Bremische Luftfahrtgeschichte

Veranstaltungen zu Luftfahrtjubiläen

Zahlreiche Veranstaltungen werden in den nächsten Monaten an Bremens lange Tradition im Flugzeugbau erinnern. Zum Auftakt kommt eine nachgebaute Junkers F13 nach Bremen.
07.04.2018, 16:44
Lesedauer: 6 Min
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Veranstaltungen zu Luftfahrtjubiläen
Von Detlev Scheil
Veranstaltungen zu Luftfahrtjubiläen

Die nachgebaute Junkers F13 wird zum 90. Jahrestag der ersten Atlantiküberquerung der Junkers W33 "Bremen" von Ost nach West am 12. April nach Bremen kommen.

Junkers Flugzeugwerke

Das Raumfahrtjahr unter dem Motto „Sternstunden 2018“ bietet zahlreiche besondere Veranstaltungen in Bremen, ergänzend präsentiert nun der Verein „AIRbe“ eine ganze Reihe von „Highlights der Bremer Luftfahrt“. Vor dem Hintergrund der drei Jubiläen „90 Jahre Nordatlantik-Überquerung der Junkers W33 ‚Bremen‘“, „80 Jahre Nonstop-Flug der Focke-Wulf FW 200 ‚Condor‘ von Berlin nach New York“ und „60 Jahre Erstflug des Borgward-Focke-Hubschraubers“ ist ein Programm zusammengestellt worden, das die wichtige Rolle Bremens in der langen Geschichte der Luftfahrt in Erinnerung rufen soll.

Das bedeutende Erbe der Bremer Flugzeugindustrie dürfe nicht in Vergessenheit geraten, sagt Bernd Hirsch als Vorsitzender des Vereins „AIRbe“, der als Dachorganisation neun Vereine aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt vertritt. Hirsch freut sich darauf, dass mit dem geballten Veranstaltungsprogramm wieder mehr Aufmerksamkeit für die Bremer Luftfahrttradition geschaffen wird.

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Der erste Höhepunkt des „AIRbe“-Aktionsjahrs 2018 ist das sogenannte Wellblechwochenende vom 12. bis 15. April. Es leitet seinen Namen von den beiden Junkers-Flugzeugen ab, die dabei im Blickpunkt stehen. Der Ingenieur Hugo Junkers (1859-1935) versah seine Flugzeuge mit einer Ganzmetallhaut aus Wellblech. Vor rund hundert Jahren war das eine technische Sensation.

Die Junkers-Flieger machten Schlagzeilen – sowohl die F13, die auch von der Deutschen Lufthansa in deren Pionierjahren eingesetzt wurde, als auch die W33. Mit ihr gelang am 12./13. April 1928 der erste, über 36-stündige Transatlantikflug nonstop von Irland nach Greenly Island, einer kleinen kanadischen Insel zwischen Neufundland und Labrador. Ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte war gelegt, denn fortan gab es den Luftweg über den Atlantik von Ost nach West.

Junkers W33 "Bremen"

Anlässlich der Wiederkehr dieses Heldentags der Piloten Hermann Köhl und James Fitzmaurice, maßgeblich unterstützt von Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, wird eine spektakulär nachgebaute Junkers F13 (siehe Artikel unten) am 12. April erstmals zu einer Stippvisite nach Bremen kommen. Allerdings wird aus Sicherheitsgründen die Öffentlichkeit im Flughafenbereich keine Gelegenheit haben, nahe an sie heranzukommen.

Der Atlas Air Service und der F13-Investor Dieter Morszeck machen es jedoch möglich, dass exklusiv 20 Leserinnen und Leser des WESER-KURIER im Rahmen einer Kartenverlosung bei einer Zwischenlandung auf dem Flugplatz in Ganderkesee den außergewöhnlichen Wellblechflieger ausgiebig besichtigen können. Am 12. April abends steigt in der Bremenhalle des Airports, in der der Atlantikflieger Junkers W33 „Bremen“ seit geraumer Zeit die Attraktion ist, eine Jubiläumsfeier für geladene Gäste.

Für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist die informative Ausstellung „Hugo Junkers und die Wellblechflieger“, die am Sonnabend und Sonntag, 14. und 15. April, jeweils von 12 bis 16 Uhr in der Bremenhalle bei freiem Eintritt besucht werden kann. Dort wird auch ein Simulator gezeigt, der das Cockpit der W33 nachbildet und einen Flug von anno dazumal wiedergibt: „Moderne Elektronik ermöglicht es nachzuempfinden, wie damals das Fliegen war“, sagt Jens Petersen, Vorsitzender des Vereins „Wir holen die Bremen nach Bremen“, der die W33 „Bremen“ restauriert hat.

Am 14. und 15. April werden auch kostenlose Vorträge im Rahmen der Ausstellung angeboten. Hans Rahmann von der neugegründeten Junkers Flugzeugwerke AG in der Schweiz spricht am Sonnabend über „Hugo Junkers, ein biografischer Spaziergang“ (12.15 Uhr), „Eine W33 macht sich auf den Weg“ (13.30 Uhr) und „Friedensbotschafter: Köhl, von Hünefeld, Fitz und die ,Bremen‘“ (14.45 Uhr). Am Sonntag referieren Aktive des Vereins „Wir holen die Bremen nach Bremen“ über „Wie kam die ,Bremen‘ nach Bremen?“ (12.15 Uhr), „Die Geschichte der drei Büsten“ (13.30 Uhr) und „Der erste Ost-West-Atlantikflug“ (14.45 Uhr).

Wöchentlich Vorträge im Airport

Eine weitere Vortragsreihe mit dem Titel „Luft- und Raumfahrt aus Bremen – gestern, heute und morgen“ läuft wöchentlich vom 18. April bis 19. September immer mittwochs um 18 Uhr im Hans-Koschnick-Flughafen, Terminal 3, erstes Obergeschoss, Upper-Deck-Lounge. Nähere Informationen zu den einzelnen Themen gibt der Arbeitskreis Luft- und Raumfahrt des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im Internet unter www.vdi.de, Rubrik Bremer Bezirksverein.

Der Bremer Verein für Luftfahrt (BVL) mit seinen Sparten Motorflug, Segelflug und Ultraleichtflug beteiligt sich am Aktionsjahr mit einem Tag der offenen Tür am Sonnabend, 26. Mai, von 11 bis 18 Uhr, am BVL-Fliegerturm beim Airport, Hanna-Kunath-Straße 18.

Eine Ausstellung zeigt die „Bremer Luftfahrt vom Anfang bis heute“, zudem werden Vorträge zur Geschichte des Vereins und zur heutigen Leistungsfähigkeit geboten. Eine Auswahl von Vereinsflugzeugen kann besichtigt werden. Weil sich die Sicherheitsauflagen am Flughafen verschärft haben, ist aber kein unkontrollierter Zugang zum BVL-Fliegerturm möglich. Alle Interessierten müssen sich per E-Mail an kontakt@bvl.aero anmelden.

Zahlreiche historische Flugmodelle von Bremer Modellbauern sind am 23. und 24. Juni, jeweils von 11 bis 18 Uhr, beim Modellflugtag auf dem Flugplatz Hellwege im Landkreis Rotenburg/Wümme zu bestaunen. Die Veranstaltung läuft in Kooperation mit der Hochschule Bremen, die Modelle aus Studienarbeiten zeigt. Weitere Informationen unter www.edwm.de.

Von Bremen über den Atlantik

Am 11. und 12. August, jeweils von 10 bis 17 Uhr, wird in der Bremenhalle eine Ausstellung zum Jubiläum „80 Jahre Atlantikflug der FW 200 Condor D-ACON“ präsentiert. Das Bremer Condor-Restaurierungsteam wird Exponate und Filme zeigen und in verschiedenen Vorträgen über das in Bremen gebaute Passagierflugzeug informieren.

Am 9. September stehen bei einer Veranstaltung im Lloyd-Industriepark an der Richard-Dunkel-Straße die Geschichte des in Bremen gebauten Jets VFW 614 und des Borgward-Focke-Hubschraubers „Kolibri“ im Mittelpunkt. Der Freundeskreis der VFW 614 zeigt sowohl eine umfangreiche Dokumentation wie auch Hardware-Komponenten des Jets. Der „Kolibri“ wurde von Henrich Focke konstruiert und war der erste eigenständig in Deutschland entwickelte Hubschrauber nach dem Zweiten Weltkrieg.

Am 20. Oktober beendet eine Ausstellung und Gedenkveranstaltung „25 Jahre Werkschließungsbeschluss“ beim Verein Luftfahrt- und Technikmuseum in Lemwerder das Aktionsjahr. Der Geschichte des Flugzeugbau-Standorts Lemwerder widmet sich auch eine Schau, die vom 21. April bis 17. Juni in Bremen-Nord im Schloss Schönebeck, Im Dorfe 3-5, zu sehen ist. Das Unternehmen „Weserflug“ und seine Nachfolger am Standort Lemwerder haben einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der deutschen Nachkriegs-Luftfahrtindustrie geleistet.

Neu ist ein vom Verein „AIRbe“ initiiertes Angebot für Bremer Schulen: Auf Wunsch werden Einführungsstunden zum Thema Luftfahrt vermittelt. Es kann zwischen verschiedenen Bausteinen zum Einstieg in das Thema gewählt werden. Neben Basiswissen können auch berufliche Chancen im Bereich der Luftfahrt aufgezeigt werden, inklusive Tipps für Praktika, ein Studium oder eine Piloten-Berufsausbildung. Nähere Informationen sind per E-Mail an uwe.ruppel@airbe-bremen.de oder heinz.boetzel@airbe-bremen.de möglich.

Info

Zur Sache

Die Junkers F13 gilt als Vorfahr aller Verkehrsflugzeuge und war von 1919 bis 1932 das dominierende Flugzeug in Deutschland. Erstmals wurde eine Passagiermaschine ganz aus Metall gebaut – mit einer Wellblechhaut aus Duraluminium. Der in Dessau montierte einmotorige Tiefdecker bot vier Passagieren Platz. Der Kölner Unternehmer Dieter Morszeck kam vor einigen Jahren auf die Idee, die Legende nachbauen zu lassen. Denn es gibt zwar in Museen noch einige Exemplare der F13, aber keines davon ist noch flugfähig. Sieben Jahre vergingen, bis Morszecks Traum in Erfüllung ging und eine nachgebaute F13 mit dem Rufzeichen HB-RIM im September 2016 zu ihrem Erstflug abhob und viel Aufsehen erregte. Den Nachbau treibt ein Neun-Zylinder-Sternmotor mit 450 PS an. Ende Januar dieses Jahres erhielt die Maschine die Verkehrszulassung von der Schweizer Luftfahrtbehörde. Damit sind weitere Nachbauten des Typs möglich. Auf Anfrage sollen für finanzkräftige Kunden Einzelstücke in einer Art Manufaktur gebaut werden. Die neugegründete Junkers Flugzeugwerke AG hat ihren Sitz in Dübendorf in der Schweiz. Weitere Informationen zur Junkers F13 gibt es unter www.junkersf13.de.

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