Modenschau „In Hülle und Fülle“ Üppige Frauen präsentieren ihre eigene Mode

Osterholz. Wer dick ist, muss nicht im Sack durch die Gegend laufen. Das haben sich elf Frauen gedacht. Sie alle tragen mindestens Kleidergröße L. Im Workshop „In Hülle und Fülle“ haben sie eigene Kreationen geschneidert und sie auf einer Modenschau präsentiert.
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Von Melanie Öhlenbach

Osterholz. Wer dick ist, muss noch lange nicht in Sack und Asche durch die Gegend laufen. Das haben sich elf Frauen gedacht. Sie alle tragen midestens Kleidergröße L. Im Workshop „In Hülle und Fülle“ haben sie ihre eigenen Kreationen geschneidert und sie auf einer eigenen Modenschau präsentiert.

"Big girl your are beautiful" , schallte es durch den OTe-Saal in Tenever, als elf Frauen den Laufsteg betraten. Sie alle hatten eines gemeinsam: ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Anstatt immer wieder erfolglos zu überlegen, wie sie zu einem dünneren Körper kommen, haben sie in den vergangen sechs Monaten daran gearbeitet, mit ihren eignen Rundungen rundum glücklich und gesund zu leben. "Dick zu sein, ist in unserer Gesellschaft ein Problem", sagte die Künstlerin Elke Prieß, die mit den Frauen gearbeitet hat. "Sie werden im Alltag und vor allem im Beruf immer wieder diskriminiert."

Mindestens Kleidergröße L war Voraussetzung für das Projekt "In Hülle und Fülle", das Quartier gGmbH gemeinsam mit dem Mütterzentrum Osterholz-Tenever auf die Beine gestellt hat. Seit Mai haben sich die Frauen einmal in der Woche mit Choreografen, Stylisten und Künstlern getroffen und sich auf künstlerische und praktische Weise mit ihrer eigenen Körperlichkeit auseinander gesetzt: Sie haben aus Hüte gebastelt, Kimonos gestaltet und schließlich auch aus verschiedenen Stoffen ausgefallene und alltagstaugliche Kleidung nach ihren eigenen Vorstellungen geschneidert.

"Das würde ich auch tragen"

Eine Erfahrung, die sie nicht missen wollen. "Ich habe mich eigentlich nie für Mode interessiert", sagt Bianca Bergmann. Sie kritisiert das Kleidungsangebot für füllige Frauen. "Das sind dann meist eher Säcke. Aber man kauft halt, was man kriegen kann." Aber auch das Laufstegtraining hat der 34-Jährigen aus Tenever gut gefallen. "Ich habe gelernt, viel mehr auf meinen eigenen Körper zu achten und mich gerade zu halten. Früher bin ich wie ein graues Mäuschen durch die Gegend geschlichen."

Ganz anders kamen die elf Models bei der Schau ihrer eigenen Kreationen daher. Strahlend, frech und grazil trippelten und tanzten sie über den roten Teppich und genossen sichtlich die Aufmerksamkeit der gut 200 Zuschauer, die mit bewundernden „Ahs“ und „Ohs“ und donnernden Applaus ihren Mut und ihre Ideen honorierten. „Das würde ich auch tragen“, war ein Satz, der an diesem Abend häufiger von den weiblichen Besuchern zu hören war.

Insgesamt rund 10.000 Euro hat das Projekt "In Hülle und Fülle" gekostet. Finanziert wurde es vom Kulturessort und mit Mitteln aus den Förderprogrammen "Lokales Kapital für Soziale Zwecke" und "Wohnen in Nachbarschaften". "Wir hoffen, sehr dass es im kommenden Jahr ein Fortsetzung gibt", sagte Andrea Siamis von Quartier.

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