Angeklagter schuldig

Urteil im Prozess um vergiftete Capri-Sonne

Bremen. Ein 57-jähriger Bremer ist am Montag wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden.
10.09.2013, 00:00
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Urteil im Prozess um vergiftete Capri-Sonne
Von Jan Raudszus
Urteil im Prozess um vergiftete Capri-Sonne

Der Angeklagte und sein Anwalt Christian Knüpling warten auf den Beginn des Prozesses am Amtsgericht Bremen. FOTO: CHRISTINA KUHAUPT

Christina Kuhaupt

Bremen. Ein 57-jähriger Bremer ist am Montag wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte im Juli 2012 seiner Frau mit sogenannten K.o.-Tropfen in einer Tüte des Fruchtsaftgetränks Capri-Sonne schweren gesundheitlichen Schaden zugefügt. Sie musste vorübergehend in ein künstliches Koma versetzt werden.

Das Amtsgericht verurteilte gestern einen 57-jährigen Mann zu einer Geldstrafe auf Bewährung. Der Bremer hatte gestanden, im Juli 2012 seine Ehefrau mit sogenannten K.o.-Tropfen in einer Tüte Capri-Sonne vergiftet zu haben. Die Tat sorgte deutschlandweit für Aufsehen, auch weil zunächst ein Fall von Produkterpressung für möglich gehalten worden war.

Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einer Sonnenbrille, die er erst abnahm, nachdem Fotografen und Kameraleute den Raum verlassen hatten. Der ehemalige Elektroinstallateur wirkte angeschlagen. Er leidet an Kehlkopfkrebs und unterzieht sich einer Chemotherapie. Sprechen konnte er kaum, das übernahm sein Verteidiger Christian Knüpling fast während der gesamten Verhandlung für ihn.

Die Anklage warf dem Bremer vor, im Juli 2012 fünf Trinktüten Capri-Sonne mit K.o.-Tropfen versehen zu haben. In kleinen Mengen wird den Tropfen eine sexuell stimulierende Wirkung nachgesagt, und das sei offenbar auch Ziel des Mannes gewesen. Eine Safttüte gab er seiner Frau, eine andere trank er selbst. Während seiner Frau offenbar der Geschmack missfiel und sie lediglich einen Schluck nahm, trank er seine Tüte komplett aus. Kurz darauf verlor er das Bewusstsein und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Zwei Tage später kam seine Ehefrau ebenfalls in die Klinik. Sie war zusammengebrochen und musste reanimiert werden, nachdem sie eine der anderen mit K.o.-Tropfen versehenen Capri-Sonnen-Tüten getrunken hatte. Im Krankenhaus lag sie im künstlichen Koma. Inzwischen geht es ihr wieder gut.

Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte mitteilen, dass er sich bei allen Beteiligten und seiner Familie entschuldigen wolle. Er habe etwas Schwung in das eheliche Leben bringen wollen, so der Bremer zu seinem Motiv. Als er im Krankenhaus aufgewacht sei und verstanden habe, was passiert war, sei ihm die ganze Sache sehr peinlich gewesen. Weil er darauf hingewiesen habe, dass der Fruchtsaft merkwürdig schmeckte, habe er nicht damit gerechnet, dass ihn noch jemand trinken werde. Außerdem seien die restlichen Safttüten in seinem Schreibtisch verstaut gewesen.

Die Ehefrau wohne derzeit noch bei ihrer Mutter, aber das Paar habe sich versöhnt und werde Anfang Oktober in ein neues, gemeinsames Haus ziehen, sagte der Anwalt.

Einigung vor dem Prozess

Im Vorfeld des Prozesses hatten Verteidigung und Staatsanwaltschaft eine Verständigung gefunden, und so dauerte der gesamte Prozess nur knapp eine Stunde. Das Gericht sprach den Mann wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und fahrlässiger Körperverletzung schuldig. Der 57-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von insgesamt 120 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Dabei handelt es sich um eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Das heißt, die Strafe wird erst fällig, wenn er sich in den nächsten zwei Jahre noch einmal strafbar macht. So lange dauert die Bewährungsfrist, und so lange ist er auch nicht vorbestraft.

Bei seiner Entscheidung berücksichtigte das Gericht eine Reihe von strafmildernden Umständen. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft, habe sich mit dem Opfer versöhnt und sei sehr krank, so der Vorsitzende Richter Hans Ahlers.

„Es spricht viel dafür, dass noch Forderungen auf den Angeklagten zukommen“, sagte der Richter weiter. So würden die Krankenkasse und die Hersteller von Capri-Sonne vermutlich Ansprüche anmelden.

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