Wie Unternehmen und Universität kooperieren

Bremer Unternehmen setzen auf Kooperation mit der Uni

Unternehmen in Bremen kooperieren mit Bremens Hochschulen. Wie die Sparkasse, der Weserpark oder auch ein Bremens Sanitärgroßhändler Cordes & Graefe davon profitieren, zeigen diese Beispiele.
17.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Unternehmen setzen auf Kooperation mit der Uni
Von Florian Schwiegershausen

Daniel Deipenau und Jakob Majewski stehen vor mehr als 30 Personen und präsentieren ihre Werbebotschaft und die Wahrnehmung bei den Konsumenten. Mit im Publikum sitzen Sparkassen-Vorstandsmitglied Thomas Fürst, der Marketingverantwortliche vom Weserpark, Dennis Bastuck, und Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff. Die Situation könnte ein Meeting von einer Werbeagentur mit ihren Kunden sein, doch in Wirklichkeit ist es die Abschlusspräsentation von Studierenden der Bremer Uni im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Imhoff hatte sie dazu am Donnerstag in einen Konferenzraum der Bremischen Bürgerschaft eingeladen.

Im Team von 43 Studierenden haben sie für das Einkaufszentrum Weserpark und für die Sparkassen-Tochter Smavesto Großplakate entworfen. Smavesto managt automatisch mit künstlicher Intelligenz Fonds – im Fachjargon „Robo-Advisor“ genannt. Mit der Botschaft „Smart. Smarter. Smavesto-App.“ weisen die Plakate auf eine neue App hin. Das Plakat „30 Jahre Seite an Seite – Bremen feiert“ weist auf das Jubiläum des Weserparks hin. Eine Woche lang hatte das Unternehmen Ströer jeweils mehr als 100 Plakatwände mit den Motiven beklebt. Die Kooperation zwischen Ströer und dem Markstones-Institut für Marketing, Branding und Technologie an der Uni besteht seit 15 Jahren. Der Bremer Ströer-Niederlassungsleiter Bernd Sonnemann will auf diese Weise den Studierenden vermitteln, dass in Zeiten von Social Media auch Straßenwerbung weiterhin Relevanz habe.

„Wir suchen aktiv diesen Kontakt“

Nicht nur für Ströer geht es auch darum, schon früh den Kontakt zu den Studierenden zu suchen, die vielleicht später einmal zu Mitarbeitern werden könnten. Sparkassen-Vorstand Thomas Fürst sagt dazu: „Wir suchen aktiv diesen Kontakt. Wenn wir in unser neues Gebäude neben die Uni gezogen sind, werden wir dort Studierenden Platz bieten, um ihre Geschäftsideen zu entwickeln.“ Weserpark-Marketing-Chef Dennis Bastuck freut sich über die Impulse der Studis und lobt: „Die Präsentation der Studierenden jetzt und vorher hätte wirklich genau wie von einer Werbeagentur sein können.“

Sogar die Erkenntnisse liefern sie mit, indem sie zu jedem Motiv 400 Menschen auf der Straße befragten. So gab es einige Personen, die das Motto „Bremen feiert“ in Zeiten von Corona fehl am Platze fanden. Für das Smavesto-Motiv wünschten sich die Passanten auf dem Plakat noch mehr Informationen, worum es dabei denn eigentlich geht.

Bereits am Donnerstagvormittag zeigten die Studierenden im Masterkurs des Lehrstuhls für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship ihre Ideen, die sie mit Unternehmen aus Bremen und Oldenburg ausgearbeitet hatten. Die Praxisprojekte liefen das ganze Sommersemester per Videokonferenz, was die Unternehmen nicht abschreckte.

Toiletten präsentieren wie das iPhone

Ein Team hat dabei für den Bremer Sanitärgroßhändler Cordes & Graefe ein Konzept ausgearbeitet, wie das Traditionsunternehmen seine sonst üblichen Hausmessen im Internet veranstalten kann. Die Idee der Studis: "In einem Badezimmer sind die Neuheiten installiert, und jemand erklärt die Vorzüge in einem 30-minütigen Format – so ähnlich, wie es Samsung oder Apple machen, wenn die neue Produkte haben." Auf diese Weise sollen Hersteller und Handwerker zusammenfinden, wie es sonst bei der Messe der Fall wäre. Cordes & Graefe setzt die Zusammenarbeit mit den Studierenden fort und will diese sogenannten Keynote-Präsentationen im Netz auch ausprobieren.

Ein anderes Team hat für die Techniker Krankenkasse einen digitalen Assistenten entwickelt, der Angehörigen bei der Suche nach einem Pflegeplatz im Raum Bremen helfen soll. Dabei beantwortet ein „Chatbot“, also ein Computer Fragen, um die Suchenden schneller zur richtigen Seite zu führen, als wenn sie selbst das Netz durchgehen würden. Ein anderes Studi-Team hat ein Konzept ausgearbeitet, wie die Sparkasse Bremen eine E-Learning-Plattform für die innerbetriebliche Weiterbildung implementieren kann.

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Für die IT-Unternehmen HEC in Bremen und BTC in Oldenburg hat jeweils ein Team ein Raumkonzept für die Büros ausgearbeitet. Da IT-Fachkräfte dringend gesucht werden, versuchen die Firmen auf diese Weise, ihren Mitarbeitern einen Mehrwert zu bieten. Und ein Team hat die Internetseiten des Karrierenetzwerks CAB, an das alle Bremer Hochschulen angeschlossen sind, überarbeitet. Eine Umfrage dazu zeigte auch: Fast 61 Prozent wollen nach Ende des Uni-Studiums aus Bremen weg. Die Dozenten Martin Holi und Denis Pijetlovic wollen mit diesen Praxisprojekten eine Botschaft an die Studis senden: „Schaut bei den Bewerbungen nicht immer nur bei Großunternehmen, sondern auch bei Bremens kleinen und mittelständischen Unternehmen.“ Auch das dreiwöchige Sommercamp des Lehrstuhls im August soll den Kontakt zwischen Betrieben und Studis fördern. Einige der früheren Teilnehmer arbeiten inzwischen für ein Bremer Unternehmen. Die Botschaft ist also angekommen.

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