Neues Studium an der Hochschule Bremen

Übungsraum für den Pflege- und Hebammen-Nachwuchs

Auf dem neuen Gesundheitscampus der Hochschule Bremen lernen Pflege- und Hebammen-Studierende für die Praxis. Der Hebammen-Studiengang startet zum Wintersemester 2020/2021.
07.01.2020, 21:19
Lesedauer: 2 Min
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Übungsraum für den Pflege- und Hebammen-Nachwuchs
Von Eva Przybyla
Übungsraum für den Pflege- und Hebammen-Nachwuchs

Pflege will gelernt sein. Studierende üben erst am Modell, bevor sie am echten Menschen arbeiten.

Christoph Schmidt

Im Kreißsaal des neuen Gesundheitszentrums der Hochschule Bremen gibt es alles, was Hebammen brauchen: das Entbindungsbett, den Sitzball, die Wanne. Nur das Baby ist aus Plastik. In diesem Raum sollen zukünftig die Studierenden des neuen Hebammen-Studiengangs, der im Herbst an der Hochschule Bremen startet, die Entbindung üben. Über zwei Etagen erstreckt sich das „Skills- und Simulationszentrum“ am Brill, das am Dienstag offiziell eröffnet wurde.

Darin finden sich für Krankenhäuser und Pflegeheime typische Räume. Auch eine Einzimmerwohnung ist dabei. Dort sollen die 22 Studierenden des im Oktober angelaufenen Pflegestudiengangs der Hochschule nun Blut abnehmen, Zugänge legen oder etwa die Patientinnen und Patienten waschen. All das üben sie an Schauspielern oder Modellen. So sollen sie praktisches Wissen für den Job in der Alten- und Krankenpflege erlernen.

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Die Gelder für das Gesundheitszentrum hat nach Angaben der Hochschulrektorin und -professorin Karin Luckey die Stadt Bremen bereitgestellt. Eine Million Euro hat die Einrichtung des Zentrums ihrer Aussage nach gekostet. Nutzen sollen es neben den aktuellen Pflege-Studierenden auch die Kooperationspartner wie etwa die Universität Bremen, Krankenhäuser und Ausbildungsbetriebe. Im Herbst sollen die Studierenden des neuen Hebammen-Studiengangs, der zum Wintersemester 2020/2021 startet, die Kreißsaal-Simulation beleben.

Mit Pflege- und Hebammen-Studiengang will die Hochschule den Fachkräftemangel in Bremen bekämpfen, der bei Geburtshelfern und Pflegekräften besonders groß ist. Dem Gesundheitsberufemonitor aus dem Jahr 2016 zufolge fehlen etwa 250 Krankenpfleger, in der Altenpflege sind 200 Stellen unbesetzt. Aktuelle Zahlen will das Gesundheitsressort nach eigenen Angaben im laufenden Jahr erheben. Studiengänge gegen den Fachkräftemangel – für Andreas Westerfellhaus, Staatssekretär und Pflegebevollbemächtigter der Bundesregierung, ist es das richtige Mittel. „Wir werden den Fachkräftemangel nicht nur über mehr Köpfe regeln können, sondern auch über die Qualifikation“, sagte er bei der Eröffnung. Ihm zufolge erlernten die jungen Menschen während des Studiums einen Mix aus Fähigkeiten, mit dem sie in verschiedenen Pflegebereichen arbeiten könnten.

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Westerfellhaus erhofft sich von den gut qualifizierten Studienabsolventinnen und -absolventen, dass sie einen neuen Arbeitsstil in viele Krankenhäuser und Einrichtungen bringen. Denn heute gebe es noch unsinnige Aufgabenverteilungen zwischen Ärzten und Pflegekräften, sagte der Pflegebevollmächtigte. Er kritisiert etwa die fehlende Kommunikation zwischen Pflegekräften, Fachärzten und Logopäden und nennt die Aufgabenteilung ein „Kästchensystem“. Er hofft jedoch auch, dass der Pflegeberuf durch die Möglichkeit eines Studiums attraktiver wird.

Das Angebot ist nach Angaben der Hochschule bundesweit der erste Pflege-Studiengang, der nach dem neuen Pflegeberufegesetz akkreditiert wurde. Das Gesetz fasst die Ausbildungen für Alten- und Krankenpfleger zusammen. Dies soll der Personalnot entgegenwirken, weil Pfleger künftig nach ihrer Ausbildung in beiden Bereichen arbeiten können. Dass der Pflegeberuf an Universitäten gelehrt wird, ist nicht unumstritten. Der Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi bemängelte etwa, dass es noch keine überzeugenden Antworten darauf gebe, wie sich die Tätigkeiten von Personen mit einer hochschulischen und beruflichen Ausbildung unterschieden.

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