Aus für das Musicaltheater Veranstalter sind entsetzt

Das Musicaltheater wird schließen. Der Eigentümer hat anscheinend neue Pläne für das Gebäude am Richtweg. Kulturveranstalter finden deutliche Worte.
09.02.2017, 21:30
Lesedauer: 3 Min
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Veranstalter sind entsetzt
Von Pascal Faltermann

Das Musicaltheater wird schließen. Der Eigentümer hat anscheinend neue Pläne für das Gebäude am Richtweg. Kulturveranstalter finden deutliche Worte.

Wenn Ende Dezember die Darsteller des Stückes „Pasión de Buena Vista – Legends of Cuban Music“ auf der Bühne des Musicaltheaters in Bremen stehen, dürfte das Stück zu einem traurigen Abschiedsspiel werden. Stand jetzt wird es die letzte Aufführung in der Spielstätte am Richtweg sein. Vor dem Jahreswechsel folgt dann nur noch der Auftritt des belgischen Sängers Helmut Lotti. Dann ist Schluss. Der Vertrag zwischen Rolf Specht, dem Eigentümer der Immobilie, und der Unterhaltungsagentur „Mehr! Entertainment“ wird nicht verlängert. Ein besonders hochwertiges Kino oder ein möglicher Abriss des Gebäudekomplexes und ein damit verbundener Neubau von Wohnungen und Gewerberäumen stehen im Raum. Aber was verliert die Stadt, wenn am Richtweg der letzte Vorhang fällt? Veranstalter und Kulturschaffende bedauern die Entscheidung.

Frustriert und traurig ist der Konzertveranstalter Jan Trautmann („Bremen Events & Concerts“): "Es ist ein Affront gegen alle Bremer. Die Stadt verliert damit eine Einrichtung mit Strahlkraft." Er bedauere die Schließung außerordentlich, und zwar nicht nur für seine Konzert-Ideen, sondern vor allem für die Stadt, für ihre Bürger sowie für viele, die wegen der Veranstaltungen überhaupt erst Bremen besuchen. "Mir fehlt das Verständnis dafür, dass es der Stadt und Politik anscheinend egal ist", so Trautmann.

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"Es ist eine Katastrophe für Bremen"

Anders als alle anderen Veranstaltungsorte mit ähnlicher oder geringerer Größe habe vor allem das Musicaltheater Menschen von außerhalb oder gar von sehr weit entfernt in die Stadt geholt. Seine Agentur "Bremen Events & Concerts" könne sogar behaupten, Tickets für das Theater deutschlandweit, ins angrenzende Ausland und im Einzelfall bis nach Kanada verkauft zu haben. Etwa 70 Prozent aller Veranstaltungen in der Spielstätte seien nicht auf andere „Räumlichkeiten“ übertragbar und würden nun komplett wegfallen. Unter dem Haushaltsdruck und der Steuerdiskussion habe die Stadt damals das Theater aus den Händen gegeben. "Stattdessen kann man aber Unmengen an Geld für das Goethe-Theater und für eine Schwankhalle bereitstellen", ärgert sich Trautmann.

Ähnlich sieht es Oliver Mücke von Koopmann Concerts: „Es ist auf jeden Fall schade, dass Bremen ein weiteres Stück Kultur mal wieder an die Wand fahren lässt.“ Zehntausende Besucher seien jedes Jahr ins Musicaltheater gekommen und hätten durch Eintrittsgelder, Hotellerie, Restaurants oder die allgemeine Verweildauer gutes Geld dagelassen. Allein dafür würde sich der Erhalt lohnen. „Wenn das Theater schließt, geht damit auch der gesamte Musicalmarkt für Bremen verloren. Es gibt hier keine Alternativspielstätten für Musicals oder artverwandte Großproduktionen. Wer das leugnet, der lügt und hat keine Ahnung von der Thematik“, sagt Mücke.

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„Es ist eine Katastrophe für Bremen“, sagt Martin Mahlstedt, seit Mai 2015 Theaterleiter im Musicaltheater. Es sei schade, dass Eigentümer und Betreiber nicht zusammengekommen seien. Zahlreiche Künstler und Veranstalter seien begeistert von dem Ort. Rückblickend waren für Mahlstedt besondere Konzerte wie die von Weltstars wie Anastacia (zusammen mit den Bremer Philharmonikern) oder Billy Ocean richtige Höhepunkte. „Die besondere Atmosphäre im Musicaltheater hat sich stets auch aufs Publikum übertragen“, sagt Mahlstedt. Wenn das Gebäude abgerissen werden sollte, sei das nicht nur für die Kulturlandschaft, sondern für ganz Bremen ein herber Verlust.

Specht will sich mit Entscheidung Zeit lassen

Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ), hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. „Ich würde mir wünschen, dass mit Bremer Veranstaltern gesprochen und gemeinsam ein Betreiber-Konzept auf die Beine gestellt wird“, sagt der BTZ-Chef. Durch die herausragende Lage, Architektur und Struktur des Musicaltheaters sei die Spielstätte ein „perfektes Theater mit unglaublich viel Charme“. Am Beispiel des GOP Varieté-Theaters sehe man, dass der Markt funktioniere.

Noch ist der Abriss des Gebäudes nur eine Option. Immobilienbesitzer Specht will sich mit der Entscheidung Zeit lassen, Machbarkeitsstudien und einen Architekten-Wettbewerb in Auftrag geben. Sogar einen hohen zweistelligen Millionenbetrag würde er investieren. Da die Stadt den damaligen Umbau zu einem Musicaltheater finanzierte, muss sie immer noch einen Kredit für die Umbaukosten abbezahlen. Anfangs sollte die jährliche Tilgung in Höhe von etwa 2,1 Millionen Euro bis 2018 laufen. Infolge von Zinsschwankungen verlängert sich die Laufzeit laut Wirtschaftsbehörde aber bis einschließlich 2019. Insgesamt sind dann Kosten von 40 Millionen Euro entstanden. Am Ende könnte die absurde Situation entstehen, dass die Stadt in den Jahren 2018 und 2019 immer noch einen Millionenbetrag zahlt. Für ein Gebäude, das es dann nicht mehr gibt.

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