70 Männer und Frauen stellen sich am 11. September zur Wahl / Parteien erwarten neue Mehrheitsverhältnisse Veränderte Vorzeichen

Der Lemwerderaner Gemeinderat wird verkleinert. Nach der Wahl am Sonntag, 11.
11.08.2016, 00:00
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Veränderte Vorzeichen
Von Barbara Wenke

Der Lemwerderaner Gemeinderat wird verkleinert. Nach der Wahl am Sonntag, 11. September, gehören dem Parlament neben der Bürgermeisterin noch 18 gewählte Volksvertreter an. Bislang waren es 20 Personen. Deutlich wird sich sich diese Verkleinerung voraussichtlich auf die SPD auswirken. Darin sind sich die Fraktionsspitzen über die Parteigrenzen hinweg einig. Die neu zur Wahl antretenden Unabhängigen Wähler Lemwerders (UWL) rechnen ebenfalls mit einer derartigen Entwicklung, zumal sie mit dem ganz klaren Ziel zur Wahl antreten, „die absolute Mehrheit der SPD zu knacken“, wie Sprecher Karl-Heinz Thomes es formuliert.

„Bei einer Verkleinerung des Rates verlieren in erster Linie die großen Parteien Sitze, nicht die kleinen“, ahnt der SPD-Fraktionsvorsitzende Meinrad-M. Rohde. „Das liegt am Rechenverfahren. Auch wenn wir dasselbe Ergebnis erzielten wie vor fünf Jahren, würden wir nur noch neun Sitze erhalten.“ Die absolute Mehrheit wäre verloren. Für Rohde, der sich für klare Verhältnisse ausspricht, ein Desaster. „Ein klare Mehrheit ist besser, weil man nicht immer Kompromisse finden muss.“

Dass mit Erika Hanke und Stefan Sander zwei Ratsmitglieder nicht wieder zur Wahl stehen, sieht Rohde nicht als Problem. „Erika Hanke war ganz klar ein Zugpferd“, stellt er fest, „aber sie ist traditionell von SPD-treuen Bürgern gewählt worden. Die werden ihre Stimmen auf andere SPD-Kandidaten verteilen. Bei Stefan Sanders Wählern müssen wir sehen.“

Im Gegensatz zu Meinrad-M. Rohde geht Karl-Heinz Thomes von den Unabhängigen Wählern davon aus, dass Erika Hankes Stimmen gänzlich neu verteilt werden – nicht zwangsläufig innerhalb der SPD. Die Stimmung bei den UWL sei gut. „Die Rückmeldungen bei unserem wöchentlichen Stammtisch sowie über unseren Online-Briefkasten sind so positiv, dass wir erwarten, mit einigen Kräften in den Rat einzuziehen. Pessimisten gehen von zwei Sitzen aus. Die Optimisten sogar von vier bis fünf.“ Die UWL decken seiner Meinung nach eine andere Klientel ab, als die etablierten Parteien. Thomes glaubt, „dass wir einige Nichtwähler ansprechen werden“.

Die Fraktionsspitzen der CDU (Wolf Rosenhagen), der Grünen (Brigitte Rosenow) und der FDP (Harald Schöne) gehen ebenfalls davon aus, dass die UWL den Sprung in den Gemeinderat schaffen. Mögliche Verluste sehen sie in erster Linie bei den Sozialdemokraten. „Die SPD wird die stärkste Fraktion“, ist Brigitta Rosenow überzeugt. „Sie gewinnt die Wahl, aber nicht die absolute Mehrheit, dafür ist das Angebot an Kandidaten zu umfangreich.“

Am Sonntag, 11. September, stellen sich 70 Männer und Frauen für fünf Gruppierungen zur Wahl. Die Spannbreite reicht vom 20-jährigen Jungpolitiker Miles Eckert bis zum 74-jährigen Senior Jürgen Stolle, vom Hausmann über die Ärztin bis hin zum Industriekaufmann, dem Landwirt oder zahlreiche Rentner. Rund die Hälfte aller Kandidaten tritt zum ersten Mal zu einer Kommunalwahl in Lemwerder an. Neben den Unabhängigen Wählern, die allesamt neu sind im Politgeschäft, hat insbesondere die CDU Akquise betrieben. Zehn Männer und Frauen stellen sich erstmals zur Wahl.

Mit den stärksten Listen, jeweils 18 Kandidaten, gehen die CDU und die UWL in die Wahl. Beide können auf einen großen Frauenanteil verweisen. Während SPD, Grüne und FDP jeweils zwei weibliche Kandidaten ins Rennen schicken, stehen UWL-Wähler sechs und CDU-Wählern fünf Frauen zur Wahl. Stark vertreten sind die Christdemokraten mit vier Kandidaten zudem in der Altersgruppe der bis 35-Jährigen.

Gerade diese Kandidaten seien schwer zu finden, stellt FDP-Fraktionschef Harald Schöne fest. „Die jungen Leute sind dabei, Familien zu gründen oder studieren. Die haben meistens etwas anderes vor, als sich in der Politik zu engagieren.“

Nach der konstituierenden Sitzung könnten dabei in Lemwerder sogar Familienangehörige auf gegenüberliegenden Seiten des Sitzungstisches Platz nehmen. Während Parteichef Günter Naujoks für seine SPD antritt, gehen Tochter Wiebke Naujoks und Schwiegersohn Stefan Naujoks für die UWL ins Rennen. Der ehemalige SPD-Ratsherr Horst Zwicker kandidiert zum zweiten Mal für die FDP. Tochter Maya Zwicker versucht derweil, für die CDU zu punkten.

„Bei einer Verkleinerung des Rates verlieren die großen Parteien Sitze.“ Meinrad-M. Rohde
„Ich glaube, dass wir einige Nichtwähler ansprechen werden.“ Karl-Heinz Thomes
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