Neuntklässler lernen Berufsfelder kennen, müssen aber auch Deutsch, Mathe und Geschichte pauken

Unterricht im Weserstadion

Bremen. Neugierig betreten 20 Neuntklässler der Oberschule an der Hermannsburg (Huchting) das Weserstadion. Zwei Tage lang werden die Schüler vom Klassenzimmer in die Sportstätte ziehen und erfahren, welche Berufsfelder es im und um das Stadion gibt – so die Idee der Stadionschule des Fan-Projekts Bremen.
27.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Alexandra Knief
Unterricht im Weserstadion

Bei einer Führung mit Helmut Dunker lernte eine Gruppe aus den 9. Klassen der Schule an der Hermannsburg Berufe rund um das Weserstadion kennen.

Karsten Klama

Neugierig betreten 20 Neuntklässler der Oberschule an der Hermannsburg (Huchting) das Weserstadion. Zwei Tage lang werden die Schüler vom Klassenzimmer in die Sportstätte ziehen und erfahren, welche Berufsfelder es im und um das Stadion gibt – so die Idee der Stadionschule des Fan-Projekts Bremen.

Ob es Mitarbeiter aus dem Catering sind oder der Sicherheitsdienst: Die Schüler lernen während der Projekttage, dass es nicht nur Trainer und Fußballspieler sind, die zu einer gelungenen Veranstaltung im Stadion ihren Beitrag leisten. So informieren auch Mitarbeiter des Umweltbetriebs Bremen oder des Aus- und Fortbildungszentrums für den öffentlichen Dienst über die Aufgaben und Ausbildungswege ihrer Unternehmen.

Ihre Mühe wird offenbar auch belohnt: „Einer meiner ehemaligen Schüler ist Landschaftsgärtner geworden“, erzählt Ulrich Eilers, Lehrer der Oberschule an der Hermannsburg. „Das Treffen mit einem Vertreter des Umweltbetriebs bei den Projekttagen hat sein Interesse geweckt.“

Der 16-jährige Jonas Schloo hat bereits ein konkretes Ziel vor Augen. „Ich möchte Elektroniker für Betriebstechnik werden“, erzählt der Schüler. Er hoffe, einen Einblick in die Technik des Weserstadions zu bekommen. „Man kann ja nie genug dazulernen.“ Vier Stadionführungen hat der Schüler nach seinen Worten bereits mitgemacht, um mehr über die Elektronik der Sportstätte zu erfahren.

Während der Stadiontage gibt es neben der Berufsorientierung aber auch normalen Unterricht: Deutsch, Mathematik und Geschichte stehen auf dem Lehrplan. In den Unterrichtseinheiten erfahren die Schüler zum Beispiel mehr über die Symbole von Rechtsextremisten, oder sie bekommen Matheaufgaben mit einem Bezug zum Sport.

Gestern lernten die Neuntklässler aus Huchting verschiedene Interviewtechniken kennen und überlegten sich Fragen, die sie heute bei einem Interview mit dem Werderspieler Predrag Stevanovic stellen können – ein Programmpunkt, auf den sich der 15 Jahre alte Luca Steinhaus besonders freut. „Zum einen bin ich großer Werder-Fan, und außerdem kann ich mir gut vorstellen, später einmal im journalistischen Bereich zu arbeiten“, berichtet der Schüler.

Nach Angaben der Projektkoordinatorin Gesa Mann waren die Rückmeldungen zum Projekt bisher durchweg positiv. „Viele Lehrer erzählen uns, dass die Schüler noch Jahre später von ihren Erfahrungen hier sprechen“, sagt Gesa Mann. „Einige Schüler bewerben sich nach der Schule auch auf Praktikumsplätze in den verschiedenen Berufsfeldern.“ Vor allem die Bereiche Landschaftsgärtnerei und Sicherheitsdienst seien bei den Schülern beliebt. Genaue Angaben zur Zahl der Bewerbungen gibt es laut Projektkoordinatorin aber nicht.

Das Projekt im Weserstadion zielt besonders auf Schüler mit Migrationshintergrund. Diese seien verhältnismäßig selten unter den Fans im Stadion zu finden, heißt es. Auch sie sollen die Fan-Kultur kennen lernen.

Die Stadionschule des Fan-Projekts Bremen gibt es seit 2010. Seitdem haben insgesamt 15 Klassen an dem Projekt teilgenommen. Die Schule ist Teil des Kooperationsprojekts „Lernzentrum Ostkurvensaal“ des Fan-Projekts und des Sportvereins Werder Bremen. Das Projekt wird von der Robert- Bosch-Stiftung finanziert. Zur Förderung trägt auch die Bundesliga-Stiftung bei.

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