Von Awo bis Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe Vereine vermissen Christian Weber

Der verstorbene Bürgerschaftspräsident Christian Weber hat sich in vielen Vereinen und Stiftungen engagiert. Egal ob Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe oder Arbeiterwohlfahrt – allen fehlt Webers Engagement.
02.03.2019, 18:48
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Vereine vermissen Christian Weber
Von Lisa Schröder

Die Tage des Abschieds haben es ausdrücklich gezeigt. Christian Weber wird nach seinem Tod nicht nur als Präsident der Bremischen Bürgerschaft fehlen. In zahlreichen Vereinen und Stiftungen hat sich der Sozialdemokrat engagiert: ob als Schirmherr des Vereins Freiheit für die Westsahara oder als Förderer der Arbeiterwohlfahrt Bremen. Weber, der am 12. Februar im Alter von 72 Jahren nach langer Krankheit gestorben war, hatte sich allein bei der Awo mehr als vier Jahrzehnte als Mitglied engagiert.

Überhaupt blieb er oft lange Zeit als Unterstützer. Für die Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe war er fast zwanzig Jahre Vorstandsvorsitzender. Dabei konnte er Türen öffnen, sagt Arnold Knigge, Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation. „Wir hatten mit Christian Weber einen sehr engagierten Mitstreiter.“ Weber habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass zum Bürgermahl im Bremer Rathaus Ehrengäste wie Altbundeskanzler Gerhard Schröder, die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth oder der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck kamen. Und er habe Gäste eingeladen, die Spenden für die Bürgerhilfe brachten. „Das war sehr segensreich. Das wird uns fehlen“, sagt Knigge.

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Christian Weber, das habe ihn besonders ausgezeichnet, habe zudem immer wieder vorangetrieben, sich vor Ort anzuschauen, wo das Geld am Ende ankomme: etwa bei Projekten für Kinder und Jugendliche. Großen Wert habe er darauf gelegt, Unternehmerpersönlichkeiten für das Kuratorium der Bürgerhilfe zu gewinnen. Diese unterstützt soziale Projekte unter dem Motto „Bremer helfen Bremern“.

Ein Mensch, der immer wusste worum es ging

„Er war für uns ein ganz toller Chef und auch ein guter Freund“, sagt Ines Henkel, Geschäftsführerin des Bremer Turnverbands über Christian Weber. Seit mehr als zehn Jahren war er, der in seiner Jugend selbst turnte, Präsident des Verbands. Weber sei ein Mensch gewesen, der sich immer eingearbeitet habe, immer gewusst habe, worum es ging. „Das war erstaunlich bei seinem Wust an Aufgaben.“ Diplomatisch und lösungsorientiert habe sie Weber erlebt, auf Landesebene ebenso wie auf Bundesebene.

Es sei ein ganz großes Glück gewesen, ihn als Präsident zu haben. „Er hat an der Sache gearbeitet und wollte nichts nur darstellen. Das hatte er gar nicht nötig.“ Wegen seiner Krankheit wollte er sein Amt als Präsident des Turnverbands in diesem Jahr zur Verfügung stellen. Darum stand schon fest, dass im Juni ein Nachfolger übernimmt. Henkel wollte Weber im Scherz überzeugen, sich doch dagegen besser ein bisschen weniger in der Bürgerschaft einzubringen. „Doch das konnte er nicht. Das war sein Leben.“

In die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) in Bremen trat Christian Weber 2001 bald nach der Übernahme des Präsidentenamts als Mitglied ein, sagt der Vorsitzende Hermann Kuhn, der auch Landesvorsitzender der Grünen ist. Weber sei kein aktives Mitglied gewesen und habe keine Funktion gehabt, aber er habe sich zusammen mit der DIG immer wieder für gemeinsame Anliegen eingesetzt. Selbst reiste Weber mehrmals in Bremens Partnerstadt Haifa. Gegen Antisemitismus habe Weber stets klar Haltung gezeigt, sagt Kuhn, er sei dann immer zur Stelle gewesen. „Er war für uns ein Ansprechpartner, auf den wir uns verlassen konnten.“

Weber mit Unterstützung für Takla Stiftung

Chawkat Takla hat den Bürgerschaftspräsidenten seit vielen Jahren gekannt – nicht nur wegen seines Amts als Honorarkonsul für Syrien in Niedersachsen und Bremen. Denn Weber unterstütze auch die Takla Stiftung schon bei der Gründung. Diese setzt sich seit 2017 für zeitgenössische syrische Kunst und Kultur ein sowie für humanitäre Hilfe für bedürftige Familien. „Als wir Christian Weber gefragt haben, ob er Vorsitzender des Verwaltungsrats der Stiftung sein möchte, hat er eigentlich sofort ja gesagt.“

Am 2. April wollte Christian Weber in der Bremischen Bürgerschaft die Ausstellung der Stiftung „Zeitgenössische Kunst in Syrien“ eröffnen. Dabei werden Werke von sieben Künstlern, die in Syrien leben und arbeiten, erstmals in Deutschland gezeigt. Weber sollte die Begrüßungsrede übernehmen. „Jetzt ist er schon von uns gegangen“, sagt Stifter und Vorstandsvorsitzender Takla. Auf Webers Initiative hin ist die Ausstellung im Parlamentsgebäude zu sehen. Wer seinen Platz einnimmt, mit dieser Entscheidung will sich die Stiftung noch Zeit lassen. „Christian Weber hat uns immer mit Rat und Tat unterstützt. Ich frage mich, woher er die Kraft genommen hat."

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Die Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe will die Bürgerschaftswahl im Mai abwarten und Christian Webers Nachfolger oder Nachfolgerin um die Übernahme der Aufgabe bitten. Es sei schwierig, schon jetzt über die Wiederbesetzung zu sprechen, sagt Vorstand Arnold Knigge. „Es braucht Zeit, um damit fertig zu werden.“ Für ihn steht fest, dass auch das Denkmal für Wilhelm Kaisen immer mit dem Namen Christian Weber verbunden sein wird.

Für das Bronze-Kunstwerk, das seit Mai 2012 unter den Kastanien an der Ecke Am Wall/Herdentor steht, sei der Vorstandsvorsitzende „Klinken putzen gegangen“. Zudem habe Weber das Bremer Loch gefördert, die unterirdische Spendenbüchse auf dem Marktplatz, die bei Geldeinwurf die Laute der Stadtmusikanten erklingen lässt. „Wir werden ihn sehr vermissen. Das ist keine Frage.“

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