Ortsamtsleiterwahl in der Vahr Klare Entscheidung

In einer gemeinsamen Sitzung haben die Beiräte Vahr und Schwachhausen den Nachfolger für die im Juni ausscheidende Ortsamtsleiterin Karin Mathes gewählt. Das Rennen machte ein Mann aus der Bremer Verwaltung.
25.03.2021, 05:00
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Klare Entscheidung
Von Christian Hasemann

Am Ende ist es eine doch deutliche Entscheidung gewesen: Mit 18 Stimmen hat sich Ralf Möller, bisher Umweltbetrieb Bremen (UBB), gegen seine Mitkandidaten auf den Posten des Ortsamtsleiters Vahr/Schwachhausen durchgesetzt. Ernsthafte Konkurrenz hat ihm ein Kommunalpolitiker aus der Vahr gemacht.

Freude und Wehmut

„Ich habe nicht so viel Schlaf bekommen, es ist doch einiges, was einem durch den Kopf geht“, sagt Ralf Möller am Tag nach der Wahl. „Viel Freude, aber auch Wehmut, denn ich habe ein richtig gutes Aufgabenfeld beim Umweltbetrieb.“ Der 52-Jährige ist Referatsleiter für Strategie und Querschnitt beim stadteigenen Betrieb. Seine elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um Ausschreibungen für Grünverträge, sind verantwortlich für den stadtweiten öffentlichen Baumschutz und verwalten die Kleingartenanlagen. Vor seiner Bewerbung habe er sich mit Kollegen und der Geschäftsführung unterhalten. „Und das Für und Wider abgewogen.“ Letztlich sei die Entscheidung eindeutig gewesen. „Ich glaube, als Ortsamtsleiter kann ich mehr bewegen, als in meiner bisherigen Position“, sagt Möller, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. Er freue sich sehr auf seine neue Aufgabe.

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Insgesamt hatten sich zwölf Kandidaten auf die ausgeschriebene Stelle der Ortsamtsleitung beworben. Für Karin Mathes, die bisherige Leiterin des Ortsamtes Schwachhausen/Vahr, endet im Juni ihre zehnjährige Amtsperiode als Beamtin auf Zeit. Dann tritt ihr Nachfolger seinen Dienst an.

Fünf Bewerber stellen sich vor

Sieben Bewerber kürten die Auswahlausschüsse der Beiräte für die finale Bewerbungsrunde in einer öffentlichen Sitzung der beiden Beiräte im Bürgerzentrum Neue Vahr. Von diesen sieben traten final fünf an und standen der Vertreterin der Senatskanzlei, die zukünftige Dienstherrin, und den Beiräten Rede und Antwort.

Auch ohne Detailfragen zur Stadtteilpolitik war den Beobachtern schon nach den Vorstellungen klar, dass eigentlich nur zwei Kandidaten realistische Chancen haben würden, gewählt zu werden. Die übrigen Kandidaten, mit zum Teil schillernden Lebensläufen und teils mit offenkundigen wirtschaftlichen Management-Fähigkeiten ausgestattet, brachten offensichtlich zu wenig kommunalpolitische Erfahrung mit. Teilweise wohnten sie auch erst sehr kurze Zeit in Bremen. Für einen Job, der vor allem aus der Netzwerkarbeit besteht, offensichtlich aus Sicht der Beiräte keine guten Voraussetzungen: Auf die drei übrigen Kandidaten entfielen zusammen zwei Stimmen.

Antworten nah bei einander

Dreizehn Stimmen bekam Tim Haga, der für die CDU im Vahrer Beirat sitzt. Eloquent und souverän hatte sich der promovierte Mathematiker direkt vor Ralf Möller vorgestellt. Die CDU kommt in der Vahr und Schwachhausen auf insgesamt zehn Stimmen. Wenn man voraussetzt, dass alle CDU-Stimmen an den CDU-Kandidaten gingen, hat Haga also noch mindestens drei Beiräte von sich überzeugen können. Demnach könnte der parteilose Ralf Möller als Favorit der Grünen und der SPD gelten, die zusammen auf 15 Stimmen kommen würden. Das tatsächliche Abstimmungsverhalten ist allerdings nicht bekannt: Die Wahl war geheim.

Bei den Antworten zu den Detailfragen, die die Beiräte den Kandidaten stellten, gingen die Antworten nicht weit auseinander. Im Vorfeld hatten sich die Beiräte auf vier Fragen geeinigt, die die Kandidaten beantworten mussten. Insbesondere die Fragen zu Klimaschutzmaßnahmen und zur Verkehrsproblematik in Schwachhausen lieferten ähnliche Antworten. „Klar ist, dass wir viel mehr tun müssen“, sagte Tim Haga. Für ihn sei besonders die energetische Sanierung von öffentlichen, aber auch privaten Gebäuden ein Weg. Ralf Möller meinte: „Die Grünanlagen in der Vahr müssen geschützt und aufgewertet werden und in Schwachhausen ist es immens wichtig, den Altbestand zu erhalten und zu pflegen.“ Er würde sich für eine bessere Baumschutzverordnung einsetzen. Alle Kandidaten nannten außerdem die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, den Ausbau von Car- und Bike-Sharing-Angeboten sowie den Ausbau der Fahrradwege als Mittel für mehr Klimaschutz und als Lösung von Verkehrsproblemen.

Ernennung durch den Senat

Die Vahr und Schwachhausen sind Ralf Möller von seiner Arbeit beim Umweltbetrieb bekannt. Vor seiner jetzigen Tätigkeit war er Leiter des Grünreferats und damit für die öffentlichen Grünflächen in Schwachhausen und in der Vahr verantwortlich. „Deswegen kenne ich die Akteure in den Stadtteilen und freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, zum Beispiel dem Quartiersmanager“, sagt Möller. Nach der Wahl muss nun die Ernennung durch den Senat erfolgen, eine Formsache – wenn es keine Klagen gibt.

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Zur Sache

Verwaltung vor Ort

Siebzehn Ortsämter gibt es in Bremen. Sie gehören zur öffentlichen Verwaltung und nehmen Aufgaben für Orts- und Stadtteile selbstständig wahrnehmen. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört, die Arbeit der Beiräte, also die Kommunalpolitik in den Stadtteilen, zu unterstützen. Außerdem sollen sie den Kontakt zwischen Bürgern und Politik fördern. Ortsämter gehen zudem Beschwerden, Hinweisen und Wünschen aus der Bevölkerung nach. Sie organisieren auch Einwohnerversammlungen, bei denen Behörden oder Investoren beispielsweise Bauvorhaben vorstellen. Die Arbeit des Ortsamtsleiters ist kein politisches Amt, sondern ein Verwaltungsamt der Exekutive.

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