Hohe Temperaturen locken zahlreiche Besucher

„Hier am Unisee wird es am Wochenende brummen wie verrückt“

30 Grad und wärmer - den Bremern stehen weitere heiße Tage ins Haus. Viele zieht es deshalb an die Badeseen. Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten. Ein Besuch am Unisee.
08.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Hier am Unisee wird es am Wochenende brummen wie verrückt“
Von Marc Hagedorn
„Hier am Unisee wird es am Wochenende brummen wie verrückt“

Eine kleine Abkühlung im Unisee: Philine aus Wildeshausen, Alina aus Bremen und Konstantina aus Berlin spielen Volleyball im Wasser. Sie stammen ursprünglich aus demselben Dorf im Bremer Umland.

Karsten Klama

Wer wissen will, was in den nächsten Tagen am Unisee los sein wird, der muss Ralf Liese fragen. Der Mann führt seit gut zehn Jahren die Imbissbude zwischen DLRG-Rettungswache und FKK-Strand. „Gestern ging es los, da waren schon ziemlich viele Leute hier“, sagt Liese, „heute sind noch mehr da, und am Wochenende wird es hier brummen wie verrückt.“ Liese steht an der Seitentür des blauen Containers, der als Kiosk dient, und zeigt nach rechts. „Dort hinten auf der Wiese“, sagt er, „wo jetzt noch alles frei ist, wird am Samstag und Sonntag alles voll sein.“

Der Unisee ist für viele Bremer seit jeher ein Ausflugsziel an heißen Tagen – und in diesem Jahr noch mehr als sonst. „Keine Frage“, sagt Liese, „so voll war es lange nicht. Die Leuten fahren in diesem Jahr nicht ins Ausland, also kommen sie hierher, wenn sie ans Wasser wollen.“ Er stellt sich darauf ein. Liese wird die Zahl der Kollegen im Kiosk verdoppeln. An diesem Tag, es geht auf 17 Uhr zu, hat er bisher Pommes aus sechs Kartons in die Fritteuse geworfen, am Sonnabend und Sonntag könnten es bis zu 30 Kisten werden. Zwar gibt’s bei ihm auch Chicken Nuggets, vegane Falafelbällchen, zehn Stück für 3,50 Euro, Gummibärchen und Flips. „Aber die Leute wollen vor allem eines“, sagt Liese, „Pommes, Pommes, Pommes.“

Hitzewelle soll noch andauern

30 Grad und mehr, die Hitzewelle soll noch ein paar Tage länger anhalten und wird die Bremer an die Badeseen treiben. Davon geht auch Björn Haje aus. Der Mann mit der schwarzen Sonnenbrille und der typischen DLRG-Kleidung, rotes T-Shirt, rote Shorts, richtet sich auf ein intensives Wochenende ein. „Das wird spannend“, sagt Haje, Leiter der DLRG-Station. „Die Bremer brauchen immer zwei, drei Tage, bis sie auf Touren kommen“, sagt er, „einem heißen Tag trauen sie noch nicht, auch am zweiten warten sie noch ab, aber dann kommen sie in Scharen an den See.“

Mit sieben, acht Kollegen soll er für die nötige Sicherheit auf dem Wasser sorgen. Auch das Treiben am Strand werden er und sein Team im Auge behalten. Bis jetzt verhalten sich die Gäste auffallend kooperativ. An Land wird Abstand gehalten. Die mitgebrachten Decken und Matratzen markieren die Reviere. Und wer es im Wasser übertreibt, sich zu viel zumutet oder die Badezone verlässt, wird von Hajes Team freundlich, aber bestimmt an die Regeln erinnert.

Lesen Sie auch

Am Unisee ist dieser Tage jeder anzutreffen, Einzelgänger und Cliquen, Pärchen und Familien mit Kindern, Junge und Alte. Man liest, man döst, man schnackt. Einige haben einen Grill und Klappstühle mitgebracht, hier und da wummern Beats aus Lautsprecherboxen. Und wer seine Pommes nicht bei Liese am Imbiss kauft, verputzt die mitgebrachten Salate und Würstchen. Kinder planschen im Nichtschwimmerbereich oder paddeln auf Luftmatratzen, die aussehen wie Pelikane.

Es ist ein buntes und fröhliches Bild, das sich am Unisee bietet. Trotzdem war Nika und ihrem Partner Khaled heute auch schon einmal etwas mulmig zumute. Das Paar wohnt in Findorff, ihre Wohnung hat zwar auch einen Balkon, „aber manchmal muss man einfach raus“, sagt die junge Frau. „Und als wir hier um die Ecke kamen, war ich schon etwas erschrocken.“ So viele Menschen.

Abstandhalten ist noch möglich

In Coronazeiten sind Massenansammlungen per se nicht ungefährlich, und wenn man wie Nika im neunten Monat schwanger ist, erst recht nicht. „Wir sind sehr vorsichtig“, sagt sie. Abstandhalten geht über alles. Das klappt bisher auch noch einigermaßen gut. Gern würde das Paar in den nächsten Tagen regelmäßig zum Unisee kommen, „ein bisschen die Füße ins Wasser halten“, etwas Ausspannen, aber sie werden genau beobachten, wie voll es in Zukunft sein wird – und im Zweifel lieber zu Hause bleiben.

Auch das Ordnungsamt werde am Wochenende ein besonders wachsames Auge auf die Bremer Badeseen haben, heißt es aus dem Innenressort. „Die Corona-Bestimmungen werden dort, wo sie nicht eingehalten werden, zunächst mittels einfacher Ansprache eingefordert“, sagt Sprecherin Karen Stroink. Im Einzelfall könnten Menschenansammlungen auch aufgelöst werden durch Platzverweise. Die Polizei Bremen werde das Ordnungsamt bei Bedarf unterstützen und ebenfalls einen aufmerksamen Blick auf die Badeseen haben, heißt es weiter.

Dass Besucher über die Stränge schlagen können, hat die Gemeinde Großenkneten erleben müssen. Am Badesee in Westrittrum hatten sich Gäste nicht an die Abstandsregelungen und Kontaktbeschränkungen gehalten. Daraufhin war der See ab Mitte Juni bis zum 1. August gesperrt worden. Jetzt hat er wieder auf, und ein sechs Quadratmeter großes Banner ermahnt die Besucher mit den Worten: „Die zweite Chance. Haltet Abstand“. Soweit soll es in Bremen nicht kommen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+