Pirjo Niiranen und Irmgard Wierichs stellen gemeinsam aus Verblüffende Harmonie

Bahnhofsvorstadt. Zwei Künstlerinnen, die sich selbst als extrem gegensätzlich erleben, stellen gemeinsam in der DKV-Residenz an der Contrescarpe aus. Die 50 "Menschenlandschaften" der Finnin Pirjo Niiranen und der Deutschen Irmgard Wierichs zeigen in einer verblüffenden Harmonie das Zusammenspiel vor allem stark unterschiedlicher Techniken, aber auch verschiedener Farb- und Kontrastvorlieben. Beide Frauen haben erst verhältnismäßig spät angefangen, künstlerisch zu arbeiten.
06.12.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Katharina Hirsch

Bahnhofsvorstadt. Zwei Künstlerinnen, die sich selbst als extrem gegensätzlich erleben, stellen gemeinsam in der DKV-Residenz an der Contrescarpe aus. Die 50 "Menschenlandschaften" der Finnin Pirjo Niiranen und der Deutschen Irmgard Wierichs zeigen in einer verblüffenden Harmonie das Zusammenspiel vor allem stark unterschiedlicher Techniken, aber auch verschiedener Farb- und Kontrastvorlieben. Beide Frauen haben erst verhältnismäßig spät angefangen, künstlerisch zu arbeiten.

Die dominante Farbe der Gemeinschaftsausstellung ist Rot. Leuchtendes, faszinierendes Rot. Dabei ist höchstens die Hälfte der Exponate in dieser Farbe gehalten. Es ist Irmgard Wierichs’ Rot. Die Arbeiten von Pirjo Niiranen sind sanft, neblig, wie verschleiert. Es seien "keine schönen Bilder", hat Til-man Rothermel von der Galerie Am Schwarzen Meer als Laudator das Publikum vorgewarnt. Aber das trifft nur auf die harten Striche und groben Figuren zu, die die frühere Lehrerin Irmgard Wierichs auf die Leinwand wirft, und spiegelt zumindest teilweise auch den Umgang der Künstlerin mit ihrer eigenen Arbeit wider. Pirjo Niiranen spricht mit aufrichtigem Respekt und Bewunderung über die Klarheit und eben auch der Härte ihrer Projektpartnerin der Kunst gegenüber. Ihr eigener Schaffensprozess ist, wie dann auch ihre Bilder, ein sehr sanfter. Sie wischt die Farbe auf die Leinwand, reibt und tupft sie wieder ab oder auf. Ihre Figuren lösen sich oft so vage schemenhaft aus dem Hintergrund, dass es ein Leichtes ist, sie zu übersehen. Es kann durchaus passieren, eine Weile vor der "Menschenlandschaft" zu stehen, und sich zu fragen, wo denn wohl die Menschen auf dem Bild seien. Sie sind da!

Gerade die Verbindung dieser zwei, in ihrer Arbeit so deutlich unterschiedlichen Künstlerinnen macht diese Ausstellung zu einer sehr ausgewogenen, harmonischen Präsentation. Angefangen hatte die Zusammenarbeit schon vor etwa einem Jahr mit dem Kooperationsprojekt "Kunstaustausch – Topografie Bremer Kulturen", initiiert von Almut Schwerd und Tilman Rothermel. In Bremen lebende Kunstschaffende mit fremden Wurzeln und Deutsche bildeten Paare. Damals hatte Pirjo Niiranen, die im Ostertor arbeitete, Irmgard Wierichs, die ebenfalls im Ostertor wohnt und die sie kannte, als Partnerin ausgewählt.

In der neuen Ausstellung gibt es neben eigenständig erarbeiteten, aber thematisch einander zugeordneten und sich ergänzenden Werken drei ineinander verwobene Objekte: zwei Collagen namens "Abschied", voller kleiner Zeichnungen in Bilderrahmen, und eine, die künstlerisches Vertrauen beweist: In dem Element rechts oben von "Werden und Vergehen" hat die eine (Wierichs) auf dem Grund der anderen (Niiranen) weitergearbeitet. "Wir wollen nicht nur über Integration reden", sagt Pirjo Niiranen dazu. "Wir leben es."

Die gemeinsame Ausstellung von Wierichs und Niiranen ist bis zum 28. Februar in der DKV-Residenz, Am Wandrahm 40-43, täglich von 11.30 Uhr bis 17 Uhr zu sehen. Näheres unter 3 22 90 in der DKV-Residenz oder Pirjo Niiranen, erreichbar per E-Mail über info@pirjo-niiranen.de.

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