Böller und Schüsse auf dem Domshof

Türkischer Hochzeitskonvoi läuft aus dem Ruder

Teilnehmer einer türkischen Hochzeitsgesellschaft sind am Sonntagnachmittag mit ihren Fahrzeugen auf den Domshof gefahren. Laut Polizei zündeten sie Böller und schossen mit Schreckschusswaffen in die Luft.
18.09.2017, 12:18
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Hethey
Türkischer Hochzeitskonvoi läuft aus dem Ruder

"Plötzlich hörte man Schüsse, die Leute vorne rechts an den Tischen sprangen dementsprechend teilweise schon erschrocken auf", schrieb eine Leserin dem WESER-KURIER, die den Fall live beobachtet hatte.

FR

Ein türkischer Hochzeitskonvoi ist am Sonntagnachmittag in der Innenstadt außer Kontrolle geraten. Nach Polizeiangaben fuhren die teils beflaggten Fahrzeuge zuerst auf den Domshof, dort zündeten die Mitfahrenden Böller und schossen mit Schreckschusswaffen in die Luft. Danach bewegten sich die insgesamt 33 Fahrzeuge laut hupend über die Violenstraße in Richtung Am Wall. Gestoppt wurde der Konvoi schließlich am Herdentorsteinweg. Für einzelne Wagen, die gewendet hatten, war an der Bischofsnadel Endstation: Dort wartete die Polizei auf die Teilnehmer des Konvois. Etliche kassierten Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, andere müssen mit Bußgeldern wegen Verkehrsverstößen rechnen.

Unter den unfreiwilligen Zeugen des Spektakels war auch Anne Brünjes. Sie befand sich im Außenbereich des „Alex“, als die Autos mit hoher Geschwindigkeit auf den Domshof fuhren. „Rauchschwaden stiegen auf, von den bremsenden Autos verursacht“, berichtet sie. Plötzlich seien auch noch Schüsse zu hören gewesen, einzelne Restaurantbesucher seien erschrocken aufgesprungen. Zehn bis 15 Minuten habe der Vorfall gedauert.

Die beschlagnahmten Gegenstände.

Die beschlagnahmten Gegenstände.

Foto: Polizei Bremen

Zeugen kritisieren die Polizei

Scharfe Kritik übt Brünjes an der Polizei. Die habe beim Hinweis auf die Gefährdung eventuell spielender Kinder nur geantwortet, da könne man nichts machen. Erst als die Fahrzeuge den Domshof wieder verließen, „rollte dann doch langsam auch mal ein Streifenwagen“ über den Platz, so Brünjes. „Sarkastischer Applaus“ sei die Folge gewesen. Ihr Eindruck: „Die ganze Aktion könnte man mit ‚Zeugen suchen Polizei‘ betiteln.“

Von Seiten der Polizei heißt es dazu, so lange ein Hochzeitskonvoi ordnungsgemäß verlaufe, gebe es keinen Grund zum Eingreifen. Anders am Sonntag, weil schon allein die Zufahrt auf den Domshof nur sehr eingeschränkt gestattet sei. Nach Benachrichtigungen durch „diverse zum Teil erschrockene und verärgerte Bürger“ habe sich die Polizei „unverzüglich“ auf den Weg gemacht. Vor Ort sei man aber nicht mehr auf eine „stehende Situation“ gestoßen, sondern auf einen fahrenden Konvoi.

Polizei beschlagnahmt Schlagstöcke und Messer

Insgesamt waren 13 Streifenwagen im Einsatz. Von allen beteiligten Autofahrern wurden die Personalien aufgenommen. „Die meisten Teilnehmer zeigten sich während der polizeilichen Maßnahmen weitestgehend kooperativ und einsichtig“, so die Polizei. Es sei ihnen deutlich gemacht worden, dass ein solches Verhalten nicht toleriert werde und sämtliche Verstöße konsequent verfolgt würden. Die beschlagnahmten Gegenstände: zwei Gaspistolen, diverse Magazine mit Munition, zwei Teleskopschlagstöcke und ein Einhandmesser.

Erst vor gut einem Monat hatte ein Hochzeitskonvoi auf der A 27 für Schlagzeilen gesorgt. Bis zu 80 Fahrzeuge blockierten die Autobahn, weil sie sehr langsam unterwegs waren. Im Gegensatz zur Feier am Sonntag wurden laut Polizei keine Waffen gefunden.

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