Neue Sonderausstellung

Vom Universum Bremen aus ins Weltall

Eine neue Sonderausstellung im Universum Bremen soll zeigen, wie sich das Leben als Astronaut anfühlt. Kernzielgruppe sind Jugendliche.
27.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helke Diers

Schwerelos durch die Raumkapsel schweben, die Erde als kleinen Ball durchs Fenster sehen und schlafen angeschnallt in Schlafsäcken: Wer wissen möchte, wie sich das Leben als Astronaut oder Astronautin gestaltet, kann ab diesem Dienstag die neue Sonderausstellung im Universum besuchen. Unter dem Titel „Up to space“ sind auf rund 550 qm Mitmach-Objekte, Ausstellungsstücke und Filme zu sehen.

Das Astronautenleben beginnt mit einer Bewerbung und Training für den Aufenthalt außerhalb der Atmosphäre. Worauf es dabei ankommt, erfahren Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung. Reaktionsgeschwindigkeit, technisches und sprachliches Verständnis, Fitness sowie interkulturelle Kompetenz sind gefragt. Mindestens vier Jahre dauert die Ausbildung bis zum ersten Weltraumeinsatz, heißt es auf einer der Infotafeln.

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Besucher können sich testen: Wer kann am schnellsten aufleuchtende Schalter antippen? Gelingt es, das Gleichgewicht auf einer schwankenden Platte zu halten? Im letzten echten Bewerbungsverfahren bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) vor über zehn Jahren hätten sich über achttausend Menschen beworben, erzählt Tobias Wolff, Ausstellungsleiter beim Universum. Sieben ESA-Astronauten wurden ausgewählt. Unter ihnen als einziger Deutscher Alexander Gerst, von dem einige Ausstellungsstücke stammen.

Den Start der Rakete kann nachempfinden, wer sich auf dem Rücken mit angezogenen Beinen unter einen Bildschirm legt. Eine ähnliche Haltung nehmen Astronauten in einer speziell für ihren Körper angepassten Sitzschale ein, die an einen überdimensionierten Babysitz fürs Auto erinnert. „Man sieht den Start einer Sojus-Rakete zur ISS und fühlt die Vibrationen der Triebwerke. Das fühlt sich wirklich real an. Es ist schon cool“, sagt der 13-jährige Daniel. Die Brüder Erik und Daniel vom Gymnasium Horn durften als eine der ersten Jugendlichen die Ausstellung besuchen. Erik ist zehn Jahre alt und testete, wie es sich auf dem Mond mit reduzierter Schwerkraft läuft. Mit einem Hüftgurt und Gummibändern angeschnallt und sprang er mehrere Meter hoch, auf den Augen eine Brille, die Mondlandschaften simuliert.

Raumfahrt greifbar machen

Vor vier oder fünf Jahren sei die Idee für eine Weltraumausstellung zum ersten Mal aufgekommen, berichtet Wolff, der die Ausstellung mit verantwortet. „In Bremen ist Weltraumforschung und Technologie durch die vielen Forschungsinstitute ein großes Thema.“ Konkret arbeiteten er und sein Team zweieinhalb Jahre bis zur Eröffnung. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Pariser Museum Musée de l‘ Air et de l‘Espace und der spanischen Stiftung „la Caixa“-Foundation umgesetzt und wird anschließend in Paris, Barcelona und Valencia zu sehen sein. Die für das Universum typischen interaktiven Exponate kamen aus Bremen, viele Ausstellungsstücke aus Frankreich. „Die Kernzielgruppe sind Jugendliche“, sagt Wolff. „Wir stellen die Frage: Könntest du dir vorstellen, als Astronaut oder Astronautin in der Raumfahrt mitzumachen?“

„Es gibt in der Raumfahrt viel, was man ausstellen kann. Seien es Modelle oder Originalobjekte“, erläutert Wolff. Besucher sehen maßstabsgetreue Nachbauten des Spaceshuttles Endeavour, der neuen NASA-Trägerrakete oder der russischen Trägerrakete Sojus. Raumanzüge, Dosen mit Trockennahrung und eine kleine Portion echten Mondstaub befinden sich hinter durchsichtigen Schreiben. Wer möchte, kann durch eine Aussparung ein Stück Mondgestein anfassen. Nicht von dieser Welt scheint auch das Ausstellungsdesign: Metallische Rohre, grünes und blaues Licht, Sternenbilder auf Bildschirmen.

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Neu ist die Einbindung einer Augmented-Reality-App. Mit der auf der Kamera eines Smartphones basierenden Technologie der erweiterten Realität werden echte Bilder oder Filme um zusätzliche Informationen ergänzt. Wer mit der Kamera-Funktion einen Sockel filmt, kann auf seinem Bildschirm den Start einer Rakete von eben diesem Sockel beobachten. Wieder zu Hause kann so ein Miniroboter auf dem heimischen Couchtisch platziert oder die Internationale Raumstation (ISS) von Innen erkundet werden.

Weitere Informationen

Die Ausstellung ist vom 27.Oktober bis 1. September 2021 im Universum zu sehen. Das Universum empfiehlt für einen Besuch mindestens 1,5 Stunden einzuplanen. Der Eintrittspreis ist im regulären Ticket enthalten (Erwachsene 16 Euro, Ermäßigt 11 Euro, Familien 40 Euro, Tickets im Onlineshop unter universum-bremen.de). Die Ausstellungsapp App2Space kann im Vorfeld oder vor Ort heruntergeladen werden.

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