Umfrage bei Bremer Eltern

Eingeschränkte Kinderbetreuung belastet berufliche Situation von Bremer Eltern

Für viele Eltern führe die eingeschränkte Kinderbetreuung zu Verdienstausfällen, beschreibt die Elternvertretung. Besonders Frauen scheinen stärker betroffen.
02.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Eingeschränkte Kinderbetreuung belastet berufliche Situation von Bremer Eltern
Von Sara Sundermann
Eingeschränkte Kinderbetreuung belastet berufliche Situation von Bremer Eltern

Ab dieser Woche ist der Kita-Betrieb in der Stadt stärker eingeschränkt – bereits zuvor fühlten sich viele Familien der Elternvertretung zufolge in der Pandemie belastet.

Julian Stratenschulte / dpa

Durch eingeschränkte Möglichkeiten der Kinderbetreuung verschlechtert sich die berufliche Situation von Eltern – insbesondere für Frauen. Zu diesem Schluss kommt die Zentralelternvertretung (ZEV), die in einer Umfrage mehr als 2000 Bremer Eltern zu ihrer Situation befragt hat. Viele Familien stünden stark unter Druck und wünschten sich mehr Unterstützung und Klarheit von der Politik, sagt Ann-Kathrin Rohde vom ZEV-Vorstand.

Die Umfrage bezieht sich auf den Modus, in dem Bremens Krippen und Kindergärten bis vergangene Woche waren: Da galt noch der eingeschränkte Regelbetrieb (Stufe 2), ab dieser Woche gilt Notbetreuung (Stufe 3).

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Knapp ein Viertel der berufstätigen Befragten hat seine Arbeitszeit derzeit reduziert, um ein Kind betreuen zu können. Für mehr als jedes zweite Elternteil, das Stunden reduziert hat, bedeute dies finanzielle Einbußen. Darüber hinaus hätten mehr als ein Drittel der Befragten den Eindruck, durch die Betreuungssituation jetzt schlechtere Chancen im Job oder langfristige Verdienstausfälle zu haben. „Frauen und Männer, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, sind sich dabei einig, dass die Frauen hier stärker gebeutelt sind“, sagt Rohde.

Die Umfrage gibt auch Einblicke, wie viele Kinder im Januar in die Kitas kamen: Zuletzt haben demnach knapp zwei Drittel der Befragten ihr Kind in der Krippe oder im Kindergarten betreuen lassen, für weitere 14 Prozent traf dies teilweise zu. Etwa die Hälfte gab an, dass sie während Regelstufe zwei nicht auf die vertraglich vereinbarte Betreuungszeit zurückgreifen konnten. „Ein Großteil berichtet, dass sie von der Einrichtung entgegen der Aussage der Senatorin, dass die Einrichtungen für alle offen sein, gebeten wurden, die Kinder nicht in die Einrichtung zu bringen“, formuliert die Elternvertretung.

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Mehr als 64 Prozent der Eltern empfinde die derzeitige Situation als belastend für sich selbst, 40 Prozent sähen auch eine Belastung für die Kinder. „Es ist schon sehr auffällig, wie viele Eltern sich mehr Unterstützung von der Politik wünschen“, sagt Rohde. Mehr als 90 Prozent der Befragten hätten dies angegeben. „Viele Eltern haben Konflikte an ihrem Arbeitsplatz, weil sie Termine wegen der Kinderbetreuung nicht einhalten können.“ Jede zweite Familie fühle sich nicht frei in der Entscheidung, ob sie ihr Kind in die Kita bringt oder nicht. Berufliche Zwänge, eine belastende Situation zu Hause und die Angst vor einer Infektion würden die Entscheidung bestimmen.

Die ZEV leitet aus den Umfrage-Ergebnissen Empfehlungen an die Politik ab: Es brauche mehr Schutz für Eltern und einen Ausgleich für schlechtere Chancen im Beruf. Auch die Information und Beratung zu Hilfen für Familien müsse verbessert werden, fordert Rohde. Viele Eltern fühlten sich zum erweiterten Kinderkrankengeld inzwischen informiert, nicht aber dazu, wann und wie sie Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz nutzen können, so die Vorstandsvorsitzende. „Wenn es in einer Kita eine Infektion gibt und die Einrichtung schließt, sollte es sofort ein Schreiben an die Eltern geben, das diese Möglichkeit erklärt.“

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