Bahnhof Blumenthal ist für ältere und gebehinderte Menschen nicht barrierefrei / Sozialverband fordert Umbau "Und wenn ich drüben bin, ist der Bus weg"

Blumenthal. Am Busbahnhof Blumenthal verkehren zahlreiche BSAG-Linien, außerdem fährt gegenüber die Nord-West-Bahn. Dementsprechend steigen dort viele Menschen ein, aus und um. Was allerdings viele nicht wissen: Was für die einen ständige Routine von wenigen Sekunden und Metern ist - aussteigen, die Straße überqueren, einsteigen - ist für andere eine Herausforderung. Der Busbahnhof ist nicht barrierefrei und daher für Menschen mit Gehbehinderungen problematisch.
23.03.2011, 05:00
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Von Ingmar Zimmermann

Blumenthal. Am Busbahnhof Blumenthal verkehren zahlreiche BSAG-Linien, außerdem fährt gegenüber die Nord-West-Bahn. Dementsprechend steigen dort viele Menschen ein, aus und um. Was allerdings viele nicht wissen: Was für die einen ständige Routine von wenigen Sekunden und Metern ist - aussteigen, die Straße überqueren, einsteigen - ist für andere eine Herausforderung. Der Busbahnhof ist nicht barrierefrei und daher für Menschen mit Gehbehinderungen problematisch.

"Barrierefreiheit für den Busbahnhof Blumenthal" lautet eine Forderung des Landes-Behindertenbeauftragten. Um diese Forderung zu unterstützen, hat gestern eine Delegation vom Sozialverband Deutschland (SoVD) den Busbahnhof besucht und die verschiedenen Hindernisse und Gefahren für Menschen mit Geh-Beeinträchtigungen jeglicher Art gezeigt. Mit dabei waren Joachim Wittrien, der Kreisvorsitzende des SoVD Bremen-Nord sowie Karin Holsten und Rainer Bensch vom Sozialpolitischen Ausschuss des SoVD-Landesverbands Bremen.

Zusammen mit Hannelore Godulla demonstrierten sie die Probleme: Die Rentnerin braucht zum sicheren und stabilen Vorwärtskommen einen Rollator. Wenn sie aus dem Bus steigt und auf der anderen Straßenseite der Haltestelle wieder einsteigen möchte, muss sie den Korridor überqueren, auf dem die Busse fahren. Da der Gehweg auf beiden Seiten um einiges höher als die Straße liegt, muss sie mit ihrer Gehhilfe zunächst das Gefälle einer abgesenkten Bordsteinkannte meistern und steht dann auf einer Straße mit Kopfsteinpflaster.

Sturzgefahr an Bordsteinkanten

Nun ist Vorsicht geboten, denn der raue und unregelmäßige Straßenbelag hat für Gehhilfen oder Rollstühle ein ungeheures Sturz-Potenzial. Deswegen braucht das Überqueren ihre Zeit. Nach diesen wenigen Metern, die für Godulla eine weite Strecke sind, steht sie auf der anderen Seite und vor dem nächsten Problem: Der Bus ist inzwischen weg. Statt den Korridor der Busse zu passieren, hätte sie auch den großen Bogen, einmal im Kreis über die mit Ampeln versehene Hauptverkehrsstraßen-Kreuzung, laufen können. Ob das sicherer gewesen wäre, ist fraglich, es hätte auf jeden Fall noch länger gedauert.

Rainer Bensch, Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses des SoVD-Landesverbands Bremen, fordert den Bremer Senat nun mit deutlichen Worten auf, etwas zu tun: "Er muss der UN-Behinderten-Konvention nachkommen und die Barrierefreiheit in Bremen ganz nach oben auf die Tagesordnung setzen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Busbahnhof Blumenthal. Und darauf, dass er endlich so umgebaut wird, dass er barrierefrei ist."

Und diese Kernforderung besteht aus einigen Aspekten: Um für die Barrierefreiheit zu sorgen und Hilfebedürftigen das sichere und schnelle Überqueren des Bus-Korridors zu ermöglichen und ihnen gegebenenfalls auch ein reibungsloses Umsteigen zu ermöglichen, soll das Kopfsteinpflaster abgeschafft werden und eine Korrektur der verschieden hohen Ebenen - vom Gehweg zur Straße - zu einer gleichmäßigen Fläche erfolgen.

Davon, dass es zu solchen Maßnahmen kommen wird, ist Karin Holsten überzeugt: "Auf der Liste für Barrierefreiheit in Bremen steht an erster Stelle der Vorplatz des Hauptbahnhofs. Direkt dahinter auf Platz zwei kommt der Busbahnhof Blumenthal."

Auch Hannelore Godulla betont die Notwendigkeit solcher Maßnahmen: "Egal von wo man kommt, egal mit welcher Buslinie und egal wo man hin will, man hat enorme Schwierigkeiten. Und wenn ich drüben bin, ist der Bus weg."

Die Barrierefreiheit des Busbahnhofs ist zunächst das Hauptziel des SoVD-Landesverbands, allerdings hat Rainer Bensch bereits eine Idee für den "ganz großen Wurf" im Kopf: Es solle geprüft werden, ob man die Bushaltestellen nicht komplett auf die andere Straßenseite, direkt neben die Nord-West-Bahn, legen kann. Damit könne man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Für Barrierefreiheit sorgen und durch diese Strukturmaßnahme das Haus Blomendal, das vom Bahnhof Blumenthal aus in Sichtweite liegt, noch effektiver an den öffentlichen Nahverkehr anbinden.

Doch unabhängig davon, ob direkt neben der Nord-West-Bahn oder am jetzigen Standort: Hannelore Godulla wünscht sich, wie viele in irgendeiner Form Geh-Beeinträchtigte und auf Gehhilfen Angewiesene, einen barrierefreien Busbahnhof.

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