Ausstellung im Doku Blumenthal setzt sich mit Heimat und Fremde auseinander Unter einer gemeinsamen Sonne

Blumenthal. Angela Stocks, Leiterin des Doku Blumenthal, hat jetzt in ihrem Haus eine Ausstellung eröffnet, die durch die jüngste Entwicklung eine beklemmende Aktualität erhält. 26 Künstler aus Bremen, Bremerhaven, Oldenburg und dem Umland zeigen dort bis zum 27.
20.10.2015, 00:00
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Von Peter Otto

Angela Stocks, Leiterin des Doku Blumenthal, hat jetzt in ihrem Haus eine Ausstellung eröffnet, die durch die jüngste Entwicklung eine beklemmende Aktualität erhält. 26 Künstler aus Bremen, Bremerhaven, Oldenburg und dem Umland zeigen dort bis zum 27. November ihre Arbeiten unter dem Titel „Fremde – Heimat“. Die Schau wurde aus Arbeiten von zwei Bremer Künstlergruppen zu einer Wanderausstellung zusammengestellt. Vorausgegangen waren eigene Ausstellungen von Art 15 im Schnoor unter der Überschrift „Ins Boot holen“ und der Atelier Galerie 117 am Dobben zum Thema „Flüchtig“.

Die Präsentation im Doku überzeuge durch die „unterschiedliche Herangehensweise an das Thema und unterschiedliche Techniken“, wie Sonia Schadwinkel, eine der ausstellenden Künstlerinnen, erklärt. Vertreten sind Malerei, Grafik, Fotografie und Plastik. So greift Brigitte Graue den Gegensatz vom heimeligen Zuhause und Ausgestoßensein auf. Heimat ist dort, wo der Mensch seine Wurzeln hat, wo er mit den menschlichen Grundwerten seiner Gesellschaft ausgestattet sein Leben eigenständig aufbaut und sich in diesem kulturellen Umfeld entwickelt. Er wird entwurzelt, wenn er aus diesem Zusammenhang herausgerissen wird oder sich daraus lösen muss. Wenn ihn beispielsweise der „Hunger zwingt, die Heimat zu verlassen“.

Beeindruckend hat das Reiner Schmidt dargestellt. Zwei schwarz-weiß gemalte Figuren heben sich von einem roten Malgrund ab: Eine afrikanische Mutter gibt ihrem durstigen Jungen aus einem Kanister zu trinken.

Wo bleibt der Mensch? Martina Gropius hat eine Figur gemalt, die am Anfang einer Straße steht. Die Straße verliert sich am Horizont. Angesichts der Herausforderung, ins Ungewisse gehen zu müssen, wird die menschliche Begrenztheit erkennbar. Und sie wird noch deutlicher durch Hindernisse. Da wird der Lauf in Turnschuhen durch Stacheldrahtgrenzen gestoppt (Steffen Büchner). In vier Druckgrafiken von Peter Creuzberg versinken Boatpeople in der Hoffnungslosigkeit. Eine bedrohliche Flut von unheimlicher Tiefe wallt und wogt in einem Bild von Ulrich Graf-Nottrodt und scheint jedes menschliche Leben verschlingen zu wollen. Grotesk mutet ein Bild an, auf dem ein normales Strandleben dargestellt ist, während draußen auf dem offenen Meer ein überfülltes Flüchtlingsboot mit den Wellen kämpft.

Angst bestimmt die Bildinhalte, wie das „Face“ von Ernst Matzke, das sich in farbige Splitter auflöst. Angst und Stacheldraht, hastige Flucht und Gitterzäune sind die bedrückenden Bildthemen. Und was erwartet die Flüchtlinge, wenn sie endlich das rettende Ufer erreicht haben? Sie stoßen auf Ignoranz, wie Miriam Aksoy bekundet. Dabei, so zeigt ein zweigeteiltes Bild von Ruth Degenhardt mit dem Titel „Zerrissen“, ist das Antlitz eines Menschen immer gleich, ob es nun schwarz oder weiß ist. Und Ronald Philipps weist darauf hin, dass wir „im Privaten schon immer mit Ausländern bewusst oder unbewusst befreundet“ sind. Die Kulturen der Menschen seien von jeher ein Gefüge von verschiedenen Einflüssen, betont auch Sonia Schadwinkel, wenn sie sich in einem Acrylbild an Malta erinnert, in dessen Architektur sich europäische und arabische Stilrichtungen verbinden. „Unwissen ist ein Freund der Angst“, sagt sie. Es sei deshalb wichtig, sich mit dem Leben anderer Menschen vorurteilsfrei auseinanderzusetzen und sich nicht durch Vorurteile beeinflussen zu lassen.

Tobi Wichmann drückt das in seiner Plastik aus: Da stehen acht lustige unterschiedlich große Bronzefiguren in einer Schlange hintereinander und blicken gemeinsam nach oben. Dabei lächeln sie. Der Titel: „We all see the same sun“ (Wir sehen alle dieselbe Sonne).

Zu sehen ist die Ausstellung „Fremde – Heimat“ im Doku Blumenthal, Heidbleek 10, bis 27. November, montags bis donnerstags von 10 bis 17 und freitags von 10 bis 12 Uhr.

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