Fahrzeuge rollen ab 2022

Umstieg auf Elektrobusse: BSAG bestellt 20 Modelle

Schon seit Jahren testet die Bremer Straßenbahn AG Elektrofahrzeuge, jetzt fällt die Entscheidung für den Kauf erster Linienbusse. Sie sollen ab 2022 auf Bremens Straßen rollen.
23.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Umstieg auf Elektrobusse: BSAG bestellt 20 Modelle
Von Jürgen Theiner
Umstieg auf Elektrobusse: BSAG bestellt 20 Modelle

Mit diesen Elektrobussen war die BSAG 2017 zeitweilig zu Testzwecken unterwegs.

Frank Thomas Koch

Die BSAG wird voraussichtlich 2022 die ersten Elektrobusse in den Linienbetrieb schicken. Geplant ist, fünf normale E-Busse und 15 weitere mit wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen zur Verlängerung der Reichweite zu beschaffen. Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt einschließlich des Aufbaus der Ladeinfrastruktur auf den BSAG-Betriebshöfen und der technischen Umrüstung im Werkstattbereich bei rund 16,7 Millionen Euro.

Die BSAG kauft die Busse, finanzielle Unterstützung gibt es von Stadt und Bund. Die Entscheidung für den Einstieg in die Elektromobilität bei der BSAG-Busflotte war lange aufgeschoben worden, weil sie eben auch eine Kostenfrage ist. Elektrobusse sind gegenwärtig noch mehr als doppelt so teuer wie konventionelle Dieselmodelle, von denen die BSAG derzeit 212 im Einsatz hat.

Ein einzelner Zwölf-Meter-Elektrobus kostet etwa 780 000 Euro. Dank eines Förderprogramms des Bundes kann die Bremer Straßenbahn AG mit einem Zuschuss von jeweils 40 Prozent pro Fahrzeug rechnen. Die verbleibende Finanzierungslücke im Vergleich zum Preis von Dieselfahrzeugen wird nun voraussichtlich der Senat schließen. Die dafür notwendigen 1,16 Millionen Euro sollen am Dienstag freigegeben werden.

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Das Ziel eines langfristig flächendeckenden E-Linienbus-Betriebs im Stadtgebiet wurde bereits vor zwei Jahren im sogenannten Masterplan Green City festgelegt. Auf dieser Grundlage hatte die BSAG einen Förderantrag beim Bundesverkehrsministerium gestellt. Noch Ende 2019 sah es allerdings nicht danach aus, als ob bald Bewegung in die Angelegenheit käme. Seinerzeit hieß es aus dem Verkehrsressort, man prüfe bei der Umrüstung der BSAG-Busflotte auf emissionsfreie Antriebe auch den Einsatz von Wasserstoff. Diese Denkpause ist nun offenbar beendet.

Die Lieferung der ersten fünf Elektrobusse soll noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Mit der Inbetriebnahme wird für Mitte 2022 gerechnet. Bei den Modellen handelt es sich um einteilige Fahrzeuge, denn Gelenkbusse mit Elektroantrieb sind am Markt gegenwärtig noch nicht verfügbar. Bei etwa einem Viertel der 212 Busse der BSAG handelt es sich um Zwölf-Meter-Busse, der größte Teil der Linien wird mit 18-Meter-Gelenkbussen abgedeckt. Die fünf neuen E-Busse sollen nach ihrer Indienststellung auf den Strecken fahren, die von den Betriebshöfen Neustadt und Neue Vahr aus bedient werden. Ihre Tagesreichweite wird zwischen 70 und 350 Kilometern liegen, wie Unterlagen der Verkehrsbehörde zu entnehmen ist, die dem WESER-KURIER vorliegen.

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Aufgrund der Erfahrungen aus zurückliegenden Testbetrieben geht das Haus von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) davon aus, dass die Elektrobusse zunächst nur etwa 75 Prozent der eingeplanten Zeit zur Verfügung stehen werden, Stichwort „Kinderkrankheiten“. Aus diesem Grund müssten noch einige ältere Dieselbusse in Reserve gehalten werden. In einem zweiten Schwung werden voraussichtlich Ende 2022 die ersten 15 BSAG-Elektrobusse mit zusätzlicher Brennstoffzelle Teil des Straßenbildes werden. Ihr Wasserstoff-Zusatzantrieb soll die Reichweite auf 400 Kilometer verlängern.

Für die 15 kombinierten Elektro-/Wasserstoffbusse sind 13 Ladesäulen und eine Wasserstoff-Tankstelle auf dem Betriebshof Neustadt vorgesehen, weitere fünf Säulen werden auf dem BSAG-Gelände Neue Vahr installiert. Der Einsatz der 15 Busse soll etwa 800 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr einsparen. Das entspricht etwa 0,1 Prozent des gesamten im Bremer Straßenverkehr ausgestoßenen CO2 auf dem Niveau des Jahres 2016. Aus Sicht von BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer ist der Kauf der insgesamt 20 ersten Elektrobusse eine wichtige Marke in der Unternehmensgeschichte, „auch wenn wir eigentlich schon seit fast 140 Jahren elektrisch unterwegs sind, nämlich mit der Straßenbahn“.

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Die von Bund und Land geförderte Beschaffung der Fahrzeuge sei jetzt sinnvoll, weil die vergangenen Jahre sowohl preislich als auch technisch erhebliche Fortschritte gebracht hätten. Meyer: „Es ist noch gar nicht lange her, dass die ersten verfügbaren Modelle das Drei- bis Vierfache eines herkömmlichen Dieselbusses gekostet haben.“ Für ein finanziell nicht auf Rosen gebettetes kommunales Verkehrsunternehmen wie die BSAG seien solche Dimensionen einfach nicht machbar gewesen. Der Masterplan Green City sieht vor, dass die BSAG ab 2025 gut 50 Prozent ihrer Kilometerleistung rein elektrisch erbringt, wobei die Straßenbahnen allerdings einbezogen sind. Bis zur kompletten Umrüstung der Busflotte auf Elektroantrieb vergehen noch einige Jahre. Der letzte Diesel wird voraussichtlich zwischen 2035 und 2040 ausrangiert.

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