Schüler nutzen den Kooperationspartnertag als Infobörse und Praxistest

Verblüffende Berufsvielfalt im Stadtteilhaus

Sodenmatt. Zum ersten Mal bekamen insgesamt rund 70 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Hermannsburg und Wilhelm-Wagenfeld-Werkschule die Möglichkeit, sich über Berufe in der Einrichtung zu informieren – und das sind mehr als erahnt.
03.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Verblüffende Berufsvielfalt im Stadtteilhaus
Von Ulrike Troue
Verblüffende Berufsvielfalt im Stadtteilhaus

Martin, Leonardo und Gerald haben sich entschieden, als Servierkräfte zu arbeiten. Gerald schenkte Lehrer Sebastian Holle und Brigitte Hawelka von der Bremer Heimstiftung Wein ein und danach servierten die Schüler Teigtaschen, die sie zuvor in der Küche zubereitet hatten.

Roland Scheitz

Der Besucheransturm zum Kooperationspartnertag der Bremer Heimstiftung in Huchting hat den Altersdurchschnitt im Stadtteilhaus an der Tegeler Plate beträchtlich gesenkt. Zum ersten Mal bekamen insgesamt rund 70 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Hermannsburg und Wilhelm-Wagenfeld-Werkschule die Möglichkeit, sich über Berufe in der Einrichtung zu informieren – und das sind mehr als erahnt.

„Es ist sehr anstrengend ohne Hilfe“, bekennt Roman nach dem Selbstversuch im Rollstuhl. Nach der kurzen Fahrt die Eingangsrampe hinauf muss der 14-Jährige erst einmal durchatmen. Der Schüler der 8c der Oberschule Hermannsburg hat beim Kooperationspartnertag im Stadtteilhaus Tegeler Plate außerdem gelernt, dass wichtige Regeln beim Hineinsetzen oder Herausheben von kranken oder älteren Menschen aus dem Rollstuhl zu beachten sind, um Schmerzen oder – schlimmer – gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

Roman hat an diesem Mittwochnachmittag einen Eindruck von der Verantwortung und dem Tätigkeitsfeld eines Altenpflegers bekommen – und damit eine Vorstellung von einem Berufsbild, das naheliegend für ein Wohn-, Pflege- und Dienstleistungszentrum für ältere und an Demenz erkrankte Menschen ist. Aber dass im Stadtteilhaus Huchting der Bremer Heimstiftung auch die Aufgaben- und Berufsfelder Hauswirtschaft, Alltagsbegleiter, Physiotherapeut, Erzieher, Kosmetik, Friseur, Sozialpädagogin, Nachbarschaftshelfer oder Betreuungskraft abgedeckt werden – so eine breite Palette an Berufen hätten sie nicht vermutet, bekennen viele Schülerinnen und Schüler der Oberschule Hermannsburg und Wilhelm-Wagenfeld-Werkschule.

Im Vorfeld des Besuchs hatten sie sich aussuchen dürfen, in welchen Bereich sie hineinschnuppern, worüber sie sich näher informieren und ihren Bericht schreiben wollten. Als Ansprechpartner standen den Schülerinnen und Schülern zu zwei Berufen Auszubildende im ersten Lehrjahr Rede und Antwort zu Voraussetzungen, Ausbildungsdauer und -inhalten:

Caroline Ortwerth aus Schönebeck unterstrich, dass „man flexibel und körperlich fit sein muss“ als angehende Hauswirtschafterin. Johannes Thiele, der im Haus Huchting seine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger macht, löcherten die Schüler zu Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. Die ausschlaggebenden Faktoren für den Neustädter, der nach dem Abitur zunächst studiert hat, aber waren, „dass mir die Arbeit mit Menschen liegt – und die absehbare finanzielle Absicherung.“

Das Gros der Schülerinnen und Schüler sammelte Informationen über die unterschiedlichen Berufe. „Das war etwas kurz, wir hätten gedacht, dass da mehr passiert“, bedauert Monique (14) aus Kirchhuchting. Sie hatte sich mit ihrer Freundin Marie (13) Tätigkeiten am Bett im Pflegebereich als Bereich ausgesucht, und „durfte nur Betten machen und zuhören“.

Andere Schulkameraden konnten in anderen Bereichen stärker eingespannt werden. Als Servierkräfte probieren sich zum Beispiel Leonardo, Gerald und Martin aus. Die drei Schüler tragen lange, weiße Schürzen, decken einen Tisch im Speiseraum festlich ein und müssen später den Initiatoren des diesjährigen Kooperationspartnertages Wein einschenken und Teigtaschen servieren, die sie zuvor in der Küche zubereitet haben. „Wir haben gelernt, wie Servietten gefaltet, Bestecke, Teller und Gläser richtig angeordnet werden“, erzählt Leonardo. Zum Ausprobieren ganz nett, aber als Profession kein Thema für das Trio.

In dieser Findungsphase interessant

Eliza ergeht es so ähnlich. „Ich weiß, was ich später machen will, Mediengestalterin“, verrät die 14-jährige Schülerin, die beim Jugendmigrationsdienst, als einem der Kooperationspartner der Bremer Heimstiftung am Huchtinger Standort, hineingeschnuppert hat. „Aber es war trotzdem interessant.“

Die Stippvisite im Stadtteilhaus sei ein zusätzlicher Einschub in die Praxis, sagt Andreas Spatzek, Jahrgangsleiter für die achten Klassen an der Oberschule Hermannsburg, die in der 8., 9. und 10. Klasse ein Betriebspraktikum vorsieht. „Für die achten Klassen ist die Berufsorientierung sehr wichtig, da sind die Schülerinnen und Schüler in der Findungsphase“, ergänzt Sebastian Holle als Fachlehrer für Wirtschaft, Arbeit, Technik. „Und heute können die Kids sehen, dass es im Stadtteilhaus mehr Berufsfelder gibt als nur Altenpflege.“

Auch die Bremer Heimstiftung verbucht die Premiere der Veranstaltung „Berufe im Stadtteilhaus“ als Erfolg. Alle Kooperationspartner hätten sie sich sofort bereit erklärt, den Schülern die Berufe im Stadtteilhaus Huchting vorzustellen, berichtet Brigitte Hawelka, Sozialdienstleisterin im Stadtteilhaus; und freut sich über die Unterstützung durch die Partner wie das Förderwerk, die Physiotherapiepraxis und das Mütterzentrum, das mit den „Stiftchen“ eine Kindergartengruppe im Stadtteilhaus angesiedelt hat. „Auch die Schüler wurden gut verteilt und vorbereitet“, lobt sie.

Einen positiven Eindruck vom Kooperationspartnertag nehmen übrigens auch die Bewohner des Stadtteilhauses mit. „Wir haben das ein bisschen liebevoll beobachtet“, sagt Erika Trotzke, „da war auch Herzklopfen dabei und zu sehen, dass es gar nicht so einfach ist, wenn man als junger Mensch in ein Altenheim geht.“ Die Huchtingerin, die das Damen-Kaffeekränzchen mittwochs im Stadtteilhaus besucht, erntet zustimmendes Nicken. „Das ist Leben pur hier.“

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