Turmbläsergründer geht in Ruhestand

Ein leises Servus zum Abschied

Schweren Herzens sagt der Gründer der Bremer Turmbläser, der Posaunist Wolfgang Burwitz, nach Jahrzehntelanger Tätigkeit adieu. Er geht nun in den Ruhestand.
17.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Ein leises Servus zum Abschied
Von Sigrid Schuer
Ein leises Servus zum Abschied

Wolfgang Burwitz ist ein großer Fan des Bürgerparks und schenkte dem Park gern seine Musik.

Frank Thomas Koch

Nein, einfach so sang- und klanglos wollte er nach Jahrzehnte langer Musikerlaufbahn dann doch nicht in Ruhestand gehen. „Ich hatte ja nicht einmal die Möglichkeit, mich von allen Leuten zu verabschieden, die so gern in den Bürgerpark gekommen sind, um die Bremer Turmbläser im Laubengang spielen zu hören oder auf dem Stadtwald-Turm“, betont Wolfgang Burwitz. Deutlich hörbar schwingt Wehmut in seiner Stimme mit. „Meine ganze Freude war, wie unser treues Publikum immer mitgesungen hat. Wir hatten doch viel Spaß zusammen“, fügt der 74-jährige Posaunist hinzu. Mehr als 100 kopierte Liedertexte hatte er stets dabei, falls jemand mal nicht weiter im Text wusste.

Wie gern hätte er ihnen allen nach mittlerweile 31 Jahren Bürgerpark-Konzerten musikalisch zum Abschied ein leises Servus gesagt. Doch Corona machte wie so vielen Musikern auch Burwitz einen Strich durch die Rechnung. Sein letztes Turmbläser-Konzert im Bürgerpark gab er im Herbst 2019. Eigentlich hätte die Saison im Frühjahr wieder beginnen sollen, doch dann kam die Corona-Krise. Die Bremer Turmbläser spielen normalerweise bis September im Bürgerpark, immer sonntags, um 11 Uhr, ehrenamtlich versteht sich, und bei jedem Wetter. Wer selbst einmal eines der Konzerte im Laubengang miterlebt hat, der weiß, dass sich Burwitz von keiner noch so schlechten Witterung abschrecken ließ.

Er schwärmt noch im Nachhinein von der guten Akustik, die der eines Konzerthauses gleiche. Der Posaunist trotzte mit seinem Ensemble stets dem sprichwörtlichen Bremer Schietwetter. Gespielt wurde immer, selbst wenn es aus Kübeln goss. „Das ist natürlich der Vorteil von Blechblasinstrumenten“, sagt der Musiker. Die Leute seien auch bei Minusgraden gekommen, erinnert er sich. Die Musik der Turmbläser ist ein Geschenk an den Park und an die Flaneure, die hier Ruhe und Entspannung suchen.

Wolfgang Burwitz empfindet Dankbarkeit gegenüber seinem Publikum, aber auch für die Unterstützung durch den Bürgerparkverein und seinen Präsidenten Joachim Linnemann sowie durch die Bürgerpark-Direktoren wie zuletzt Tim Großmann. Gern denkt Burwitz auch an seinen Förderer Friedrich Rebers, den ehemaligen Präsidenten des Bürgerparkvereins zurück, mit dem er die Leidenschaft für den Park und die Musik teilte. „Er ist zu jedem unserer Konzerte angeradelt gekommen, gern beispielsweise auch in die Meierei“, erzählt der Posaunist. Unter Rebers’ Ägide habe das von Burwitz gegründete Salonorchester zudem zu den Bällen im Park Hotel aufgespielt, später auch zu den Silvesterbällen in der Strandlust Vegesack, erzählt er. Und sie hatten sogar die Ehre, anlässlich der Schaffermahlzeit im Rathaus aufzutreten.

Überhaupt: Die Turmbläser spielten nicht nur vom Balkon des Rathauses herab, etwa zur Eröffnung des Bremer Weihnachtsmarktes, sie gaben auch Konzerte in Hamburg, Rostock und München. „Ich werde nie vergessen, wie das war, als wir ‚Leise rieselt der Schnee‘ spielten und dann hat es tatsächlich angefangen, zu schneien“, erinnert sich Burwitz. Überhaupt, die Weihnachtszeit, die für viele alte, kranke und einsame Menschen ja besonders schwierig ist. Besonders zu Herzen gegangen seien ihm die Konzerte, die die Turmbläser über Jahrzehnte hinweg zu Weihnachten in Altersheimen und Pflegeeinrichtungen wie Friedehorst oder in der Reha-Klinik am Sendesaal gaben. Die in sich gekehrten Menschen seien durch die Musik förmlich aufgeblüht.

Begonnen hatte alles, als er im Alter von 16 Jahren die Bremer Turmbläser gründete. Damals war er Mitglied im Posaunenchor von St. Ansgarii. „Ich hatte bei vielen sehr guten Musikern Unterricht“, bilanziert Burwitz. Die Liebe zur Musik wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt, sein Vater spielte die Viola d’amore beim Philharmonischen Staatsorchester. Da hätte es nahe gelegen, dass der Sohn ebenfalls ein Streichinstrument spielt. Burwitz Junior begann mit der Geige, tauschte sie aber nach 14 Jahren gegen die Posaune ein. Fasziniert vom Glenn-Miller-Sound. Wie er überhaupt mit dem von ihm gegründeten, zehnköpfigen Salonorchester nicht nur Kaffeehausmusik, sondern auch, erweitert um einen Schlagzeuger und einen Jazz-Pianisten, Tanzmusik wie „Tico Tico“ oder „Du hast Glück bei den Frauen, bel ami“ spielte. 20 Jahre ging das so, dann verkaufte der Musiker sein Notenarchiv.

Eine Karriere als Berufsmusiker wäre für Burwitz allerdings nicht in Frage gekommen. Er war 38 Jahre lang für die Bremer Straßenbahn AG tätig und widmete sich in jeder freien Minute der Musik. Lange spielten die Turmbläser immer wieder sonntags vom Dom herab Choräle. „Jedes Mal mussten wir 265 Stufen hinauf steigen“, erinnert sich der Posaunist. Fazit: Schön, so schön war die Zeit, wie einst Freddy Quinn sang. Dem ihm nun nachfolgenden Turmbläser-Quartett wünscht Burwitz für die Zukunft nur das Beste und nicht zuletzt immer ein glückliches Händchen bei der Musikauswahl. Er selbst habe immer wieder, je nach Publikumsgeschmack, den Hebel umgelegt, wie er es ausdrückt.

Imke Howie leitet als Musiklehrerin die Bläserklasse an der Gesamtschule Bremen-Ost, Heinz Rode und Thomas Gerlach sind Mitglied des Brass-Ensembles der Liebfrauenkirche und Hauke Dahms arbeitet hauptberuflich bei dem Blasinstrumentenbaumeister Lätzsch. „Sie sind alle exzellente Profimusiker“, betont der Gründer der Turmbläser. Die Musik wird immer die große Liebe von Wolfgang Burwitz bleiben. Und so will er nicht ausschließen, dass er bei sich zu Hause in Horn noch Hauskonzerte geben wird.

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