BBV-Brache und roter Turm Vegesacker Wahrzeichen des Stillstands

Beim roten Turm tut sich nichts – die Wirtschaftsförderung sucht weiter nach Investoren. Seit Jahren gibt es keine positiven Neuigkeiten zum Gelände der ehemaligen Bremer Bootsbau Vegesack (BBV).
05.03.2015, 00:00
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Vegesacker Wahrzeichen des Stillstands
Von Jörn Hüttmann

Beim roten Turm tut sich nichts – die Wirtschaftsförderung sucht weiter nach Investoren. Seit Jahren gibt es keine positiven Neuigkeiten zum Gelände der ehemaligen Bremer Bootsbau Vegesack (BBV). Aber auch keine negativen: Es ist immer noch unklar, ob EU-Subventionen zurückgezahlt werden müssen. Selbst die EU kann diese Frage nicht klären.

Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden können: An der Weser, mit direktem Anschluss an das Vulkan Gewerbegebiet und die Maritime Meile sollte ein Touristenmagnet entstehen – das Projekt „Schaufenster Bootsbau“. Unter anderem finanziert aus Geldern der Europäischen Union. Doch daraus wurde bekanntlich nichts: Es kamen schlicht zu wenig Besucher. Also blieb nur die Insolvenz und die Unklarheit, wie es weitergeht – auch mit den EU-Fördergeldern. Das ist jetzt drei Jahre her und die Fragen sind immer noch offen.

"Es ist schwierig"

Seither ist die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) auf der Suche nach neuen Investoren. „Bisher sind wir aber nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen“, sagt Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Warum sich seit Jahren keine Investoren finden, kann Bruns nicht erklären. „Wir sind daran interessiert, das Grundstück einer vernünftigen Nutzung zuzuführen. Es ist schlicht und einfach schwierig“, sagt Bruns. „Es dauert so lange, wie es dauert.“

Derzeit würden Gespräche mit potenziellen Interessenten geführt. Um wen es sich dabei handelt und was der Stand der Verhandlungen ist, wollte Bruns nicht kommentieren. „Solche Verhandlungen führt man nicht über die Zeitung.“ Aber es sei bei so einem Objekt selbstverständlich, mit mehreren Investoren gleichzeitig zu verhandeln. „Wir bemühen uns, aber es gibt keinen Zeitpunkt, zu dem wir Erfolg versprechen können.“ Ähnliche Zwischenstandsberichte hatte es vonseiten der Behörde schon in der Vergangenheit immer wieder gegeben.

Nach dem Scheitern des Projektes „Schaufenster Bootsbau“ stehe „eine touristische Nutzung aktuell nicht mehr im Mittelpunkt der Überlegungen“, sagt Bruns. Damit ist auch die Zukunft des roten Turms weiter unsicher. Ob er auch bei einer gewerblichen Nutzung für Touristen offen stehen könnte, sei zum jetzigen Zeitpunkt unklar, sagt Bruns. „Das ist erst klar, wenn man weiß, was da gebraucht wird. Das hängt von der Vermarktung des Grundstücks ab“, sagt Bruns. „Das ist sehr spekulativ.“

Mögliche Rückzahlung von Fördergeld

Damit bleibt auch die Frage nach der möglichen Rückzahlung von EU-Fördergeldern weiter ungeklärt. Denn sie waren an das inhaltliche Konzept der „Gläsernen Werft“ und der „Schaufenster Bootsbau“ geknüpft, das eine öffentliche, touristische Nutzung mit Informationen rund um das Thema Bootsbau vorsah. 2012 hatte Heiner Heseler, Staatsrat im Wirtschaftsressort, eingeräumt, dass Bremen bei einer gewerblichen Nutzung eine Rückzahlung von 650 000 Euro bis zu einer Millionen Euro drohe. Im vergangenen Jahr teilte die Wirtschaftsbehörde mit, es werde juristisch geprüft, ob und in welchem Umfang Rückzahlungsansprüche bestehen. Holger Bruns. „Wenn es eine Rückzahlungsforderung gibt, werden wir uns damit auseinanderzusetzen haben.“

Auch eine Anfrage beim EU-Kommissar für Regionale Politik, in dessen Zuständigkeitsbereich die Fördermittel fallen, konnte in der Frage nicht helfen. „Aufgrund der geteilten Mittelverwaltung zwischen der Kommission und den jeweils zuständigen EFRE-Verwaltungsbehörden sind der Kommission keine Einzelheiten zum Projekt ,Schaufenster Bootsbau Bremen-Vegesack’ bekannt. Sowohl die Antragsformulare als auch der Zuwendungsbescheid mit den entsprechenden Zuwendungskriterien und Zweckbindungsfristen liegen in Bremen vor“, teilte Sprecher Jakub Adamowicz auf Anfrage mit.

Der Stillstand rund um den Roten Trum ärgert den Leiter des Ortsamtes in Vegesack, Heiko Dornstedt. „Ich erwarte ein Ergebnis. Vor allen Dingen deshalb, weil ich erwarte, dass die Verkaufserlöse auch in Vegesack bleiben.“ Die Gelder müssten in die Förderung der Maritimen Meile fließen, der es aktuell an Attraktionen fehle – beispielsweise in den Bau einer Gezeitenstation in Höhe der Signalstation. „Das kann ein funktionierendes ,Schaufenster Bootsbau’ nicht ersetzten, aber in das Projekt gesetzten Erwartungen wurden nie erfüllt. Der Kollaps war vorhersehbar.“ Deshalb sei es richtig, nach einer gewerblichen Nutzung zu suchen, sagt Dornstedt. Er könne sich jedoch nicht vorstellen, dass der Turm dabei als touristische Attraktion erhalten werden könne.

Rainer W. Buchholz von der FDP überrascht es nicht, dass die Entwicklung des BBV-Geländes auf der Stelle tritt: „Der Ideenreichtum des Wirtschaftsressorts ist überschaubar. Es ist noch nicht eine neue Idee von der Seite gekommen.“ Sich von der touristischen Nutzung zu verabschieden, sei jedoch richtig. „Das ging bisher alles daneben.“

Deshalb sollte die „Regina“ zum Endpunkt der Maritimen Meile erklärt werden und das Gelände dahinter gewerblich genutzt werden. Er könne sich aber nicht erklären, warum es so schwierig sei, einen Investor zu finden. „Wer zwei Jahre immer nur den gleichen Vers aufsagt, dass Verhandlungen laufen, zeigt nur, dass er nichts in der Hand hat“, sagt Rainer W. Buchholz.

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