Prozess um Raubüberfall auf Ehepaar

Verdächtiger klingelt bei Vize-Polizeichef

Es hätte Geständnisse geben können, am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar in Oberneuland. Doch das Trio verweigert weiter die Aussage.
20.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Verdächtiger klingelt bei Vize-Polizeichef
Von Ralf Michel
Verdächtiger klingelt bei Vize-Polizeichef

Das Versteckspiel geht weiter. Auch am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar in Oberneuland machten die Angeklagten von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Christina Kuhaupt

Es hätte Geständnisse geben können, Freitag, am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar in Oberneuland. Zumindest hatten Richter und Staatsanwalt dies den drei Angeklagten beim Prozessauftakt vor dem Landgericht nahegelegt. Doch das Trio verweigert weiter die Aussage. Wie eng es zumindest für einen der drei Angeklagten wird, lässt ein kurioses Detail aus der Ermittlungsarbeit der Polizei erahnen.

Der Hauptvorwurf der Staatsanwaltschaft gegen die drei Angeklagten lautet, im Mai dieses Jahres ein Ehepaar in deren Haus überfallen und ausgeraubt zu haben. In der Anklageschrift tauchen aber auch noch andere Delikte auf, die einer oder mehrere der Männer begangen haben sollen. So gab es unter anderem Hinweise darauf, dass ein weiteres Haus für einen Einbruch ausgespäht werden sollte.

Sehr konkrete Hinweise – denn wer als mutmaßlicher Täter ausgerechnet an der Tür von Bremens Polizeivizepräsident Dirk Fasse klingelt, muss damit leben, dass dessen Zeugenaussage überaus präzise Angaben enthält, etwa über das Kennzeichen des Wagens, mit dem zuvor das Terrain sondiert worden war.

Falscher Paketbote

All dies wurde in der Verhandlung am Freitag aber nur angedeutet. Vorerst blieb es bei der Zeugenaussage der leitenden Ermittlungsbeamtin der Polizei, die einen groben Überblick über den Verlauf des Geschehens gab. Die Polizistin schilderte zum einen, wie der Überfall auf das Ehepaar vonstatten ging, zum anderen, wie man den Angeklagten auf die Spur kam.

Demnach stand am 23. Mai gegen 9 Uhr ein Mann in der Uniform eines Paketboten vor der Haustür des Ehepaars. Er habe eine Lieferung für den Ehemann, soll er gesagt haben. Die Frau öffnete arglos die Tür, wurde sofort ins Haus und zu Boden gedrängt und mit einem Messer bedroht. Ein zweiter, maskierter Mann folgte dem angeblichen Paketboten, stürzte in die erste Etage des Hauses und bedrohte den noch im Bett liegenden Hausbesitzer mit einer Waffe.

Das Ehepaar wurde zur Herausgabe von Bargeld und mehreren EC-Karten gezwungen. Auch die PIN-Nummern der Karten brachten die Täter in Erfahrung, indem sie damit drohten, dass einer von ihnen so lange im Haus bleiben würde, bis der andere am Geldautomaten überprüft hatte, ob ihnen die richtigen Nummern genannt worden waren. Tatsächlich verließen die beiden Männer gemeinsam das Haus, nachdem sie ihre Opfer gefesselt im Keller des Hauses eingesperrt hatten. An einem Geldautomaten in Bremen wurden wenig später insgesamt 2495 Euro von den Konten des Paares abgehoben.

Wesentlich zur Festnahme des Trios trug ein anderes Verbrechen bei, das jetzt die Kriminalpolizei Oldenburg beschäftigt. Bereits im April hatte es einen schweren Raub in Dänemark gegeben, auch hier war das Opfer ein älteres Ehepaar. Beschuldigt wurde in diesem Fall unter anderem der Bruder eines der drei Angeklagten in Bremen. Im Zuge der Oldenburger Ermittlungen gab es Hinweise und Zeugenaussagen zu weiteren Straftaten, die die Polizei schließlich auf die Spur des Bremer Trios brachte. Einer der drei Männer steht inzwischen auch in Oldenburg vor Gericht.

Akten auf 1,2 Gigabyte

Besondere Bedeutung kommt in dieser Gemengelage einem Zeugen im Oldenburger Verfahren zu, der offenkundig einen oder mehrere der Bremer Angeklagten belastet. Deren Verteidiger nehmen dies zum Anlass, ihren Mandanten weiterhin zu raten, sich nicht zu den Vorwürfen zu äußern. Erst wolle man die Akten aus Oldenburg lesen. Weil die aber 1,2 Gigabyte auf einer Diskette ausmachen, wird es damit noch etwas dauern. Mindestens bis zum 5. Januar, dem nächsten Verhandlungstermin. An diesem Tag sollte auch das überfallene Ehepaar als Zeugen gehört werden, doch dessen Vernehmung wurde auf einen späteren Termin verschoben.

Stattdessen soll den Angeklagten am 5. Januar noch einmal die Chance gegeben werden, mit einem Geständnis reinen Tisch zu machen, erklärte der Vorsitzende Richter Thorsten Prange. Er betonte, dass ein Geständnis bei der Strafzumessung vor allem dann ins Gewicht falle, wenn es den Opfern eine umfangreiche Vernehmung vor Gericht erspare. Zugleich gab Prange den Angeklagten aber auch mit auf den Weg, dass „wir Ihnen jetzt nicht von Verhandlungstag zu Verhandlungstag hinterherbetteln werden“.

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