Vatertag in Bremen

Gute Stimmung trotz Corona-Beschränkungen

Deutlich weniger Alkohol, keine Bollerwagentouren: Dieser Himmelfahrtstag war deutlich anders als sonst. Doch die meisten Menschen waren trotzdem gut drauf.
21.05.2020, 19:14
Lesedauer: 3 Min
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Gute Stimmung trotz Corona-Beschränkungen
Von Carolin Henkenberens
Gute Stimmung trotz Corona-Beschränkungen

Welch ein Betrieb: Viele Menschen aus Bremen und dem Umland radeln über den Kuhgrabenweg ins Blockland oder in die Stadt.

Christina Kuhaupt

Ob mit Sonnenbrille auf der Nase oder Rädern unter dem Hintern: Zahlreiche Menschen in Bremen nutzen den sonnigen Himmelfahrtstag mit bis zu 24 Grad für Ausflüge oder Picknicks. Der Kuhgrabenweg, das Nadelöhr von der Stadt ins grüne Blockland, verwandelt sich in eine Art Radfahrautobahn. Am Osterdeich sitzen einzelne zusammen und am Unisee genießen Menschen das Wetter auf Decken, vereinzelt wird auch gegrillt. Auf den ersten Blick fehlt nichts.

Feature Vatertag

Fünf auf einen Streich: Hamza, Lukas, Nihad, Jan und Michael (von links) genießen den Vatertag auf einem Balkon.

Foto: Christina Kuhaupt

Doch die Corona-Kontaktbeschränkungen gelten weiter, Treffen von Menschen aus mehr als zwei Haushalten sind untersagt. Was vor allem auffällt: Keine trinkenden Männergruppen. Kein Gegröle. Keine laute Musik aus Bollerwagenboxen. Ein Blick in die Polizeimitteilungen der vergangenen Jahre zeigt: Am Vatertag fallen gehäuft Menschen – vor allem Männer– dadurch auf, dass sie trotz einiger Promille im Blut aufs Fahrrad oder ins Auto steigen. Mal krachen sie gegen eine Mauer, mal schlagen sie mit dem Kopf auf der Fahrbahn auf und manch anderes Mal haben sie Glück und werden gestoppt, bevor ihnen oder anderen etwas zustößt.

Ein "sehr ruhiger" Tag

Das polizeiliche Resümee dieses Vatertags steht noch aus. Ein Sprecher sagt lediglich, es sei „sehr ruhig“ geblieben. Mehr Einzelheiten gebe es am Freitag. Doch schon jetzt dürfte klar sein: Dieser Corona-Vatertag ist anders. Per Verfügung hat Bremens Innenbehörde verboten, Alkohol in Wagen oder anderen Vorrichtungen mit sich zu führen. Auch der Außerhaus-Verkauf von Alkohol war zwischen 8 und 22 Uhr nicht erlaubt.

Am Kuhgrabenweg, dem Nadelöhr, rücken Polizei und Ordnungsamt gleich mit mehreren Wagen an und beobachteten das Geschehen. Sogar ein Wagen zur mobilen Videoüberwachung, der sonst eher auf Großdemonstrationen zu finden ist, fährt vorbei. Doch es bleibt ruhig, Gruppen sind nur sehr vereinzelt zu sehen. Vor allem Familien sind unterwegs.

Feature Vatertag

Mit Schutz: Kellner Thomas Schaper-Brandt bedient im Restaurant „Zum Platzhirsch.

Foto: Christina Kuhaupt

Kurzzeitige Verwirrung kommt auf, als das Ordnungsamt das Restaurant „Zum Platzhirsch“ kontrolliert. Betreiber Martin Bielefeld erzählt danach, er sei gefragt worden, ob er auch alle Gäste registriere. Dabei ist das laut der am 20. Mai in Kraft getretenen vierten Corona-Rechtsverordnung nur für Gastronomie in geschlossenen Räumen vorgeschrieben. Für die Außenterrasse also nicht. Das hätten die Ordnungsamt-Mitarbeiter erst noch einmal nachlesen müssen, sagt Bielefeld. Der Wirt spricht von etwa 60 Prozent weniger Umsatz als an einem gewöhnlichen Vatertag. Sonst stünden hier Bierwagen. Aber immerhin: „Es gibt keine Probleme mit alkoholisierten Personen“, sagt er. Und: Es mache ihm Spaß, trotz all der Vorschriften. Wochenlang schließlich war überhaupt keine Gastronomie möglich gewesen.

Die Bedienungen im Platzhirschen, allesamt ausgestattet mit Plastikvisieren als Speichelspritzschutze, geben ein gewöhnungsbedürftiges Bild ab. Ob das nach kreativen Mundschutzen der nächste Trend in den Metropolen der Welt Trend wird?

„In ein Restaurant würde ich mich noch nicht wieder setzen“, sagt Ursula Stelmaszek, die mit ihrer Freundin Marie Mehlhop-Lange Minigolf spielt. Sie seien mit dem Fahrrad hergekommen und wollten sich gleich ein Stück Kuchen holen, den sie mit zwei Metern Abstand auf dem Balkon essen wollten. Der größte Unterschied in diesem Jahr? „Dass ich mich nicht uneingeschränkt mit meinen Freundinnen treffen kann“, sagt Stelmaszek.

Besucher aus dem Umland

Auch Menschen aus dem Umland zieht es an diesem Tag nach Bremen. Am Osterdeich sitzen die Freunde Thomke Dißelberg und Marek Neddermann, beide 26, aus Barnstorf bei Diepholz. Mit Sonnenbrille, einem alkoholischen Mixgetränk und Snacks haben es sich die beiden auf dem Rasen bequem gemacht. „Darf man überhaupt in der Öffentlichkeit trinken?“, fragen sie verunsichert. Das ist erlaubt. Nur eben nicht in Gruppen. Normalerweise treffen sich Dißelberg und Neddermann am Vatertag zu einer Radtour mit 20 Männern. „Aus jeder Generation, Söhne und Väter zusammen“, erzählt Neddermann. Danach werde gegrillt und auf ein Schützenfest gegangen. Heute sind sie nur zu zweit. „Das Risiko ist zu groß“, sagen sie.

Feature Vatertag

Im Gleichgewicht: Die 24-jährige Clara Nilsson balanciert am Unisee auf einer Slackline, ein zwischen zwei Bäumen gespannter Gurt.

Foto: Christina Kuhaupt

Weniger Abstand halten fünf Männer. Sie stehen eng beieinander auf einem Balkon. „Wir sind eine WG“, ruft einer von ihnen augenzwinkernd. Sie wollen zusammen grillen, die Stimmung ist gut. Sie finden diesen Corona-Vatertag völlig in Ordnung. „Man wird ja älter“, sagt Niahd lachend. Er sei jetzt fast 30 und Vater, da sei eine Bollerwagentour eh nicht mehr das Richtige. Gelassen geht es auch am Unisee zu. Dort entspannten Clara Nilsson (24) und ihr Mitbewohner Franz Stegmann (27) auf einer Decke, neben sich haben sie eine Slackline zwischen Bäume gespannt. „Für mich ist es okay so“, sagt Stegmann. Es sei zwar schade, Freunde nicht zu sehen, aber sie seien acht Leute in ihrer Wohngemeinschaft und vereinsamten daher nicht. „Und wir wissen ja, wofür wir es machen“, erklärt Nilsson. Dieses Jahr sei Vatertag eben kleiner, idyllischer.

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