Bürgerschaft diskutiert Weiterentwicklung des Waller Ortsteils / Bekenntnis zu Gewerbe Überseestadt zum Wohlfühlen

Die Überseestadt nimmt eine Fläche von 300 Hektar ein. 17 000 Menschen könnten einmal dort arbeiten, 3000 Menschen in diesem Teil Bremens leben. Aber wie kann die Überseestadt weiter so wachsen, dass ihre Bewohner sich dort wohlfühlen? Und: Wie wird sie zu dem Ortsteil von Walle, der sie laut Ortsgesetz schon ist?
16.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Überseestadt zum Wohlfühlen
Von Frauke Fischer

Die Überseestadt nimmt eine Fläche von 300 Hektar ein. 17 000 Menschen könnten einmal dort arbeiten, 3000 Menschen in diesem Teil Bremens leben. Aber wie kann die Überseestadt weiter so wachsen, dass ihre Bewohner sich dort wohlfühlen? Und: Wie wird sie zu dem Ortsteil von Walle, der sie laut Ortsgesetz schon ist?

Wer an die Überseestadt denkt, wird vermutlich als Erstes an jene großen Neubauten denken, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, aber auch an die umgebauten und umgenutzten Speicher in den alten Hafenrevieren. Aus Sicht der Stadtentwickler und des Senats ist die Entwicklung des Areals „eine Erfolgsstory“. Das geht aus der Mitteilung des Senats auf eine Große Anfrage der Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen hervor, die am Dienstag in der Bürgerschaft besprochen wurde – nicht ohne Wenn und Aber.

Vor allem das Miteinander von Wohnen und Gewerbe und daraus entstehende Konflikte, aber auch den bislang fehlenden Mix aus Wohnen und Gewerbe thematisierten Abgeordnete wie die CDU-Politikerin Silvia Neumeyer und Claudia Bernhard (Die Linke).

Vor einigen Monaten hatte sich der Mieter einer Neubauwohnung öffentlich über den Lärm am Großmarkt beklagt. Damit rückte eine Vereinbarung wieder in den Fokus, um die Unternehmen und Verwaltung viele Jahre gerungen hatten: das Bremer Modell. Darin wird laut Senat „das Nebeneinander von Industrie- und Hafenbetrieben mit den Belangen des Wohnens und der neuen Gewerbe in der Überseestadt“ geregelt. Jürgen Pohlmann (SPD) sieht „eine gelungene Kombination aus Wohnen, Dienstleistung und Gewerbe“. Und er stellte auch klar: „Unternehmen haben dort ihren Platz. Das soll so bleiben.“ Das Wohnen „auf Tuchfühlung“ mit Betrieben mache die Überseestadt zu einem lebendigen Ortsteil. Mit der Entscheidung für die Umsiedelung des Großmarkts in die Überseestadt sei „ein Stück dynamischer Entwicklung eingeleitet“ worden.

Der Blick auf die Überseestadt lasse auch andere Schlüsse zu, so Claudia Bernhard. Sie sehe „viele Betonklötze und Bauvorhaben“. Die hohen Preise der Wohnungen ließen nur eine bestimmte Bewohnerklientel zu, deren Gruppe noch sehr klein sei. So hätten zum Zeitpunkt der Europawahl nur 389 Wahlberechtigte ihren Wohnsitz in der Überseestadt gehabt. Von den angestrebten 3000 Bewohnern sei man noch weit entfernt, so die Politikerin. Es sei dringend notwendig, die Infrastruktur zu stärken. Und: „Der Übersee-Park ist alles andere als anheimelnd“, urteilte Claudia Bernhard über die Grünanlagen.

Eine stärkere Mischung aus Wohnen und Gewerbe wünscht sich auch Carsten Werner (Grüne). Doch wie sein SPD-Kollege Pohlmann sieht er die Weichen dafür gestellt. Beide erinnerten an den Spatenstich für das Wohnprojekt Marcuskaje. Dort sollen bis Ende 2015 bekanntlich 190 Wohnungen, davon 150 als sozial geförderte, entstehen. Auch im Schuppen 3 direkt am Europahafen sollen günstige Wohnungen sowie Gewerbeflächen angeboten werden. Die Kritik Neumeyers, es gebe keine Grundschule und womöglich zu wenig Krippen und Kitas im Umfeld, ließ Pohlmann nicht gelten. Die Kinder könnten in die Grundschule Nordstraße gehen und in Walle und Gröpelingen vorhandene Betreuungseinrichtungen besuchen. „Auch das ist ein Stück Zusammenwachsen“, meinte der SPD-Politiker.

Die Überseestadt sei „ein Ortsteil in der Entstehung“, betonte Carsten Werner. Er griff Silvia Neumeyers Anregung auf, zur besseren Nahversorgung der Beschäftigten und Bewohner über eine Einbindung des Großmarkts nachzudenken. Die CDU-Abgeordnete hatte vorgeschlagen, die Überseestadt über eine Markthalle am Großmarkt mit Frischeprodukten zu versorgen. Zudem müssten Verkehrsverbindungen nach Walle, in den gesamten Westen, aber auch über den Fluss nach Woltmershausen gestärkt werden.

Für den Wirtschaftsstaatsrat Heiner Heseler ist die Überseestadt eine Erfolgsgeschichte. Seit dem Jahr 2000 seien dort 230 Millionen Euro öffentlicher und über 400 Millionen Euro privater Gelder investiert worden. Diese Summe werde um einiges steigen. „Vergleichbare Projekte gibt es in Deutschland nur wenige“, so Heseler.

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