Über 500 Unterstützer

Freiwillige Helfer im Einsatz für Corona-Abwehr

Von den mehr als 500 Freiwilligen, die das Impfzentrum und die 14 mobilen Impfteams in Bremen unterstützen wollen, sind 150 im Einsatz. Sobald mehr Impfstoff da ist, werden die Kapazitäten hochgefahren.
28.02.2021, 21:01
Lesedauer: 5 Min
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Freiwillige Helfer im Einsatz für Corona-Abwehr
Von Ulrike Troue
Freiwillige Helfer im Einsatz für Corona-Abwehr

IT-Berater Patrick Krenz bei der Erfassung der Patientendaten.

Johanniter-Unfallhilfe

Mehr als 500 Freiwillige haben sich auf den Aufruf der Initiative „Bremen impft“ über deren Onlineportal, die Kassenärztliche Vereinigung und die interne Ausschreibung der Johanniter gemeldet. „150 von ihnen sind bisher im Einsatz“, teilt Nicole Baumann als Fachbereichsleiterin Kommunikation der Johanniter-Unfall-Hilfe des Regionalverbands Bremen-Verden auf Anfrage mit.

„In diesem Pool stehen noch viele andere in den Startlöchern“, sagt sie. Aber solange nicht genug Impfstoff da sei, könnten die Kapazitäten des Impfzentrums, das Johanniter und Gesundheitssenatorin leiten, und der 14 mobilen Impfteams – je sieben von den Johannitern und vom Deutschen Roten Kreuz – noch nicht voll hochgefahren werden.

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Unter den Helfenden sind nicht nur Ärzte und medizinische Fachkräfte, sondern auch viele aus anderen Branchen. Sie werden nach Baumanns Auskunft entweder für organisatorische Aufgaben benötigt, unter anderem den Transport von Impfampullen, den Einlass im Impfzentrum und der Datenverarbeitung oder als Dolmetscher, falls sie über gute Fremdsprachenkenntnisse verfügen.

Was alle Freiwilligen verbindet: Sie wollen frei gewordene Zeit nutzen und aktiv zur Bewältigung der Pandemie beitragen, indem möglichst schnell großen Teilen der Bremer Bevölkerung eine Impfung gegen Covid-19 angeboten werden kann. „Ich will einfach nur helfen“, bringt es Patrick Krenz auf den Punkt.

Coronavirus - Impfungen für Erzieherinnen und Erzieher in Bremen

Warten auf das Arztgespräch und die Impfung im Wartebereich des Impfzentrums in der Messehalle.

Foto: Hauke-Christian Dittrich /dpa

Die Kurzarbeit sinnvoll nutzen

Der 31-jährige IT-Unternehmensberater ist seit April 2020 in Kurzarbeit. „Ich habe sinnlos Zeit zu Hause verbracht“, sagt er und hat sich eine Beschäftigung zur Überbrückung gesucht. Seit Ende Dezember ist er nach einer kurzen Einweisung, die jeder bekommt, festes Mitglied in den mobilen Impfteams.

Patrick Krenz kümmert sich darum, in den Pflegeheimen die Patientendaten einzulesen, die im System erfasst und an das Robert Koch-Institut übermittelt werden. Der 31-Jährige ist ferner Schnittstelle zwischen dem Impfzentrum und der mobilen Einheit. „Wenn am Ende des Tages beispielsweise eine Spritze nicht verimpft werden konnte, kläre ich ab, wer sie bekommen kann“, sagt der diplomierte Betriebswirt. Die größte Herausforderung bisher für ihn war die Koordination mehrer mobiler Impfteams für die Impfungen von 180 Menschen in einem Seniorenheim. „Am Ende des Tages müssen die Daten und Zahlen stimmen“, weiß Krenz.

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Seit Ende Dezember ist ebenfalls Bianca Becker dabei. „Ich habe ein Laptop in die Hand bekommen und los ging’s“, erinnert sich die Musicaldozentin an ihren ersten Einsatztag. Auch die 48-Jährige erfasst Patientendaten. „Trotz wechselnder Teams arbeiten alle Hand in Hand“, sagt sie. Und sie gewinnt bei ihrer neuen Tätigkeit viele Impulse für ihren Beruf. „Das Leben schreibt die besten Geschichten“, sinniert Bianca Becker. Denn: Die Musicals, die sie mit Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auf die Bühne bringt, stammen aus ihrer Feder.

Von ihrer Bühnenerfahrung profitiert auch die Sängerin Sara Dähn auf dem neuen Terrain. Normalerweise bildet sie mit ihrem Lebenspartner Thomas Blaeschke das Duo „Voice over Piano“ und absolviert im Jahr rund 50 Auftritte. Auch die 29-Jährige ist dem Aufruf zur Mithilfe gefolgt und bildet nun mit Kreuzfahrtmanagerin Betti Keese ein Team. Sie organisieren im Schichtdienst die Abläufe und Einsätze im Impfzentrum auf der Bürgerweide, sind es gewohnt, Führung und Verantwortung zu übernehmen.

Von nicht-systemrelevant zu relevant

„Auch sonst muss ich die Auftritte kaufmännisch und organisatorisch abwickeln, neue Shows konzipieren“, sagt Sara Dähn. „Dabei habe ich vor und hinter der Bühne mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Genau wie auch hier im Impfzentrum. Ich hätte nie gedacht, dass ich gleich zu Beginn dieser Phase zu einem so wichtigen Teil werde – sozusagen von nicht-systemrelevant zu relevant.“

Gleiches gilt für Betti Keese. Die Managerin für nachhaltigen Tourismus bereist gemeinhin mit nordamerikanischen Gästen die Flüsse Europas, kümmert sich um die Abläufe an Bord und organisiert das Tagesprogramm. „Das ist so ähnlich wie im Impfzentrum“, findet die gebürtige Delmenhorsterin. „Letztlich spielt es keine Rolle, ob 150 amerikanische Touristen vor mir stehen oder Bremer, die sich impfen lassen möchten.“ Die 38-Jährige hat viele Jahre für Adventures by Disney gearbeitet und nach ihrer Aussage dabei gelernt, Menschen zu lenken. So stört es Betti Keese nicht, wenn die Diensttelefone im Minutentakt klingeln. Die Schichtleiterin bleibt entspannt.

Apothekerin Astrid Herting arbeitet in der Hallen-Apotheke.

Apothekerin Astrid Herting arbeitet in der Hallen-Apotheke.

Foto: Privat

Akribische Planung in der Apotheke

Ohne Astrid Herting könnte im Impfzentrum gar nicht geimpft werden. Die 43-jährige Apothekerin überwacht die richtige Kühlung des sensiblen Impfstoffes, das Einhalten der Kühlkette beim Transport durch die mobilen Impfteams, das Auftauen, die Verdünnung und Impfstoffzubereitung, zudem die Auswahl und Handhabung der Spritzen und Kanülen sowie das Zeitmanagement. Deshalb muss alles akribisch geplant, einiges aber auch spontan erledigt werden.

Astrid Herting sagt, dass alle Hoffnungen zur Bekämpfung des Coronavirus auf den Erfolg der Impfungen bauen. Folglich müssten die gebrauchsfertigen Impfdosen mit größtmöglicher Sorgfalt hergestellt werden. „Diese Abläufe zu organisieren und mögliche Fehlerquellen zu finden, ist meine und im Grunde urpharmazeutische Aufgabe“, sagt die Apothekerin.

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Die Bremerin hat den Corona-Beginn gleich zwei Mal erlebt. Denn sie hat beim Ausbruch der Pandemie in Hongkong gelebt, rund 900 Kilometer von Wuhan entfernt. „Ich weiß noch, dass ich meine Mutter in Bremen anrief und zu ihr sagte, dass sie Desinfektionsmittel, Handseife, Masken und Toilettenpapier kaufen müsse“, erzählt sie. In Hongkong sei die Mangelwirtschaft präsenter, daher hätten die Chinesen auf Engpässe extremer reagiert als die Deutschen. „Es wurde sogar ein Lkw mit Klopapier überfallen“, berichtet sie. Nach zwei Jahren in der Metropole an der Südküste Chinas ist Astrid Herting froh, wieder in Deutschland zu sein und in Bremen einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten zu können.

Info

Zur Sache

Die Initiative Bremen impft

Die Initiative arbeitet eng mit der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, dem Landeskrisenstab und den Johannitern zusammen. Alle streben die schnelle und flächendeckende Impfung der Bremer Bevölkerung an und entwickeln dafür gemeinsam Konzepte. An der privaten „Initiative Bremen impft“ sind die AOK Bremen/Bremerhaven, Arcelor Mittal, Ariane Group, Atlantic Hotels, Atlas Elektronik, DBH Logistics IT, Deutscher Hotel- und Gaststättenverband, Die Johanniter, Handelskammer, Joke Event, Lampe & Schwartze Group, Mercedes, Müller & Egerer, Procedes Chenel, Shakespeare Company, SWB, Team Neusta, Web Men und die Zech Group beteiligt.

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