Aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs

Was Bremer über das Recht auf Vergessenwerden im Internet denken

Von der noch sichtbaren Jugendsünde bei Facebook bis hin zum unliebsamen Pressebericht - wir haben Bremer und Bremerinnen gefragt, wann es Betroffenen erlaubt sein sollte, Daten im Internet löschen zu lassen.
27.07.2020, 20:23
Lesedauer: 2 Min
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Was Bremer über das Recht auf Vergessenwerden im Internet denken
Von Felix Wendler
Was Bremer über das Recht auf Vergessenwerden im Internet denken

Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Ein generelles Recht auf "Vergessenwerden" im Internet gibt es nicht.

Uli Deck

Wer sich im Netz bewegt, gibt mehr oder weniger viele persönliche Daten preis. Freiwillig oder unfreiwillig. Wem sollten diese Daten gehören? Was darf und sollte vergessen werden? Ein aktuelles Urteil hat die seit Jahren andauernde Diskussion neu entfacht. Der WESER-KURIER hat sich dazu bei Bremerinnen und Bremern umgehört.

Pius Heereman (39)

„Grundsätzlich kommt es für mich auf das öffentliche Interesse an, ob Inhalte gelöscht werden dürfen. Die Abstufung zu finden ist natürlich recht schwierig. Dabei stellt sich ja nicht nur die Frage, ob eine Person in der Öffentlichkeit steht oder ab welcher Schwere ein Fehltritt berichtenswert ist. Wie ist es zum Beispiel, wenn jemand mal in der Öffentlichkeit stand, sich dann aber zurückgezogen hat? Und was ist, wenn derjenige plötzlich wieder ein wichtiges Amt übernimmt? Ich finde, die Medien gehen mit solchen Dingen sehr vernünftig um. Es ist auf jeden Fall ein komplexes Thema, weshalb im Zweifelsfall wahrscheinlich auch zukünftig Gerichte entscheiden müssen, was aus dem Netz gelöscht werden darf und was nicht.“

Pius Heereman würde die Pressefreiheit höher als das Persönlichkeitsrecht gewichten, wenn es um Fehler prominenter Politiker oder Geschäftsleute geht.

Pius Heereman würde die Pressefreiheit höher als das Persönlichkeitsrecht gewichten, wenn es um Fehler prominenter Politiker oder Geschäftsleute geht.

Foto: Wendler

Saskia Henning (21)

„Wenn im Internet über jemanden etwas Unwahres behauptet wird, sollte der Betroffene die Möglichkeit haben, diese Lügen löschen zu lassen. Es ist natürlich schwierig, das zu verallgemeinern. Häufig lässt sich ja auch gar nicht so leicht feststellen, wer die Wahrheit sagt und wer nicht. Besonderen Schutz sollten auf jeden Fall Jugendliche erhalten, die vielleicht nicht unbedingt darüber nachgedacht haben, was sie so im Internet verbreiten. Bei Jugendlichen gibt es im Netz auch Probleme mit Mobbing. In solchen Fällen muss es ein Recht auf Vergessenwerden geben.“

Thomas Bentz (33)

„Vor allem auf politischer Ebene sollten Aussagen bestehen bleiben, sodass diese für die Bevölkerung auch nachvollziehbar sind. Bei Privatpersonen ist das deutlich schwieriger, da sollte man individuell abwägen. Klar ist: Menschen machen Fehler. Wenn ein Geschäftsmann seine Karriere durch negative Berichte bedroht sieht, dann kann ich schon verstehen, dass er sich dagegen wehrt. Letztendlich stellt sich immer die Frage, ob die negativen Darstellungen auch wahr sind.“

Thomas Bentz findet, man müsse zwischen Kavaliersdelikten und Verbrechen unterscheiden. Erstere sollten Betroffene aus dem Netz löschen lassen können, letztere nicht.

Thomas Bentz findet, man müsse zwischen Kavaliersdelikten und Verbrechen unterscheiden. Erstere sollten Betroffene aus dem Netz löschen lassen können, letztere nicht.

Foto: Wendler

Miriam Görmann (25)

„Es fällt mir schwer, bei dem Thema eine Grenze zu ziehen, weil das alles sehr individuell ist. Wahrheit und Unwahrheit können ziemlich relative Begriffe sein. Das gilt besonders, weil die Zusammenhänge und Hintergründe für Unbeteiligte meistens unbekannt sind. Persönliche Daten sollten besonders dann geschützt werden, wenn die Betroffenen im Netz grundlos Hass erfahren.“

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Sarah Schmidt (29)

„Ich würde zwischen Politikern und privaten Personen unterscheiden. Wenn ein Poltiker zum Beispiel früher mal eine andere Gesinnung hatte, möchte ich das als Wählerin im Netz nachlesen können. Schützen sollte man diejenigen, die es nötig haben – vor allem Minderjährige. Wenn ich betroffen wäre, würde ich mich auf jeden Fall gerichtlich dagegen wehren.“

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