Schon drei Fälle Unbekannter greift Pferde brutal an

Bremen. Die Verletzungen waren massiv, herbeigeführt durch tiefe Schnitte - ganz so, wie es über Jahre auf Weiden in Niedersachsen passiert ist. Dort trieb sich ein Pferderipper herum und tötete oder verletzte bevorzugt Stuten. Nun trifft es offenbar Tiere in Bremen.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Unbekannter greift Pferde brutal an
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Die Verletzungen waren massiv, herbeigeführt durch tiefe Schnitte mit einem lanzenähnlichen Werkzeug und ganz so, wie es über Jahre auf Weiden in Niedersachsen passiert ist. Dort trieb sich ein Pferderipper herum und tötete oder verletzte bevorzugt Stuten. Nun trifft es offenbar Tiere in Bremen. Die Fälle sind im Randbereich von Oberneuland passiert. Einer der Pferdehalter hat für die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Wie die Polizei gestern bestätigte, handelt es sich um bislang drei Angriffe. Zwei davon ereigneten sich Mitte September auf Weiden im Bereich Osterholzer Deich und Hodenberger Deich. Der dritte geschah vor zwei Wochen am Aumundsdamm. Immer war es so, dass von den Haltern gravierende Schnittverletzungen festgestellt wurden, an den Flanken der Pferde und einmal im Genitalbereich, der mit brachialer Gewalt geradezu verstümmelt wurde.

'Wir hatten anfangs einen Verdacht, wer die Taten verübt haben könnte', erklärt Polizeisprecher Ronald Walther. Ein Mann nämlich, der in ähnlicher Weise schon mal auffällig geworden war, er hatte vor vier Jahren auf Weiden in Oberneuland in mehreren Fällen Pferde verletzt und nebenbei auch Autoreifen aufgeschlitzt. Doch wie sich bei den Ermittlungen herausstellte, wird der Mann zurzeit in einer psychiatrischen Einrichtung bei Hannover behandelt. 'Er bekommt nur wenige Stunden Ausgang und konnte in dieser Zeit unmöglich nach Bremen fahren und die Taten begehen', sagt Walther.

Polizei tappt im Dunkeln

Die Polizei ermittelt also weiter, hat offenbar aber noch keine Anhaltspunkte, wer hinter den Attacken auf die Pferde stecken könnte. In Niedersachsen sind die Fahnder bis zuletzt erfolglos geblieben. Das Landeskriminalamt in Hannover hatte eigens eine 'Ermittlungsgruppe Pferd' eingesetzt, nachdem sich die Fälle Ende der 90er-Jahre in dramatischer Weise häuften.

Die Suche nach dem Pferderipper - vermutet wurde damals, dass es im wesentlichen ein einziger Mann sein musste, der sich mit Tieren auskennt und wegen der sauberen, meist tödlichen Stiche über die Fähigkeiten eines Schlachters verfügt - war auch Thema der Fernsehsendung 'Aktenzeichen XY', dort allein gingen nach Ausstrahlung des Beitrags mehr als 500 Hinweise ein, doch keiner davon half auch nur einen kleinen Schritt weiter.

Die Öffentlichkeit vor allem in den ländlichen Regionen war aufgewühlt, und es kam die astronomisch hohe Belohnungssumme von 120000 Euro zusammen. Geld, das bei der Polizei nie abgeholt werden konnte, der Pferderipper blieb unentdeckt.

"Sie glauben gar nicht, wie die Tiere leiden"

In Bremen kann man nach den drei Fällen zwar noch nicht von einer Serie sprechen, und getötet wurde auch noch kein Tier, die Pferdezüchter sind aber trotzdem in großer Sorge.

'Sie glauben gar nicht, wie die Tiere an solchen Verletzungen leiden', sagt Gerd Bremermann, der zusammen mit seinem Sohn eine Zucht betreibt. Zwei der drei bislang bekanntgewordenen Fälle betreffen seine Pferde. 'Das eine, eine dreijährige Stute, hatte nach der Tat förmlich einen Horror vor Menschen, auch vor uns', erzählt Bremermann, 'wir mussten das Tier auf der Weide zunächst mit dem Gewehr betäuben, sonst hätten wir es gar nicht abtransportieren und behandeln lassen können.'

Die Verletzung war mehr zufällig entdeckt worden, ein Kunde hatte bei den Bremermanns sein Pferd untergebracht und wollte es auf der Weide besuchen, dabei war ihm dann aufgefallen, dass eines der anderen Pferde an der Flanke eine große offene Fleischwunde hatte.

Die Familie Bremermann hat eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt, damit der Täter so schnell wie möglich gefasst wird und keinen weiteren Schaden anrichten kann. Um den Pferden Leid zu ersparen, das zuerst, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen: 'Die Pferde sind das Kapital des Züchters', betont Bremermann. Die Polizei ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf und bittet Zeugen, die etwas von den Taten mitbekommen haben könnten, um Hinweise.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+