Freimarkt auf der Kippe

Was das Verbot von Großveranstaltungen für Bremen bedeutet

Bis mindestens Oktober untersagen die Bundesländer Großveranstaltungen. Das gilt für Events, bei denen Hygieneregeln nicht möglich sind. Damit steht der Bremer Freimarkt vor dem Aus.
18.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Pascal Faltermann, Frank Büter, Christoph Bähr und Christian Valek

Großveranstaltungen bleiben bis mindestens Ende Oktober verboten. Darauf haben sich der Bund und die Länder am Mittwoch in Berlin geeinigt. Die bundesweite Regelung gilt für Veranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich sind. So steht es in einem dem WESER-KURIER vorliegenden Beschlussvorschlag des Treffens der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Damit droht in Bremen neben dem Freimarkt auch Sportereignissen, Konzerten und Kongressen eine Absage. Zur Debatte stand auch, das Verbot bis zum Ende des Jahres auszuweiten.

Werder Bremen hat für den Fall, dass bis zum Jahresende keine Zuschauer erlaubt sind, bereits Berechnungen angestellt. Dann würden dem Bundesligisten in der kommenden Saison 8,5 Millionen Euro an kalkulierten Einnahmen aus Heimspielen fehlen. Dazu würden Kompensationen für Sponsoren fällig. Man sei auf dieses Szenario vorbereitet, heißt es bei Werder. Wie genau der Dauerkartenverkauf für die nächste Saison ablaufen soll, wird noch erarbeitet.

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In der laufenden Spielzeit muss Werder für sechs Heimspiele ohne Zuschauer Rückerstattungen im mittleren einstelligen Millionenbereich tätigen. Deshalb hat der Verein seine Fans gebeten, auf Rückforderungen der ­Ticketkosten zu verzichten, und nimmt ein Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau auf, um die Zahlungsfähigkeit zu sichern. Werder und die Bundesliga hoffen darauf, dass in der kommenden Saison, die nach derzeitigem Plan im September starten soll, schrittweise wieder Zuschauer in die Stadien gelassen werden dürfen.

„Diese Regelung ist ohne jeden Zweifel sinnvoll. Was das dann für den Freimarkt bedeutet, müssen wir in den nächsten Tagen im Senat genau prüfen", sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, kommentiert Wolfgang Ahrens, Geschäftsführer des Schaustellerverbandes. Noch seien die Schausteller optimistisch, dass der Freimarkt nicht von dem Verbot betroffen ist. „Alles andere wäre eine ­Katastrophe, damit droht ganz vielen von uns das Aus“, so Ahrens. Mit Blick auf den Weihnachtsmarkt werde ihm „schummrig“.

Wenn dieser auch noch ausfalle, sei das „ein Super-GAU“. Dann helfe auch eine finanzielle Förderung kaum, weil diese das Überleben nicht sichere. Es fehle jetzt schon ein großer Teil der Einnahmen für die Marktbeschicker und Budenbetreiber. Zusammen mit der Wirtschaftsbehörde wolle man überlegen, wie der Freimarkt mit Hygienekonzept und Abstandsregeln auch wirtschaftlich funktioniere.

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Schausteller und Veranstalter konnten am Mittwochabend nicht sagen, was diese Regelung konkret für sie bedeutet. Sie fordern vielmehr klare Definitionen. „Wir brauchen eine Zahl, einen genauen Zeitraum, eine Marschroute“, sagt Andreas Adolph, Leiter der ÖVB-Arena. Es gebe bereits ein entsprechendes Konzept mit 1,5 Meter Abstand und Maskenpflicht für die ehemalige Stadthalle, um Konzerte mit 2000 Besuchern veranstalten zu können. Auftritte von Santiano (16. Oktober) oder André Rieu (22. Oktober) seien aber so gut wie ausverkauft, was 10 000 Besuchern entspreche. Diese Konzerte müssten sowieso verlegt werden.

„Nun haben wir Gewissheit darüber, womit die Konzertagenturen, Locations und örtlichen Veranstalter eh schon gerechnet haben“, sagt Olli Brock, Betreiber des Pier 2. Das große Problem sei jedoch, dass es nach wie vor keine ausreichende Gewissheit gebe, ob die Politik die Konzert- und Kreativbranche bis zum Ende der Durststrecke unterstützen möchte. „Forderungen nach langfristiger Unterstützung wurden bisher nicht erhört, obwohl diese aus meiner Sicht alternativlos ist“, so Brock, der auch an die Menschen erinnern will, die hinter der Bühne arbeiten.

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Zieht die neue Beschlusslage eine Absage des Bremen-Marathons nach sich, geplant am 4. Oktober? Man sollte Großveranstaltungen nicht über einen Kamm scheren, sondern individuell betrachten, sagt Veranstalter Utz Bertschy. Er setzt auf ein umfangreiches Hygienekonzept für die Läufer, insbesondere aber auch für die Zuschauer, um Risiken weitgehend zu minimieren.

„Wir befinden uns bereits in regem Austausch mit der Gesundheitssenatorin und dem Innensenator“, sagt ­Bertschy. Er ist zuversichtlich, dass der Bremen-Marathon, für den bisher rund 2000 Voranmeldungen vorliegen, stattfinden kann. „Dabei muss es uns aber auch gelingen, Akzeptanz in der Bevölkerung herzustellen“, sagt Utz Bertschy. Eine Entscheidung soll bis spätestens Mitte Juli endgültig vorliegen.

Die Stadt Osterholz-Scharmbeck und die Gemeinde Hagen im Bremischen haben ihre Herbstmärkte, die für September geplant waren, im Mai abgesagt. Das Hammefest (4. bis 6. September 2020) findet nicht statt, wie der Vereinsvorsitzende Michael Harjes mitteilt.

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