Neuer Flughafen

Legendäre Junkers Ju52 verlässt Bremen in Richtung Paderborn

Fünf Schwertransporte bringen die legendäre Junkers Ju52 der Lufthansa in einen neuen Flughafen. Aber den Flugbetrieb wird sich nicht mehr aufnehmen.
29.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Schelling
Legendäre Junkers Ju52 verlässt Bremen in Richtung Paderborn

Ab nach Paderborn: Die Ju52 der Lufthansa wird mit schwerem Gerät in Bremen abtransportiert.

Martin Sauer

Es war zwar nicht auf dem Luftweg, sondern zerlegt in Rumpf, Tragflächen und Leitwerk auf Tiefladern, aber nun ist sie von einer Halle in Bremen ins neue Zuhause in Paderborn umgezogen: die legendäre Junkers Ju52 “D-AQUI” der Lufthansa Berlin Stiftung.

In aller Frühe, um dem Verkehr auf den Straßen aus dem Weg zu gehen, setzte sich ein Konvoi aus fünf Schwertransportern der in Anröchte beheimateten KTL Transporte GmbH in Bewegung. Auf ihnen wurde der gut ein Jahr lang in Bremen eingelagerte historische Airliner mit 18 Metern Länge und 29 Metern Spannweite zum Paderborn-Lippstadt Airport transportiert. Noch am Samstagnachmittag konnte die zerlegte Junkers ins neue Zuhause gerollt werden. Das ist der gläserne Hangar des “Quax-Verein zur Förderung von historischem Fluggerät” am Flughafen Paderborn.

Flugbetrieb 2019 eingestellt

Bereits 1936 gebaut flog die legendäre Dreimotorige seit 1986 mehr als 250.000 Rundfluggäste über Deutschland. Die Lufthansa gab allerdings im April 2019 überraschend bekannt, dass der Oldtimer ins Museum kommt. Bereits ab der Mitte der Flugsaison 2015 war die Junkers für längere Zeit wegen eines Holmbruchs gegroundet gewesen. Dieser musste aufwendig repariert werden. 2018 hob der Oldie mit 16 Passagierplätzen wieder ab, der bis zur Ausmusterung mehr als 11.000 Flugstunden für die Lufthansa Berlin Stiftung absolvierte. Mutmaßlich beeinflusst vom Absturz der schweizerischen Ju52 im August 2018 in den Alpen mit 20 Todesopfern entschloss sich die Lufthansa aber 2019, ihren bislang üblichen finanziellen Zuschuss zum Betrieb der Maschine an die Stiftung einzustellen. Damit war der Flugbetrieb der Ju52 nicht mehr möglich. Der zerlegte Oldtimer war bis jetzt in einer Halle in Bremen eingelagert.

Beim Quax-Verein in Paderborn wird zunächst der Rumpf der berühmten Junkers mit dem historischen Kennzeichen D-AQUI im Technikhangar für Besucher ausgestellt. Im Laufe der kommenden Monate soll die Ju dann aber auch wieder komplett montiert werden. Zudem strebt der Verein an, die Ju52 zumindest rollfähig und ihre Motoren betriebsbereit zu halten. Die Maschine ist aber nur an den Quax-Verein ausgeliehen, Eigentümerin bleibt die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung. Die Quax-Vereinsmitglieder betreiben an mehreren Flugplätzen in Deutschland zahlreiche Oldtimerflugzeuge und gehen regelmäßig mit ihnen in die Luft. Die Ju52 wird aber nicht mehr fliegen.

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Die D-AQUI, gebaut bei den Junkers Werken in Dessau, erlebte aber auch früher schon turbulente Zeiten. Anfangs als Wasserflugzeug auf Schwimmern bei der damaligen Luft Hansa eingesetzt, ging die Ju schon nach zwei Monaten Einsatz 1936 nach Norwegen zur dortigen Fluggesellschaft DNL. 1940 dann die Rückkehr zur Luft Hansa, um nach Kriegesende erneut bei der DNL in Skandinavien eingesetzt zu werden. Durch den strapaziösen Einsatz als Frachtflugzeug im Salzwasser der Nordsee wurde es notwendig, den Rumpf der D-AQUI gegen den einer besser erhaltenen Junkers auszutauschen. An diesen wurden dann Flächen und Leitwerksteile des Originals montiert.

1956 drohte der damals gerade 20 Jahre alten Maschine bereits der Zwangs-Ruhestand. Der wurde abgewendet, denn ein südamerikanisches Luftfahrtunternehmen hatte Bedarf für ein robustes Frachtflugzeug. Anstelle der Schwimmer bekam die Ju im ecuadorianischen Quito wieder Räder montiert und flog im Amazonasgebiet. Ende der 1960er Jahre wurde die Ju 52 in die USA verkauft. Dort flog sie unter dem Namen “Iron Annie” in einer imaginären deutschen Luftwaffen-Lackierung auf Airshows.

Zurück nach Deutschland geholt

Verantwortliche der Lufthansa holten die Maschine in den 1980er Jahren zurück nach Deutschland. In der Hamburger Werft der Kranich-Linie folgte anschließend eine Totalüberholung. Passend zum 50. Geburtstag der D-AQUI und 60 Jahre nach dem ersten Linienflug der alten Luft Hansa war die Maschine 1986 wieder flugtüchtig.

Die Amerikaner rüsteten sie in der Zeit, als sie auf Airshows in den Vereinigten Staaten flog, bereits auf Pratt&Whitney-Sternmotoren um. Anders als für die originalen BMW-Motoren sind für die US-Triebwerke Ersatzteile problemlos zu bekommen, zudem ist ihre Wartung einfacher. Die Crew der Lufthansa-Ju52 flog immer mit einem Flugingenieur im Cockpit, der zwischen den Piloten saß und vorwiegend die Motoren bediente.

In der gleichen Halle in Bremen, in der die Ju52 eingelagert war, befindet sich nun weiter die teilrestaurierte Lockheed Starliner der Lufthansa aus der Super-Constellation-Baureihe. Was in Zukunft mit dem zerlegten viermotorigen Propeller-Airliner geschieht, dessen Restaurierung nach zehnjähriger Arbeit 2018 wegen zu hoher Kosten von der Lufthansa abgebrochen wurde, ist derzeit nicht bekannt.

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