Pascal Rothkegel alias Mr Moregame Vegesacker Youtuber hat 450.000 Fans

In Vegesack lebt einer der beliebtesten Youtuber Deutschlands: Pascal Rothkegel alias Mr. Moregame. Jeden Tag stellt er Videos ins Netz und hat 450.000 Abonnenten. Ein Hausbesuch.
01.03.2018, 17:53
Lesedauer: 5 Min
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Von Imke Molkewehrum

Mr. Moregame macht Jagd auf Außerirdische, wird aber selbst tödlich getroffen. „Ich habe ein Leben verloren – erst mal in die Ecke kauern und weinen“, frotzelt er und wappnet sich für die Revanche im Spiel „Star Wars Battlefront“. An einem anderen Tag navigiert er ein U-Boot namens „Seemotte“ durchs trübe Meer und fürchtet sich vor einer Attacke aus der Tiefe. „Ich würde einen Herzinfarkt bekommen“, scherzt er, bringt kurz darauf einen Sandhai zur Strecke und macht sich auf die Suche nach einem „Innenbeetkasten“, den er im Spiel „Subnautica“ unbedingt zum Überleben benötigt.

Mr. Moregame alias Pascal Rothkegel stammt aus Vegesack und ist ein Youtube-Star. Zurzeit hat der 24-jährige gelernte Logistiker 450.000 Abonnenten und produziert an sieben Tagen in der Woche neue Videos. Hinter einem blickdichten Rollo verbringt er täglich mindestens acht Stunden ohne ­Tageslicht im heimischen Studio. Monitore, Mikrofon, Kamera und ein imposanter „­Gaming-Stuhl“ gehören zum Equipment.

"Eine Art kommentiertes Fernsehen"

Sein Konterfei ist stets in der Ecke eingeblendet, während er Videospiele ausprobiert und Statements abgibt. „Ich bin der Unterhalter und versuche Schwung in die Videos zu bringen. Das ist eine Art kommentiertes Fernsehen“, sagt er. Da viele keine eigene Playstation besitzen, spiele er die Games ­gewissermaßen stellvertretend für seine ­Follower. „Das ist wie beim Fußball. Diese Zuschauer könnten ja auch selbst spielen.“

Täglich stellt der 24-Jährige zwei bis drei Videos mit einer Länge von 15 bis 30 Minuten ins Netz. „Die Leute wollen jeden Tag eine neue Folge haben und sehen, wie ich vorankomme.“ Urlaub sei daher nur drin, wenn er die Videos im Vorfeld produziere.

„Eigentlich wollte ich gern Stand-up-­Comedian werden“, sagt Pascal Rothkegel. Daher spielt er fürs Publikum gern auch mal simple Videospiele wie „Abenteuer auf dem Reiterhof“. „Wenn ich das ausprobiere, ist das schon fast Comedy, denn die Menschen mögen Trashgames, die nicht gut gemacht sind.“ Das gelte auch für Simulationen, in denen der User als Feuerwehrmann oder Polizist ausrücke. „Da hakt oft die Steuerung, das hat Unterhaltungswert.“

Vor acht Jahren hat der Nordbremer das Gaming für sich entdeckt – zunächst als Hobby. „Ich habe angefangen, selbst Videos zu drehen“, sagt er. Damals noch im Elternhaus. „Die haben sich keine Sorgen gemacht, weil sie wussten, dass ich nicht nur zocke“, sagt er. Mittlerweile haben auch die Eltern akzeptiert, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. „Inklusive Steuererklärung“, betont Pascal Rothkegel und fügt stirnrunzelnd hinzu: „Ich habe manchmal das Gefühl, der Staat kriegt mehr als ich.“

Keine Spiel-Pflicht

Reichtümer können die meisten Youtuber nicht anhäufen. Die Einnahmen schwanken stark und brechen erfahrungsgemäß im Sommer ein. „Bei mir gehören zum harten Kern 2000 bis 3000 Abonnenten, die mich immer feiern“, sagt Rothkegel. Entscheidend sei aber die Anzahl der User, die die vorgeschalteten Werbeblocks angucken. „Eine Millionen Abrufe ist aber nicht gleichzusetzen mit einer Millionen Menschen, die die Werbung gesehen haben“, erläutert der Nordbremer. „Das ganze Prinzip ist schwer zu durchschauen.“

Videospiele bekommt er gratis. Auf dem Tisch im Studio stapeln sich etliche Boxen, die ihm die Hersteller unaufgefordert ins Haus geschickt haben, damit er sie testet und vorstellt. „Aber ich habe natürlich keine Pflicht, die zu spielen“, sagt er. Es kommen aber auch andere Pakete an. Besonders begeistert war Rothkegel von dem überdimensionalen, silberfarbenen Pfeil-Button, den ihm Youtube für seine ersten 100.000 Abonnenten geschickt hat. „Da hab ich mich sehr gefreut – das war ein Meilenstein.“

Und der Pfeil zeigt nach oben: Laut Online-­Magazin „Games Wirtschaft“ lag Mr. More­game im Juli 2017 auf Platz 11 der produktivsten und auf Platz 46 der besten 50 Lets­player und Gaming-Youtuber im deutschsprachigen Raum.

Seine persönliche Youtube-Statistik kann Mr. Moregame per Knopfdruck abrufen: Die meisten seiner Nutzer, nämlich 31 Prozent, sind männlich und zwischen 18 und 24 Jahren alt. In dieser Altersklasse sind 3,2 Prozent Frauen. Besonders mager sieht es dagegen bei der älteren Generation aus. Unter den 55- bis 64-Jährigen hat der Nordbremer 1,2 Prozent männliche und 0,2 Prozent weibliche User.

Unterwegs wird Pascal Rothkegel häufig erkannt. „User sprechen mich beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Essen in der Waterfront an. Die wollen meist ein Selfie. Für die jungen Menschen, die nicht mehr fernsehen, bin ich wie einer vom Tatort“, sagt er. „Aber die Älteren staunen dann nur und fragen sich: Muss man den kennen?“

"Eklige Hater"

So gern Pascal Rothkegel seinen Job macht, die Kommentare einiger User nerven ihn. Inzwischen sei er zwar recht abgehärtet, „denn die meisten finden toll, was ich mache. Aber Hater, die einem einen ­Unfall wünschen, sind schon ekelig“.

Dass er für seinen Job den ganzen Tag allein im Studio hockt, macht Mr. Moregame nichts aus. „Ich bin durchgehend über Team­speak mit Kumpels in Kontakt.“ Außerdem wohnt er mit seiner Freundin zusammen. „Die studiert, hat aber auch Spaß am Spielen.“ Beim Kinoprogramm sind sich die beiden aber uneinig: „Sie guckt gern Horrorfilme, und ich mag das nicht. Aber bei Star Wars oder Herr der Ringe bin ich dann der Erste im Kino.“

Bei den Spielen bevorzugt er Shooter. Gerade widmet er sich „Fortnite“. Mit einem Fallschirm könne man irgendwo abspringen und müsse gegen 99 andere Gamer kämpfen. „Ziel ist, der einzige Überlebende zu sein“, sagt Mr. Moregame. Ob diese Killer-Spiele einige Menschen zu Amokläufen inspirieren, vermag er nicht zu sagen. „Ich selbst habe jedenfalls noch nie den Drang verspürt, andere in der Realität zu erschießen“, betont er. Wer durch die Spiele zu Morden angestiftet werde, habe mit Sicherheit „schon vorher einen Knacks weg“.

Mr. Moregame auch als Quiz

Ihre Mitmenschlichkeit beweisen deutsche Youtuber seit 2015 mit einem jährlichen Livestream-Spendenmarathon namens „Friendly Fire“. Allein im Dezember haben sie dabei 600.000 Euro für Kinder mit neurologischen Erkrankungen, für Mukoviszi­dose-Patienten, ein Altenheim für Tiere und für das Projekt „Ein letzter Wunsch“ gesammelt. 470.000 Euro kamen dabei über Direkt­spenden in die Kasse.

Für seine persönliche Zukunft wünscht sich der Nordbremer, weiterhin als Gamer arbeiten zu können. „Dann aber gern im Live­stream statt im Videoformat. Via Twitch spiele ich schon jetzt live und die Zuschauer schreiben mir, während sie mich hören. Das macht Spaß.“ Amazon habe Twitch übernommen. „Das war ein guter Coup und das Schlauste, was die machen konnten“, findet Pascal Rothkegel. „Da gibt es sogar Talkshows, und die Leute kriegen eine Mail, wenn der Gamer online ist.“

Der 24-Jährige ist selbst ständig im Internet unterwegs, hat aber keine Ahnung, dass es dort auch ein kleines Mr. Moregame-Quiz gibt. „Ein Quiz? Das wusste ich nicht“, staunt er und geht gleich online. „Cool, das werde ich gleich ausprobieren.“

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