Schwachhauser Bestsellerautor nimmt an Projekttag des Ökumenischen Gymnasiums teil Unvergesslicher Unterricht mit David Safier

Er ist es gewohnt in Schulen zu lesen, in ganz Deutschland und im Ausland, aber von 8 bis 13 Uhr in einem Klassenzimmer zu sitzen, ist auch für David Safier eine neue Erfahrung gewesen. Neuntklässler des Ökumenischen Gymnasiums haben mit dem Schwachhauser Schriftsteller einen Projekttag verbracht.
22.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Antje Noah-Scheinert

Er ist es gewohnt in Schulen zu lesen, in ganz Deutschland und im Ausland, aber von 8 bis 13 Uhr in einem Klassenzimmer zu sitzen, ist auch für David Safier eine neue Erfahrung gewesen. Neuntklässler des Ökumenischen Gymnasiums haben mit dem Schwachhauser Schriftsteller einen Projekttag verbracht.

„Als ich hörte, dass Herr Safier den ganzen Vormittag in die Schule kommt, dachte ich, oh ha“, gibt Sören zu. „Aber die Zeit ist nur so geflogen.“ Erst als der Deutschlehrer sagte, dass sie aufhören müssten, war der Gong schon längst verklungen.

Nach den Herbstferien hatten die Schüler und Schülerinnen der 9c des Ökumenischen Gymnasiums (ÖG) mit der Lektüre von „28 Tage lang“, dem sechsten Roman von David Safier begonnen. „Zuvor hatten wir Wilhelm Tell gelesen und uns erstmals mit der Frage des Mordens beschäftigt. Da steckte mir meine Tochter das Buch zu“, sagt Deutschlehrer Herbert Schmitz. Das jüngste Buch des Bremer Erfolgautors stand zwar wochenlang auf der Spiegel- Bestsellerliste, gehört dennoch nicht zu seinen meistverkauften.

Bekannt geworden mit Titeln wie „Jesus liebt mich“, „Mieses Karma“ oder „Plötzlich Shakespeare“, ist „28 Tage lang“ weit entfernt von den safierschen Komödien und beschert ihm eine andere Leserschaft. „Das merke ich besonders auf den Lesereisen, es sind nur wenige darunter, die ein älteres Buch mitbringen und signieren lassen“, sagt der Autor.

„28 Tage lang“ spielt im Warschauer Getto und zeigt anhand der Geschichte der 16-jährigen Jüdin Mira das dortige Leben, die vereinzelten Glücksmomente, das Ausmaß der Gräueltaten und den Umgang mit Schuld. Das Leitmotiv der Protagonistin ist die Frage: „Welcher Mensch willst du sein?“

„Wir haben fächerübergreifend gearbeitet“, erklärt Herbert Schmitz. „Hans-Jörg Bosse, der Geschichtslehrer der Klasse, hat das Thema ,Drittes Reich’ vorgezogen und so diese Zeit den Schülern nahegebracht.“ Aus dieser Herangehensweise haben sich Projekt-Themen entwickelt. „In der Oberstufe müssen die Schüler fächerübergreifend Seminarfacharbeiten erstellen, das konnten wir jetzt schon einmal üben.“ So konnten die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen, waren völlig autark in der Themenfindung und konnten sich in kleinen Gruppen mit dem Buch auseinandersetzen. Insgesamt entstanden so acht verschiedene Projektergebnisse.

„Mich hat beeindruckt, wie die Schüler das Buch als Absprung genutzt haben, um sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen“, sagt der in Schwachhausen lebende Autor. Er selbst spielte als Kind jüdischer Eltern über 20 Jahre mit dem Gedanken, über das Getto zu schreiben. So wie er die Geschichte von Mira und Amos erfand und sie mit realen Vorkommnissen verquickte, nutzten die Schüler „28 Tage lang“ als Basis für ihre Projekte. So entstanden Vorträge über die Schauplätze, den Alltag und die Flucht aus dem Getto, ein Hörspiel, ein Glossar, eine Graphic Novel und ein Film, der sich mit dem Auszug der Waisenkinder unter Pädagoge Janusz Korczak beschäftigt.

Der Film ist so eindringlich, dass manche nur mit Mühe ihre Tränen zurückhalten konnten. „Erst wollten wir nur den Auszug filmen, aber als wir uns immer mehr in die Materie eingearbeitet hatten, war es wie ein Sog, wir hatten immer neue Ideen, nahmen noch die Perspektiven der SS und der Judenpolizei mit dazu. Wir haben dadurch begriffen, wie krass es war und dass es wirklich keine Möglichkeit gibt, auch nur irgendetwas schönzureden“, beschreibt Sophie die Arbeit ihrer Gruppe.

Romanverfilmung geplant

Safier und Geschichtslehrer Hans-Jörg Bosse waren beeindruckt von dem Mut der 14- bis 15-jährigen Schülerinnen, sich auch in die anderen Charaktere hineinzuversetzen. „Mich hat der Film überrascht, vor allem euer Mut, eure Überwindung und euer Interesse an der Aufklärung. So wünscht man sich als Lehrer Unterricht“, lobt Bosse.

Den Tag mit David Safier hatte der Deutschlehrer in zwei Blöcke unterteilt. Im ersten sollten sich Lehrer und Schüler zu-nächst kennenlernen. „Das war gut“, sagt Sören, „Er erzählte von sich und seiner Familie und so konnten wir verstehen, warum sich Herr Safier mit dem Thema Getto auseinandergesetzt hat.“

Danach gab es eine Kaffeepause und an-schließend Teil zwei der Präsentationen und Diskussionen. Drei Schülerinnen, Amrei, Blanca und Nele, übernahmen die Moderation, hatten einen Fragenkatalog an den Autor vorbereitet und wollten neben Privatem auch wissen, ob das Buch verfilmt würde. „Tatsächlich fange ich heute Nachmittag mit dem Schreiben des Drehbuchs an“, sagte David Safier. Aber ob der Film dann jemals realisiert wird, werde sich erst zeigen.

Rund 15 Millionen Euro würde eine solche Produktion kosten, und diese müssten erst finanziert werden. „Wie die Hörspielgruppe schon herausgefunden hat – die Geschichte der 777 Inseln soll einen größeren Raum einnehmen – lässt sich der Text allerdings nicht mal eben so verfilmen. Dementsprechend wird die Geschichte etwas anders werden als das Buch“, erklärte David Safier.

Als Dankeschön gab es Schokolade für den Schriftsteller, denn die sei immer wichtig, so die Gastgeber. Für die Schülerinnen und Schüler war es eine unvergessliche Stunde. Sörens Fazit: „Wann hat man schon mal die Chance, einen Autor so intensiv kennenzulernen?“

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