Neues Stück der Wilden Bühne zum Thema Alkoholmissbrauch Über Trinkzwang und Bremer Geschichte

Utbremen. Bremen, Anfang des 20. Jahrhunderts: Ottilie Hoffmann hält auf dem Marktplatz eine Rede: „Ist es nicht der Alkohol, der die Familien zerstört, Frauen und Kinder zittern lässt? Sollen wir Frauen das wirklich widerstandslos hinnehmen? Dieser Trinkzwang ist doch keine Naturkraft, der wir uns willenlos unterwerfen müssen, sondern ein Dämon, der bezwungen werden kann.
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Von LISA URLBAUER

Utbremen. Bremen, Anfang des 20. Jahrhunderts: Ottilie Hoffmann hält auf dem Marktplatz eine Rede: „Ist es nicht der Alkohol, der die Familien zerstört, Frauen und Kinder zittern lässt? Sollen wir Frauen das wirklich widerstandslos hinnehmen? Dieser Trinkzwang ist doch keine Naturkraft, der wir uns willenlos unterwerfen müssen, sondern ein Dämon, der bezwungen werden kann.“ Inspiriert von der britischen Abstinenzbewegung, kämpft die 1835 im Ostertor geborene Ottilie Hoffmann gegen den Alkoholmissbrauch in Bremen. An ihrer Brust: eine weiße Schleife als Zeichen der Enthaltsamkeit. Druck, Traumata, Zwang, Verzweiflung – Gründe für Alkoholmissbrauch sind Thema von „Unser Flüssigbrot“, einem Theaterstück der Wilden Bühne, das im Volkshaus, Hans-Böckler-Straße 9, zu sehen ist.

Unter der Regie von Michaela Uhlemann-Lantow und Jana Köckeritz haben Schauspielerinnen und Schauspieler „Unser Flüssigbrot“ gemeinsam über improvisierte Szenen entwickelt. Nach neunmonatiger Probenzeit präsentiert das Theaterensemble nun sein neues gesellschaftskritisches Stück – und bringt so auch einen Teil Bremer Geschichte auf die Bühne. Schauspielerin Rita R., die wie die anderen Schaupieler ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, kommt aus Blumenthal und spielt die Ottilie Hoffmann. Vor Probenbeginn hat sie sich intensiv mit ihrer Rolle und der Historie auseinandergesetzt. „Je mehr ich über sie gelesen habe, desto mehr hat sie mich begeistert“, sagt die 61-Jährige über die Protagonistin. „Sie war eine bemerkenswerte Frau – das hat auf mich abgefärbt. Ich bin beeindruckt von ihrem Schaffen.“ Hoffmann verteilte warme Mahlzeiten, schenkte Kaffee aus und gründete in Bremen die ersten alkoholfreien Kneipen und Speisehäuser. Zehn Stück davon gab es 1919 im Stadtgebiet. Hoffmann war eine Kämpferin und lebte für ihr Engagement – wenngleich sie auch kein einfacher Charakter war, sondern stur und dominant. „Viele Frauen fühlen sich dadurch von mir überfahren“, sagte sie einmal. Mit ihrer Art entsprach sie ganz und gar nicht dem klassischen Frauenbild um 1900. „Frauen hatten damals gefälligst die Klappe zu halten“, sagt Rita R. Daran habe sich Ottilie Hoffmann nie gehalten.

In dem 70-minütigen Stück bringt das Ensemble Einzelschicksale und miteinander verwobene Geschichten auf die Bühne. Was sie alle gemeinsam haben: den Alkohol. Neben Ottilie Hoffmann sind da die Geschwister Theresa und Ludwig, 14 und 17 Jahre alt, gespielt von der 24-jährigen Jenny K. aus Walle und dem 28-jährigen Kai H. aus Blumenthal. Theresa und Ludwig haben einen alkoholkranken Vater. Theresa flüchtet sich in Fantasiewelten und Selbstverletzung, Ludwig sucht sein Ventil in Gewaltausbrüchen und starkem Alkoholkonsum.

„Unser Flüssigbrot – Ottilie Hoffmann im Kampf gegen Alkohol“ ist für Zuschauer ab der achten Klasse gedacht. Im Volkshaus, Hans-Böckler-Straße 9, wird das Stück am Mittwoch, 23. November, 10 und 20 Uhr, Freitag 25. November, 20 Uhr und Sonnabend, 26. November, 20 Uhr, aufgeführt.

„Ottilie Hoffmann war eine bemerkenswerte Frau.“ Rita R.
„Es ist auch schwierig, die Demütigungen auf der Bühne zu ertragen.“ Jenny K.
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