Osmanen Germania

Türkische Rocker auf dem Vormarsch

Die rockerähnliche Gruppierung Osmanen Germania will einen Ortsverein in Bremen gründen und plant ein großes Treffen in der Hansestadt – die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.
08.03.2017, 19:45
Lesedauer: 3 Min
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Türkische Rocker auf dem Vormarsch
Von Jan Oppel
Türkische Rocker auf dem Vormarsch

Laut Sicherheitsbehörden haben Mitglieder der "Osmanen Germania" Verbindungen zur organisierten Kriminalität sowie zum türkischen Geheimdienst.

BORIS ROESSLER, dpa

Die rockerähnliche Gruppierung Osmanen Germania will einen Ortsverein in Bremen gründen und plant ein großes Treffen in der Hansestadt – die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Die türkischstämmigen Rocker der Osmanen Germania sind bundesweit auf dem Vormarsch. Zwischen 2014 und 2015 hat sich der Club gegründet und verfügt mittlerweile über mehr als 20 Ortsvereine. Die Mitglieder geben sich als harmloser Boxclub aus, die Polizei führt die Osmanen als rockerähnliche Gruppierung mit engen Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Wie der WESER-KURIER erfuhr, will die Gruppe sich nun auch in Bremen etablieren – und plant ein großes Treffen in der Hansestadt.

Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert. „Der Polizei liegen seit mehreren Monaten Hinweise vor, dass es seitens der Osmanen Germania Bestrebungen gibt, eine Ortsgruppe in Bremen zu etablieren“, sagt Daniel Heinke, Leiter des Bremer Landeskriminalamts (LKA). „Bislang sind wir uns aber nicht sicher, ob diese bereits besteht“. Laut Radio Bremen wollen die Osmanen im Stadtteil Walle zudem ein Clubheim eröffnen. Zu diesem Vorhaben und einem geplanten Treffen lägen den Sicherheitsbehörden bislang keine Hinweise vor, so Heinke. Gleichwohl wollen Polizei und Innenbehörde die Situation weiter beobachten. „Rechtsfreie Räume werden wir nicht zulassen“, sagt Innensenator Ulrich Mäurer.

Osmanen Germania wachsen schnell

Die Osmanen Germania gelten als eine der am schnellsten wachsenden Gruppierungen im deutschen Rockermilieu. Nach eigenen Angaben haben sie in Deutschland etwa 2500 Anhänger. Weltweit sollen es mehr als 3500 sein. In einer Stellungnahme, die sie bei Facebook veröffentlicht haben, geben die Osmanen an, „die Jugendlichen von der Straße zu holen und sie durch sportliche Aktivitäten einer sinnvollen Aufgabe nachgehen zu lassen“. Dem widerspricht LKA-Leiter Heinke: „Bundesweit haben die Sicherheitsbehörden sehr ernste Hinweise darauf, dass Anhänger dieser Gruppe Verbindungen zur organisierten Kriminalität und zum türkischen Geheimdienst aufweisen.“ Etwa durch ihre Kutten und Abzeichen versuchten die „Osmanen Germania“, das Auftreten von Motorradgangs wie etwa der Hells Angels zu imitieren, so Heinke.

Die Hells Angels hatten im vergangenen Sommer den Versuch unternommen, in einer Schrebergartenkolonie in Walle ihr neues Clubheim einzurichten. Per Verfügung verbot die Baubehörde den Rockern im Februar schließlich, die „Parzelle Eins“ als Versammlungsort zu nutzen.

Bemühungen um Immobilie in Walle?

Nun sollen sich die Osmanen Germania um eine Immobilie in Walle bemühen. Die mögliche Gründung eines Bremer Ortsvereins hat auch die Politik auf den Plan gerufen. „Mehrere Mitglieder dieses Clubs stehen im Verdacht, in Drogenhandel, Geldwäsche und Gewalttaten verwickelt zu sein“, sagt Sükrü Senkal, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Die Sozialdemokraten haben nun eine Anfrage an den Senat gerichtet und wollen wissen, wer die Mitglieder der Osmanen Germania sind, wie sich der Club in Bremen zusammensetzt und welche Gefahren von den Mitgliedern ausgehen. „Diese Fragen müssen umgehend geklärt werden“, fordert Senkal. Der SPD-Politiker stellt klar: „Egal in welcher Kutte: Wir werden nicht dulden, dass Rockerclubs mit Verbindungen ins kriminelle Milieu in Bremen Fuß fassen und müssen dagegen mit aller Härte des Rechtsstaates vorgehen.”

Zuletzt sind die Osmanen Germania durch bundesweite Razzien aufgefallen. Am Dienstag ging die Polizei erneut gegen Mitglieder der Gruppe vor. Unter anderem sei auch ein Gebäude in der niedersächsischen Gemeinde Steinfeld (Landkreis Vechta) durchsucht worden, sagte eine Sprecherin der ermittelnden Staatsanwaltschaft Darmstadt. Hintergrund ist ein Verfahren wegen Geldwäsche, Urkundenfälschung, Erpressung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Bereits im November hatte es eine bundesweite Polizeiaktion gegen die Osmanen Germania gegeben. Schwerpunkt der Razzia war damals das Rhein-Main-Gebiet, wo die Osmanen in Dietzenbach ihr Hauptquartier haben. Die Polizei beschlagnahmte Waffen und Drogen, sieben Anhänger der Gruppe wurden festgenommen.

Zwei Ortsgruppen in Niedersachsen

Wie viele Anhänger der Club in Bremen hat, wissen die Sicherheitsbehörden nicht. Nach Angaben des Landeskriminalamtes gibt es in Niedersachsen zwei Ortsgruppen: eine im Raum Osnabrück, die andere bei Vechta. Zusammen zählen sie 20 Mitglieder.

Nach Aussagen von Ermittlern sind die Osmanen Germania türkisch-nationalistisch ausgerichtet und stehen der AKP-Regierung von Recep Tayyip Erdogan nah. Das zeigte sich am 15. Juli vergangenen Jahres: Als am Abend des Putschversuches in der Türkei annähernd 1500 Erdogan-Anhänger vor dem türkischen Generalkonsulat in Frankfurt demonstrierten, waren auch die Osmanen-Gründungspräsidenten Mehmet Bagci und Selcuk Can Sahin anwesend.

Bei der Großkundgebung gegen die Resolution der Bundesregierung zum Armenier-Genozid im Juni 2016 demonstrierten Anhänger der Osmanen Germania in Berlin Seite an Seite mit Erdogan-Unterstützern und Anhängern der faschistischen Grauen Wölfe.

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