Warnstreik tarifgebundener Schulmitarbeiter

Unterrichtsausfall in Bremen für bessere Löhne

Sie wollen bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen: Am Dienstagmorgen begann der Warnstreik der tarifgebundenen Schulmitarbeiter in Bremen und Bremerhave.
19.02.2019, 06:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lisa-Maria Röhling
Unterrichtsausfall in Bremen für bessere Löhne

Auf dem Bremer Marktplatz fand eine Kundgebung statt.

Frank Thomas Koch

Am Dienstag fiel an zahlreichen Schulen in Bremen der Unterricht aus. Angestellte Lehrer, pädagogische Fachkräfte oder Sozialarbeiter waren in den Warnstreik getreten. Deshalb versammelten sich am Mittag nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW knapp 900 Menschen aus Bremen und Bremerhaven auf den Marktplatz, um sich im Tarifstreit Gehör zu verschaffen.

"Für dieses Zeichen des Widerstands haben wir die Arbeit ruhen lassen", rief die Oberschullehrerin Monika Eichmann vom Rednerpult den Anwesenden auf dem Marktplatz zu und reckte die Faust in die Luft. Viele der Zuhörer taten es ihr nach, bliesen in Trillerpfeifen und Plastiktröten oder hielten ihre Spruchbänder und Plakate etwas höher in die Luft. Auf Eichmanns Ausruf "gleiche Arbeit, gleiches Geld" brach Jubel unter den Streikenden aus, viele "Ja"- und "Genau"-Rufe waren zu hören. Damit bezog sich Eichmann auf die angestellten Lehrer, die im Vergleich zu ihren verbeamteten Kollegen noch immer wesentlich weniger verdienen.

Fokus auf die Quereinsteiger in Bremerhaven

Neben den Lehrern waren auch Erzieher, Assistenzkräfte, Schulsozialarbeiter und Verwaltungsmitarbeiter zum Marktplatz aufgerufen, für mehr Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. "Wir haben hier die Bildung unseres Bundeslandes versammelt", rief Eichmann. Auch einige verbeamtete Lehrer hatten solidarisch zu ihren angestellten Kollegen den Unterricht verlassen. Momentan ist der größte Teil der Bremer Lehrer verbeamtet und darf deshalb nicht in den Streik treten.

Schon am Morgen hatte der ganztägige Streik an verschiedenen Stellen in Bremen und Bremerhaven begonnen: Bereits um 7.30 Uhr hatten sich laut GEW-Sprecherin Inge Kleemann knapp 50 Schulmitarbeiter an der Allgemeinen Berufsschule (ASB) in Walle getroffen. Die Schule wurde komplett bestreikt. Zeitgleich trafen sich ungefähr 100 Streikende an der Schule am Ernst-Reuter-Platz in Bremerhaven, um sich im Anschluss auf den Weg in die Bremer Innenstadt zu machen.

Lesen Sie auch

GEW-Stadtverbandsvorstandssprecher Peer Jaschinski setzte in seiner Ansprache vor den Bremerhavener Lehrern einen Fokus auf die Quereinsteiger, die bei wesentlich schlechterer Bezahlung die gleiche Arbeit wie andere Lehrer leisten müssen. "In Bremerhaven arbeitet mittlerweile fast jede vierte Lehrkraft über den Quereinstieg", so Jaschinski. "Sie sind inzwischen eine tragende Säule in den Bremerhavener Schulen."

Knapp eine halbe Stunde später schlossen sich am Buntentorsteinweg die Fachkräfte für Inklusion des Martinsclubs dem Streikan. Dazu hatte neben der GEW die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Von ihren unterschiedlichen Treffpunkten aus gingen die Streikenden weiter zum DGB-Haus am Hauptbahnhof, Teilnehmer aus Bremen-Nord und Bremerhaven reisten mit Bussen an. Dort bot die GEW unterschiedliche Workshops an, bevor die Teilnehmer zur Kundgebung Richtung Marktplatz zogen. Laut Kleemann traf der Streik alle Bremer Schulen, da vor allem Assistenzkräfte, Quer- und Seiteneinsteiger und angestellte Lehrkräfte nicht unterrichteten. Der Streikder Assistenzkräfte habe den inklusiven Unterricht an mehreren Schulen eingeschränkt, so Kleemann.

"Die aktuelle Situation ist eine Unverschämtheit"

Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz fasste Christian Gloede, Landessprecher der GEW, die Forderungen der Schulmitarbeiter zusammen: sechs Prozent mehr Lohn, eine bessere Eingruppierung angestellter Lehrkräfte, eine Aufwertung der Gehälter von Erziehern, Fachkräften für Inklusion und anderen Sozialarbeitern. "Die aktuelle Situation ist eine Unverschämtheit", so Gloede. Passende Gehälter und weniger Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter seien zentral für gute Bildung. Zudem müssten auch der Fachkräftemangel und der stockende Schulausbau behoben werden. "Die Politik hat den Personal- und den Gebäudenotstand sehenden Auges herbeigeführt", erklärte der GEW-Sprecher.

Bundesweit waren am Dienstag Schulmitarbeiter auf die Straße gegangen, um sich für bessere Löhne in den laufenden Tarifverhandlungen einzusetzen. Die nächste Verhandlungsrunde soll Ende des Monats in Potsdam stattfinden.

++ Dieser Text wurde um 19.52 Uhr aktualisiert. ++

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+