Das Löschwasser vom Großbrand im Gewerbegebiet Brinkum-Mitte wird in Seehausen geklärt

Und am Ende fließt es in die Weser

Stuhr·Seehausen. Feiertag hin oder her – auch Sonja Horstmanns Handy klingelte Pfingsten mehrmals. Auch sie musste raus, raus nach Brinkum ins Gewerbegebiet Mitte, zum Großbrand auf dem Gelände der Firma Baensch & Wippersteg.
08.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Und am Ende fließt es in die Weser
Von Christoph Starke

Feiertag hin oder her – auch Sonja Horstmanns Handy klingelte Pfingsten mehrmals. Auch sie musste raus, raus nach Brinkum ins Gewerbegebiet Mitte, zum Großbrand auf dem Gelände der Firma Baensch & Wippersteg. Denn schnell war klar: Die Unmengen an Löschwasser müssen im Klärwerk in Seehausen gereinigt werden. Beim Betreiber Hansewasser ist Sonja Horstmann Leiterin der Abwasserableitung und der Leitwarte, nahm vor Ort in Brinkum Löschwasserproben. „So ein Brand ist zum Glück nicht üblich“, sagt sie.

Da kann ihr Peter Schmellenkamp, Leiter der Kläranlage bei Hansewasser, nur zustimmen. Solche Brände, mit solchen Unmengen an Löschwasser sind in Bremen und umzu sehr selten. „Seit 17 Jahren ist es erst das zweite Mal mit so einer großen Menge“, lässt er wissen, während er auf vier Becken auf dem Gelände der Kläranlage in Seehausen schaut. Dort lagert ein Großteil des Löschwasser-Schmutzwasser-Gemisches zwischen, ein Teil wurde schon weiter verarbeitet. Es handelt sich dabei eher um Reservebecken, „die wir in Havarie-Fällen nutzen können“, erklärt Schmellenkamp. Havarie – so werden auch Großbrände wie der in Brinkum genannt. „Wir können hier aber nur einen Teil zwischenlagern“. Nicht alles auf einmal. Das würde die Kläranlage überlasten.

Schmellenkamp schaut auf die Oberfläche des Wassers und sieht an einigen Stellen den Schlamm auftreiben. „Den nutzen wir eigentlich, um Methan herzustellen, um Strom zu erzeugen. Nichtsdestotrotz soll der Schlamm, wenn er ausgefault ist, als Dünger verwendet werden.“ Das wird bei dem Wasser vom Brand in Brinkum schwieriger. „Wenn durch einen Brand beispielsweise Dioxine hinzugeführt wurden, kann man das nicht einfach auf einen Acker werfen“, hält Schmellenkamp fest. Normalerweise werden in der sogenannten Biologie dem Abwasser Mikroorganismen beigemischt. „Die fressen die Inhaltsstoffe auf und wandeln sie um.“ Schmellenkamp nennt die Mikroorganismen – halb im Scherz, halb im Ernst – die wichtigsten Mitarbeiter bei Hansewasser. Doch manchmal würden auch die streiken, denn die Brandbekämpfungsstoffe im Löschmittel seien zwar häufig biologisch abbaubar, aber die große Menge aus Brinkum habe dazu geführt, dass die Prozesse nicht so reibungslos funktioniert hätten wie sonst. Stoffe wie Diole würden den Mikroorganismen zu schaffen machen, sagt Schmellenkamp: „Die mögen sie überhaupt nicht. Dann stellen sie erstmal ihre Arbeit ein.“ Die große Frage für Hansewasser lautet dann „Wie können wir das, was hier jetzt im Becken liegt, wieder schadlos für Umwelt und Mensch abbauen?“, so der Anlagenleiter. Dazu müsse erst einmal die vollständige Analyse abgewartet werden. Wenn nichts Gravierendes sei, werden die Mikroorganismen langsam zudosiert. Und wenn alles gut läuft, könne das Wasser aus dem Brand Mitte nächster Woche geklärt sein und sauber in die Weser geführt werden. Geprüft wird das Wasser im Labor des Unternehmens, aber nicht nur dort. Im Falle des Brandwassers seien auch externe Labore eingeschaltet worden, wie Schmellenkamp wissen ließ.

Doch wie ist das Abwasser überhaupt von Brinkum nach Seehausen gekommen? „Unterstützt durch Pumpen wurde das Wasser durch die Kanalisation hierhin gefördert“, erläutert Sonja Horstmann. Die Steuerung übernahmen die beiden Mitarbeiter in der Leitwarte. „Wir haben direkt andere Pumpwerke ausgeschaltet, haben eingestaut, um dann – mit möglichst wenig normalem Abwasser vermengt – dieses Löschwasser-Gemisch hierher zu bekommen.“ Während des Feuerwehreinsatzes sei die Leitwarte sofort informiert worden, sagt Sonja Horstmann.

Über die Menge an Löschwasser möchte sie nur ungern spekulieren. „Eine erste Ansage der Feuerwehr war, dass bis zu 100 000 Kubikmeter Löschwasser anfallen könnten. Es war deutlich weniger.“ In den Becken, die die Größe von Becken in Freibädern haben, würden zurzeit noch rund 4000 Kubikmeter lagern, teilt Schmellenkamp mit. Ein Teil des Löschwasser-Schmutzwasser-Gemisches sei aber schon weitergefördert worden.

Und wer zahlt das alles? Erst einmal stelle Hansewasser den Aufwand der Gemeinde Stuhr in Rechnung, sagt Sonja Horstmann. „Es wird sicherlich die Versicherung des betroffenen Unternehmens tragen.“ Eine Zahl wollte sie nicht in den Raum werfen. Das sei abhängig von der tatsächlichen Menge und dem Analyseaufwand. „Den größeren Schaden macht sicherlich der Sachschaden vor Ort aus.“ Hansewasser-Pressesprecher Oliver Ladeur lobt die Zusammenarbeit mit den Brandbekämpfern und der Gemeinde Stuhr: „Das war vorbildlich.“ Das findet auch Sonja Horstmann und fügt hinzu: „Dieser Brand hat ja an einem Feiertag begonnen.“

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