Universität Bremen Geldsegen für Künstliche Intelligenz

Auf dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) ruhen an der Universität Bremen die Hoffnungen, sich den Exzellenz-Status zurück zu holen - nun gibt es dafür starken Rückenwind.
03.07.2022, 05:00
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Geldsegen für Künstliche Intelligenz
Von Joerg Helge Wagner

Roboter und Geräte, die den Menschen nicht nur helfen, sondern beim Helfen auch noch lernen und sich selbst weiterentwickeln - darum geht es vereinfacht ausgedrückt bei Künstlicher Intelligenz (KI). An der Universität Bremen gilt der mehrere Fakultäten umfassende Bereich als Hoffnungsträger, um sich den begehrten Exzellenz-Status zurückzuholen, den man bereits 2012 bis 2019 innehatte. Dieses Bestreben bekommt nun kräftigen Rückenwind: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet an der Uni eine neue Forschungsgruppe zur KI ein, die zunächst über vier Jahre mit mehr als vier Millionen Euro und einer Projektpauschale finanziert werden soll.

"Wir möchten KI-Methoden und -Werkzeuge entwickeln, die die Entstehung von Krankheiten im Lebenslauf modellieren, vorhersagen und erklären“, sagt Tanja Schultz, Leiterin der neuen Forschungsgruppe und Professorin für Informatik. Quasi ihr Co-Pilot ist der Datenwissenschaftler und Biostatistiker Marvin N. Wright vom Leibniz-Zentrum für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). Aus medizinischen Daten, die über eine ganze Lebensspanne gesammelt und ausgewertet werden, sollen Modelle für Gesundheitsrisiken entstehen. "Daten aus epidemiologischen Längsschnittstudien werden dabei durch Bio-, Sozial- und Lebensstilinformationen ergänzt", erläutert Wright. Am Ende sollen so die Ursachen komplexer Erkrankungen aufgedeckt werden, um Vorbeugungsstrategien zu verbessern.

Ein digitaler Zwilling

Wegen der Daten aus langen Zeiträumen heißt die Forschungsgruppe "Lifespan AI". In einem der insgesamt sechs Bremer Projekte soll etwa aus den Daten über die alltäglichen Aktivitäten eines Menschen eine Art digitaler Zwilling geschaffen werden. Durch ihn kann man dann im Erfolgsfall Veränderungen über Altersgruppen hinweg vorhersagen.

Solche sogenannten Deep-Learning-Modelle (DL) erfordern eine hohe Rechnerleistung, deshalb wird mit einem Teil der Fördersumme eine spezielle IT-Infrasstruktur eingerichtet. Zudem werden neun Doktoranden-Stellen geschaffen und die internationale Kooperation mit den Universitäten Singapur, Hongkong, Kopenhagen und Lugano wird verstärkt.

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Tanja Schultz ist auch Sprecherin des KI-Wissenschaftsschwerpunkts "Minds, Media, Machines" (MMM), der sich schon länger mit maschinellen Lernverfahren befasst, indem dort die Fachbereiche Mathematik, Informatik und Robotik gemeinsam forschen. Zur Schnittstelle mit der neuen Forschungsgruppe "Lifespan AI" könnte die Professur für Maschinelles Lernen in der Statistik werden, die mit Wright besetzt wird. Zu den führenden Köpfen bei MMM wiederum gehört die Informatikerin und Humanbiologin Kerstin Schill, die zudem Vizedirektorin der DFG ist - also jener Institution, die nun die neue Forschungsgruppe zur KI nach Bremen gebracht hat.

Turbo Richtung Exzellenz

So wird eine Strategie erkennbar auf dem langen Weg zurück zur Exzellenz. Nun schaltet man quasi den Turbo ein. Denn für den begehrten, weil mit Renommee und Fördergeldern verbundenen Status muss eine Universität mindestens zwei Forschungsschwerpunkte von herausragender Bedeutung vorweisen können. Einen hat Bremen bereits mit dem Marum, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften. Der Zweite könnte im Bereich der KI liegen, wenn MMM in den nächsten vier Jahren oder sogar länger durch "Lifespan AI" verstärkt wird.

Denn beide haben dasselbe Ziel: „In diesem Vorhaben werden modernste Technologien entwickelt und verwendet, um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle der Menschheit zu generieren – beispielhaft für das Bestreben der Universität, die Zukunftsfragen unserer Gesellschaft zu beantworten“ - so drückt es Jutta Günther aus, Konrektorin für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Transfer und künftige Rektorin der Universität Bremen.

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