Erotikspielzeug-Gutscheine bei Tombola

Verführerische Preise bei der Bürgerpark-Tombola

Um weiterhin attraktiv zu bleiben, erfindet die Bürgerpark-Tombola sich und ihre Gewinne immer wieder neu – und setzt dabei auf Bremens junge Firmen. Nicht immer ohne Verwunderung der Gewinner.
14.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Verführerische Preise bei der Bürgerpark-Tombola
Von Nico Schnurr

Um weiterhin attraktiv zu bleiben, erfindet die Bürgerpark-Tombola sich und ihre Gewinne immer wieder neu – und setzt dabei auf Bremens junge Firmen. Nicht immer ohne Verwunderung der Gewinner.

Riccarda von Speulda war überrascht. Seit rund 50 Jahren schon macht die Bremerin bei der Bürgerpark-Tombola mit, jedes Jahr aufs Neue. Immer mal wieder hatte die Seniorin etwas gewonnen, über die roten Socken mit dem Bremer Wappen freute sie sich immer ganz besonders. Oder über die Gutscheine für Museen- oder Sauna-Besuche. Einen Gutschein gewann sie auch in diesem Jahr. Nur zuordnen konnte sie ihn nicht.

Ein wenig ratlos musterte sie das bunte Mäppchen in ihren Händen. Die Form erinnerte die Seniorin an eine Kosmetiktasche, dazu die Aufschrift: „Fun Factory“. „Fun“, daran glaubte sich von Speulda vage zu erinnern, das heiße doch so viel wie Spaß oder Spiel. Ein Spielegutschein für die Enkel also?

Der etwas andere Gutschein

Nicht ganz, brachte ihr der Mitarbeiter in der Losbude bei. Erst, als ihr der 18-Jährige erklärte, dass er den Gutschein noch vor gar nicht allzu langer Zeit nicht selbst hätte einlösen können, wurde der Seniorin einiges klar. Sie hatte einen Gutschein von einem der größten europäischen Hersteller für Erotikspielzeug gewonnen. „Da habe erst ich einmal schrecklich gelacht“, sagt von Speulda.

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Dietmar Hoppe kennt solche Reaktionen zur Genüge. Seit über zehn Jahren ist Hoppe Geschäftsführer der Bürgerpark-Tombola. Andere zu überraschen, um Gutes zu tun, das ist sein Job. Meistens gelingt ihm das ziemlich gut. Doch es gebe Ausnahmen. „Inzwischen gibt es kaum mehr Reaktionen auf Gewinne, die mich überraschen“, sagt er.

Hoppe kann einige Geschichten erzählen von glücklichen Gewinnern, die gar nicht einmal so glücklich waren. Von Gewinnern, die plötzlich gar keine Gewinner mehr sein wollten. Von Gewinnern, die eine Kreuzfahrt gewonnen hatten, aber unter keinen Umständen ein Schiff betreten wollten.

Gewinne für die breite Masse

So etwas versucht Hoppe zu vermeiden. Die Gewinne zielten deshalb immer auf die breite Masse ab. Erst, was vielen Bremern gefällt, kommt für seine Tombola infrage. Die Gewinne sollen ein Anreiz sein, ein starkes, verführerisches Argument. Eines, dem sich möglichst wenig Bremer entziehen können.

Immer dann, wenn das Versprechen, Grünanlagen zu erhalten, allein nicht genügt, kommen sie ins Spiel. Will die Tombola attraktiv bleiben für die Bremer, muss das auch für ihre Preise gelten. Hoppe weiß das. Um weiter zu überraschen, unterzieht er die Tombola deshalb einem ständigen Wandel.

„Das alte Klischee, dass die Bremer bei uns nur Ketchup und Mehl gewinnen, trifft schon lange nicht mehr zu“, sagt er. Natürlich seien Saucen und Süßigkeiten nach wie vor schon so etwas wie Klassiker der kleinen Gewinne. „Aber auch hier bemühen wir uns um Variation und Wandel“, sagt Hoppe. „Wir wollen Trends aufgreifen.“

„Umso bremischer, desto besser“

Aus Ketchup wird deshalb Pesto, aus banalen Bonbons Bremer Babbeler. Die Bürgerpark-Tombola will modern sein – und trotzdem bremisch bleiben. Ob beim E-Bike, Bier oder Boxspringbett – „generell gilt: umso bremischer, desto besser“, betont Hoppe.

Neuerdings versucht Hoppe deshalb auch, vermehrt Bremer Start-ups für den guten Zweck zu gewinnen. Das gebe der Palette an Preisen eine individuelle, bremische Handschrift, glaubt er. Hoppe weiß, dass er besonders bei den Bremer Start-ups nicht nur mit dem Erhalt des Bürgerparks punkten kann. „Wir sind für junge Bremer Unternehmer besonders reizvoll“, sagt der Tombola-Geschäftsführer.

Mit den Vitrinen und den Standorten im Bereich Innenstadt biete die Tombola „die perfekte Werbeplattform“. Wer neue Produkte auf den Bremer Markt bringen wolle, sei bei ihm genau richtig, sagt Hoppe.

Viele junge Unternehmen sind dabei

Auch in diesem Jahr hat er junge Unternehmen überzeugen können. Manche von ihnen brauen in Bremen ihr eigenes Craft-Bier, manche kreieren neue Chilisaucen. Oder aber sie produzieren Erotikspielzeug, so wie die Fun Factory. Am Hohentorshafen stellt das Bremer Unternehmen Dildos, Vibratoren und anderes Sex-Spielzeug her.

Als Startup geht Fun Factory zwar nicht mehr durch, das Unternehmen wurde schon vor über 20 Jahren gegründet. Bei der Tombola ist es in diesem Jahr trotzdem zum ersten Mal dabei – „um eine Bremer Institution zu unterstützen, um in der Stadt präsent zu sein, um Bremen und die Welt ein kleines bisschen bunter zu machen“, erklärt Firmen-Sprecherin Kristy Stahlberg. Die ersten Tombola-Gutscheine seien auch schon eingelöst worden, sagt sie.

Auch Riccarda von Speulda will sich aufmachen ins Steintor, zum Laden des Erotikherstellers. Sie hat sich arrangiert mit ihrem Gewinn, abgefunden damit, dass es in diesem Jahr zumindest vorerst keine neuen roten Socken gibt. Auch ihre Verwunderung hat sie inzwischen ein wenig abgelegt.

Behalten will die Seniorin den Gutschein trotzdem nicht. Sie will ihn an der Kasse des Geschäfts abgeben. Er soll den nächsten Kunden gutgeschrieben werden. „Die haben da sicher mehr von als ich“, sagt von Speulda. Sie kann darüber lachen. Verführerische Preise sind für sie zweitrangig. „Was am Ende zählt“, sagt sie, „das ist die gute Sache.“

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