Studierende der Hochschule für Künste zeigen eigene Entwürfe in der Villa Ichon

Unisex-Mode am Tage des Herrn

In einer ungewöhnlichen Modematinee der Hochschule der Künste haben Studierende in der Villa Ichon ihre Kreationen in einem lebendigem Bild präsentiert. Die Modenschau war Teil der Hochschultage.
14.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann

In einer ungewöhnlichen Modematinee der Hochschule der Künste haben Studierende in der Villa Ichon ihre Kreationen in einem lebendigem Bild präsentiert. Die Modenschau war Teil der Hochschultage.

Ostertor·Neustadt. Eigenwillige Fußbekleidung haben die Besucher einer Modenschau in der Villa Ichon getragen: Alle Gäste mussten Plastiktüten mit Filzsohle über ihre Schuhe ziehen. Die Modematineé mit dem Titel "Tag des Herrn und auch Damenmode" wurde von der Hochschule für Künste (HfK) Bremen gestaltet. Der Grund für die Filzpantoffeln: Die gesamte Villa steht unter Denkmalschutz, so auch das Parkett.

Überhaupt war es eine Modenschau, bei der alles etwas anders war, als man es von einer Modepräsentation erwartet. Die Studierenden präsentierten ihre Kreationen in einem tableau vivant – einem lebenden Bild. Die zahlreichen Modelle posierten in kleinen und großen Gruppen in den zwei Stockwerken der spätklassizistischen Villa aus dem 19. Jahrhundert. Auf Podesten, auf Fensterbänken und in kleinen Gruppen warteten sie als Stillleben, aber zum Teil auch in Bewegung, auf die Zuschauer. Statt also über den Laufsteg wandelnde Models im Sitzen zu betrachten, wurden hier die Rollen umgekehrt.

Besondere Herausforderung

"Der Besucher bewegt sich durch den Raum, er soll Gast in diesen privaten Räumen der Villa sein", sagt Karola Booß aus dem Ostertor. Die Studentin des Studiengangs Integriertes Design arbeitete im Konzeptionsteam der Ausstellung mit. "Wir wollten mit dieser Form, aber auch mit der Materialwahl bei der Kleidung mit diesem klassischen Ort brechen", sagte sie.

Aber nicht nur die Form und das Material waren besonders, sondern auch das Thema. Erahnen ließ es sich schon aus dem Titel "Tag des Herrn und der Damenmode". Karola Booß: "Wir haben überlegt, was alles an einem Sonntagmorgen geschieht und das in den verschiedenen Räumen abstrakt nachempfunden."

So war ein Raum im Erdgeschoss nur schwach beleuchtet und die Dekoration erinnerte an eine Traumwelt. Die Musik- und Geräuschkulisse – ebenfalls von Studierenden der HfK installiert – erinnerte an Wecker- oder auch Telefongeklingel. Hier wurde also der frühe Morgen dargestellt.

In der zweiten Etage war es deutlich heller. "Hier wollten wir Kirchgänger zeigen, oder auch Leute, die gerade von einer Party kommen, oder sich für den Sonntagmittag fein machen", sagt Karola Booß. Für die Modelle auf den Podesten ein anstrengender Job. Sie mussten fast eine dreiviertel Stunde nahezu regungslos verharren. Der eine oder die andere hatte bei den kühlen Temperaturen Gänsehaut.

"Die Modelle kommen alle aus dem Bekanntenkreis, Freunde, andere Studierende, oder auch Leute, die wir auf der Straße oder im Café angesprochen haben", sagt Karola Booß. Seit November hätten sie an der Präsentation gearbeitet. "Schwierig war der Umgang mit dem Denkmalschutz. Das war schon eine Herausforderung", sagte die Studentin. Die 85 Modelle, die aufmarschiert waren, präsentierten Kleider von 18 angehenden Designerinnen und Designern. Auffällig waren androgyne Schnitte und Formen, aber auch androgyne Modelle. Nicht alles wäre wohl in der Form alltagstauglich, zeugt aber von einer starken Kreativität der Studenten.

Die Professorinnen Ursula Zillig und Dorothea Mink, die Kunst und Design an der HfK unterrichten, und andere hatten die Modemacher beraten. "Wir wollten hier keine einzelnen Studenten präsentieren, sondern alle Studierende", sagte Dorothea Mink. Das Konzept sei auf den Ort abgestimmt worden. "Wir wollten nie gegen die Architektur arbeiten. Wir haben noch nie so etwas an einem Sonntagmorgen gemacht und auch noch nie in diesem Haus, aber ich glaube, es funktioniert sehr gut."

Dicht an dicht schoben sich die Menschen durch die Villa und machten Fotos. Darunter auch Helga Castens aus der Neustadt. "Ich finde, es ist eine gut gelungene Sache, es ist etwas Neues, etwas Kreatives", sagte sie. Interessant sei neben der Mode die akustische Untermalung. Auch ein paar der Kleidungsstücke sagten ihr zu. "Bei manchen Sachen dachte ich, die könnte ich mitnehmen, anderes dagegen war sehr experimentell und avantgardistisch." Manches sei nicht auf Anhieb als männlich oder weiblich zu erkennen und die Rollen scheinen zu wechseln.

Das war auch so geplant. Ursula Zillig verwies auf den Langzeittrend des Gender-Blendings, des Vermischen von weiblichen und männlichen Formen. Weibliche und männliche Merkmale der Kleidung würden auf das andere Geschlecht übertragen. "Das ist schon lange ein Thema", sagte Zillig. So wurden die Modelle für bestimmte Kleidungsstücke auch danach ausgewählt, wie es am besten am Körper aussah.

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