Bremen

Umstellung auf Bio-Kost in Kantinen beschlossen

Die Speisezettel in Bremens Kitas, Schulen und Kantinen sollen auf Bio-Kost umgestellt werden. Der Plan hierfür passierte am Dienstag die Stadtbürgerschaft. Was nicht jedem Parlamentarier schmeckte.
14.03.2018, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Umstellung auf Bio-Kost in Kantinen beschlossen
Von Ralf Michel

Ganz zum Schluss der Debatte um Bio-Essen in Bremens Kitas, Schulen und Kantinen kam noch einmal richtig Leben in die Bude. Natürlich sei es nicht gesund, wenn man jeden Tag nur Fleisch essen würde, polterte CDU-Mann Frank Imhoff in der Bürgerschaft in Richtung der Grünen. „Aber wenn Sie sieben Tage die Woche nur Mohrrüben fressen, ist das auch nicht gesund!“

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Eine Wortwahl, die dem Landwirt einen leichten Tadel von Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) einbrachte („Ihre Sprache ist nicht parlamentsgemäß.“), ansonsten aber nichts mehr änderte: Die Gemeinschaftsverpflegung in Bremens Kindergärten, Schulen, den Kantinen des Öffentlichen Dienstes und den Krankenhäusern der Gesundheit Nord wird schrittweise auf Biokost umgestellt. Der entsprechende Aktionsplan des Senats passierte am Dienstagabend die Stadtbürgerschaft.

Kritik von der CDU

Der Senat hat seinen Plan mit „Gesunde Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung“ überschrieben. Schon daran störte sich Imhoff. Ob das bedeuten solle, dass die derzeitige Verpflegung nicht gesund sei, erkundigte sich der Landwirt und legte unter lauten Beifallsbekundungen seiner CDU-Fraktionskollegen nach: „Konventionell erzeugte Lebensmittel sind genauso gesund wie biologisch produzierte.“

Alle anderen Redner jedoch hatten wenig Probleme mit dem Aktionsplan der rot-grünen Landesregierung. Abgesehen von Claudia Bernhard (Die Linke). Sie übte ebenfalls Kritik, allerdings aus ganz anderer Richtung. Von dem ursprünglichen Ansinnen sei nicht mehr viel übrig geblieben, so Bernhard mit Blick auf die eher überschaubare Bio-Quote, die den Krankenhäusern auferlegt wurde – 20 Prozent bis Ende 2024. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass in den Kliniken weiterhin 80 Prozent Billigfleisch auf die Teller komme.

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Jan Saffe (Grüne) begrüßte den Aktionsplan dagegen als „Bremens Beitrag zur Ernährungs- und Agrarwende“ und sprach von guten und erreichbaren Zielen. Nicht anders Jens Crueger (SPD): Bis 2022 habe man in allen Kitas, Schulen und Kantinen zu 100 Prozent auf Bio umgestellt, das sei ein schöner Erfolg. Dass die Krankenhäuser weit dahinter zurückblieben, sei zwar schade, aber wegen der besonderen Anforderungen dort nicht anders machbar. Die Umstellung koste nun einmal Geld „und das ist bei den Kliniken einfach nicht drin“, ergänzte Magnus Buhlert (FDP). Ansonsten werde hier „ein vernünftiger Prozess angegangen“.

Und der wird erfolgreich sein, ist sich Joachim Lohse (Grüne), Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, sicher. Auch und gerade, was die Lieferanten der Biokost beträfe. Die hätten durch die klaren Vorgaben nun Sicherheit. „Wenn das ins Rollen kommt, wird sich das Angebot verbessern.“

Stufenweise Umstellung bis 2022

Der verabschiedete Plan des Senats zur Umstellung auf Bioprodukte sieht für Schulen, Kitas und Kantinen bis Ende 2022 fünf Stufen vor. Die Milch soll dabei bereits ab Ende 2018 zu 100 Prozent auf Bio umgestellt sein. Die tierischen und pflanzlichen Produkte sollen sich von einem 20-prozentigen Bioanteil Ende 2018 über 30, 40, 60 bis Ende 2022 auf 100 Prozent steigern.

Einen anderen Fahrplan gibt es für die Umstellung in den Krankenhäusern. Auch hier sind bereits ab Ende 2018 bei der Milch 100 Prozent Bio vorgesehen. Bei tierischen und pflanzlichen Produkten dagegen lautet die Zielvorgabe bis Ende 2018 fünf Prozent, was sich bis Ende 2022 nur auf 15 Prozent steigern soll und anschließend bis Ende 2024 auf 20 Prozent. Zudem stehe schon heute fest, dass hierfür in Krankenhäusern Kosten entstehen werden, heißt es in dem Aktionsplan. Zu lesen ist dort außerdem auch dieser Satz: „Es ist davon auszugehen, dass eine Umstellung auf Bioprodukte nur durch eine Reduzierung des Fleischanteils möglich ist.“

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Wesentlich schneller, nämlich bis 1. Juli 2018 bei Kitas und Schulen sowie bis zum 1. Januar 2019 in Kantinen und Krankenhäusern, sollen in Bremen die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DEG) verbindlich werden. Auch dies ist Teil des Aktionsplans. Für Jan Saffe, auf politischer Ebene eine der treibenden Kräfte hinter der Umstellung auf Bio-Lebensmittel, eine „sehr gute Idee“.

Ursprung des Aktionsplans ist ein Bürgerantrag, den das Agrarpolitische Bündnis Bremen 2016 erfolgreich auf den Weg gebracht hatte. Der richtete sich gegen Billigfleisch in den Gemeinschaftsküchen, die in die Zuständigkeit der Stadt Bremen fallen. Die Stadtbürgerschaft unterstützte diesen Antrag im September 2016 und forderte den Senat auf, einen Aktionsplan für die schrittweise Umstellung der Gemeinschaftsküchen auf Biokost auszuarbeiten. Gemeint ist damit mindestens die Einhaltung der Kriterien der EU-Verordnung von 2007 über ökologische/biologische Produktion von Lebensmitteln. Dies allerdings ausdrücklich „aufwendungsneutral“, soll heißen: gesünder soll das Essen werden, darf aber nicht mehr kosten. Ob und wie dies funktioniert, soll in den kommenden Jahren regelmäßig überprüft werden.

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