Sie hat sogar die Stadtmusikanten zum Lesen gebracht

Ulrike Hövelmann bekommt das Bundesverdienstkreuz

Nach langjährigem Bemühen um die Lesebegeisterung bei Kindern und Jugendlichen bekommt Ulrike Hövelmann in Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen.
04.10.2016, 19:19
Lesedauer: 2 Min
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Ulrike Hövelmann bekommt das Bundesverdienstkreuz
Von Lisa Boekhoff
Ulrike Hövelmann bekommt das Bundesverdienstkreuz

Ausgezeichnetes Engagement: die Bremerin Ulrike Hövelmann.

Frank Thomas Koch

Nach langjährigem Bemühen um die Lesebegeisterung bei Kindern und Jugendlichen bekommt Ulrike Hövelmann in Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Für Ulrike Hövelmann ist dieser 4. Oktober ein besonderer Tag. Denn für diesen Dienstag ist die 62-jährige Bremerin in das Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen und bekommt dort von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Hövelmann wird damit für ihr langjähriges Engagement ausgezeichnet, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern.

Als im Jahr 2002 die Pisa-Ergebnisse zeigen, dass die Lesekompetenz der Schüler bundesweit zurückgegangen ist, will die damalige bildungspolitische Sprecherin der SPD etwas unternehmen. Hövelmann organisiert die zweiwöchige Aktion „Vorlesezeit“.

Alle Senatsmitglieder sind dabei als Lesebotschafter im Einsatz. Eigentlich sollte es nach dieser Aktion gar nicht weitergehen. Doch die ehemalige Lehrerin und Bürgerschaftsabgeordnete ließ sich überreden, weiterzumachen. Schließlich gründete sie im Jahr darauf die Bremer Leselust.

Prominente Kooperationspartner für den Verein

Heute ist der Verein schon lange in der Stadt etabliert und kann auf prominente Unterstützer und Kooperationspartner setzen – unter anderem auch auf den SV Werder Bremen. Um Jugendliche für das Lesen zu begeistern brauche es Vorbilder, ist sich Ulrike Hövelmann sicher.

Derzeit engagiert die Rentnerin sich für geflüchtete Kinder. Sie richtet in Unterkünften Spiele- und Lesezimmer für sie ein. Zwei bis drei Tage in der Woche arbeitet sie dabei für ihren Verein, dessen Maskottchen die lesenden Stadtmusikanten sind.

Gerade zu Anfang habe sie oft die Nächte durchgemacht, um die Leselust voranzubringen. Ein Engagement, das nun mit der höchsten Anerkennung der Bundesrepublik für gemeinnützige Verdienste gewürdigt wird. „Ich freue mich sehr über die Auszeichnung und widme sie den vielen, vielen Unterstützern. Ohne sie wäre vieles gar nicht möglich gewesen“, sagt Hövelmann.

Auch besondere Einzeltaten werden honoriert

Wer als Bürger ausgezeichnet wird, bekommt meist eine Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande. In der Handreichung zur Auszeichnung heißt es: „Die ehrenamtliche Tätigkeit muss mit großem persönlichem Einsatz unter Zurückstellung eigener Interessen längere Zeit ausgeübt worden sein.“ Auch besondere Einzeltaten werden mit dem Bundesverdienstkreuz honoriert.

Bereits seit 65 Jahren gibt es die Auszeichnung. Am 19. September 1951 verlieh der damalige Bundespräsident Theodor Heuss sie das erste Mal: Der hessische Bergmann Franz Brandl hatte im November 1950 zwei seiner Kumpel in 300 Meter Tiefe das Leben gerettet – und sein eigenes dabei riskiert. Er wird zum ersten Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Inzwischen wurde die Auszeichnung mehr als 250 000 Menschen verliehen. Zeitweise wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland viel öfter vergeben: im Jahr 1993 an 7265 Menschen. Seitdem sank die Anzahl der Ausgezeichneten. 2015 waren es insgesamt 1404 Menschen.

28 weitere Engagierte bekommen den Orden

Neben Ulrike Hövelmann bekommen den Verdienstorden 28 weitere Bürgerinnen und Bürger. Zu ihnen gehört auch der Neurologe Hermann Munzel aus Syke. Er organisiert seit mehr als zwölf Jahren Hilfstransporte für Krankenhäuser und soziale Einrichtungen in Ost- und Südosteuropa.

Das Verdienstkreuz am Bande geht außerdem an Hamideh Mohagheghi aus Hannover. Die Referentin für Islam und interreligiösen Dialog an der Uni Paderborn setzt sich für ein friedliches Miteinander der Religionen ein.

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