu den Geschichten, die Imke Anna Maria Meyer und Dennis Bücker für ihr Bachelorprojekt „Tür an Tür“ zusammengetragen haben. Die beiden Studenten der Hochschule für Künste porträtieren acht Menschen in ihrer Abschlussarbeit.

Und zwar nicht, indem sie Texte aneinanderreihen und mit Fotos auflockern. Die Absolventen des Studiengangs Digitale Medien haben ihre Spurensuche multimedial aufbereitet. Wer die so entstandene Internetseite www.tür-an-tür.de anklickt, kann durch Texte, Bilder, Audio- und Filmsequenzen den syrischen Familienvater ebenso kennenlernen wie die Mexikanerin Maja, die mit ihrem Mann nach Bremen kam, um hier als Ärztin zu arbeiten.

„Wir haben durch die Besuche bei den Menschen und die Gespräche mit ihnen noch einmal einen neuen Blick auf Bremen gewonnen“, sagt Imke Meyer. Dass sie für ihre Abschlussarbeit überhaupt ein Thema wählten, das Migration in den Fokus stellt, habe mit der fremdenfeindlichen Entwicklung und der Pegida-Bewegung zu tun gehabt, erzählen sie und ihr Kommilitone. „Wir waren darüber sehr erschrocken“, sagt Dennis Bücker. Die beiden wollten deshalb Menschen begegnen und befragen, die aus unterschiedlichen Gründen ihr Zuhause verließen, um in Bremen eine neue Heimat zu finden.

Mit Hilfe verschiedener Institutionen, darunter der Bremer Rat für Integration, knüpften Meyer und Bücker Kontakte, führten erste Gespräche und stellten ihre Idee vor. Sie sprachen auch mit Giuseppe Murgia, der zur Projektpräsentation am Mittwoch extra in den Europa-Punkt im Haus der Bürgerschaft kam. „Ich habe sofort mitgemacht“, erzählt der gebürtige Sarde, der seit 1978 in Bremen lebt. Eigentlich wollte er hier nur Urlaub machen, doch das Land, die Stadt, gefielen ihm gut. Er heiratete hier, gründete eine Familie und ein Unternehmen. „Es ist ein gutes Gefühl, dabei zu sein“, sagt er zum Projekt.

Der 29-jährige Yahia erklärte sich ebenfalls bereit, seine Geschichte für die studentische Abschlussarbeit zu erzählen. Er stammt aus dem Sudan und lebt in einer Wohngruppe von Flüchtlingen im niedersächsischen Tarmstedt. In seiner Heimat studierte er Germanistik und Linguistik, bevor er vor acht Monaten nach Deutschland flüchtete. Das Studium möchte er hier gern fortsetzen, um später weiter wissenschaftlich arbeiten zu können. Deshalb nimmt er am Universitätsprojekt „In Touch“ teil. Es ermöglicht Flüchtlingen, die bereits in ihrer Heimat mit dem Studium begonnen hatten, den Einstieg in die hiesige akademische Welt über Sprachzertifikate und Vorlesungsbesuche.

Aus der Ukraine kam Yarik 2008 für einen Masterstudiengang nach Bremen. Inzwischen ist der 29-Jährige hier verheiratet und gut in seiner Gemeinde eingebunden.

Bewusst, so sagen Meyer und Bücker, hätten sie auf Nennung der Nachnamen verzichtet. Für einige Flüchtlinge und deren Familien, die zum Teil noch in ihrer Heimat unter Krieg und Verfolgung leiden, biete das Schutz.

Vielleicht auch für Samir, dessen Angehörige immer noch in Syrien sind. Mit seiner Frau und den vier Kindern ist er seit Dezember in Bremen wieder vereint. Mehrere Monate lang waren sie getrennt, weil sie ihren Fluchtweg über Istanbul nicht gemeinsam fortsetzen konnten. Das Wiedersehen hat dem Mann Kraft und Zuversicht gegeben, wie ein Zitat aus seiner Lebensgeschichte verdeutlichen soll: „Ich fühlte mich wie neugeboren.“

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