Nach Verdacht auf Volksverhetzung Feuerwehrmann suspendiert

Bürgermeister in Stuhr reagiert erschüttert auf Verdacht gegen Feuerwehrmann. Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm prangert Versagen an.
26.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Feuerwehrmann suspendiert
Von Eike Wienbarg

Der Bremer Feuerwehrmann, dessen Wohnung im Stuhrer Ortsteil Brinkum am Dienstag aufgrund des Verdachts auf Volksverhetzung und der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen durchsucht worden ist, ist auch Mitglied einer Ortsfeuerwehr in der Gemeinde Stuhr. Das bestätigte Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte. Er habe die Vorwürfe mit „großer Erschütterung“ aufgenommen, sagte Korte weiter. Wie bei seiner Arbeitsstelle in Bremen wurde der Beschuldigte auch in Stuhr vom Feuerwehrdienst suspendiert. Ebenfalls hat er keinen Zutritt mehr zu Einrichtungen der Feuerwehren.

Sollten sich die Vorwürfe gegen den Mann erhärten, sollen diese Konsequenzen auch nach einem Ermittlungs-, Straf- oder Disziplinarverfahren beibehalten werden – egal, ob die möglichen Straftatbestände bereits verjährt sind oder nicht, wie Stuhrs Bürgermeister betonte. „Die Vorwürfe stehen im krassen Widerspruch zum Selbstverständnis der Feuerwehr“, sagte Korte. Gemeinsam mit den Ortsbrandmeistern will die Gemeinde jetzt das weitere Vorgehen besprechen. Derzeit gebe es „keine Hinweise“ auf mögliche weitere Fälle im Umfeld der Stuhrer Freiwilligen Feuerwehren, so Stephan Korte.

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) hat die Entwicklung bei der Bremer Feuerwehr „mit großer Bestürzung verfolgt“, wie es in einer Mitteilung heißt. Das Ausmaß und die Ernsthaftigkeit der Vorwürfe ließen mutmaßliche strukturelle Defizite im Umgang mit rassistischen und sexistischen Handlungen innerhalb der Feuerwehr Bremen befürchten. „Wie diese sich über so lange Zeit unentdeckt etablieren konnten, erschließt sich uns hierbei nicht“, schreibt die DFeuG weiter. Die Vorfälle würden aufzeigen, dass effektive Kontroll- und Warnsysteme etabliert werden müssen, um Rassismus, Sexismus oder Diskriminierungen jeglicher Art im Keim zu ersticken.

Auch Bettina Wilhelm äußerte sich als Landesfrauenbeauftragten zu den Vorfällen. „Dass Frauen bei der Bremer Feuerwehr keinen einfachen Stand haben, ist lange bekannt“, erklärte sie. Dass es jedoch Drohungen und Übergriffe in dem jetzt bekannten Ausmaß gebe und diese offenbar jahrelang geschehen konnten, erschrecke sie zutiefst. „Hier liegt offenkundig ein großes institutionelles Versagen vor. Die Schilderungen der Feuerwehrfrau aus der Bremen-Norder Wache deuten auf ein von falsch verstandenem Korpsgeist geprägtes Klima hin, das die Herabwürdigung von Frauen, Homosexuellen und Menschen mit Migrationshintergrund offenbar nicht nur toleriert, sondern fördert und gutheißt.“

Die Verdi-Fachgruppe Feuerwehr Niedersachsen/Bremen erwartet eine vorbehaltlose Aufklärung. „Wir positionieren uns eindeutig gegen Diskriminierung, Nationalismus, Rassismus Extremismus und Antisemitismus. Die vorbehaltlos allen Menschen dienende Arbeit der Feuerwehr darf nicht durch das Verhalten einiger weniger diskreditiert werden“, heißt es in einer Mitteilung.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+