Bremer Zeitschrift der Straße Verkäufer und Helfer gesucht

Bremen. In der "Zeitschrift der Straße" schreiben Bremer Studierende über die eher unbekannten Seiten der Stadt. Um das mehrfach ausgezeichnete Projekt bekannter zu machen, sucht die Redaktion weitere Verkäufer.
03.07.2013, 09:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann

Bremen. Versteckte Orte und verborgene Geschichten – die „Zeitschrift der Straße“ aus Bremen widmet sich den eher unbekannten Seiten der Stadt. Nach zwei erfolgreichen Jahren möchte die Zeitschrift, die auch ein soziales Projekt ist, weiter wachsen und mehr Leser erreichen.

Die „Zeitschrift der Straße“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschule für Künste (HfK) und der Diakonie Bremen. Seit Februar 2011 erscheint sie regelmäßig alle zwei Monate und widmet sich stets einer Straße in Bremen. So entsteht ein literarischer Reiseführer durch die Kleinode der Stadt. Vertrieben wird die Zeitschrift von Straßenverkäufern, die sich auf diese Weise ein wenig Geld hinzuverdienen können, ein Euro pro verkaufter Ausgabe geht an den Verkäufer.

Trotzdem hakt es an dieser Stelle noch ein wenig. „Wir könnten noch deutlich mehr Zeitschriften verkaufen“, sagt Chefredakteur Armin Simon. Zwar ist die Resonanz sehr positiv – unter anderem wurde die Zeitschrift mit einem Designpreis des New Yorker „Type Director Clubs“ ausgezeichnet –, doch fehlt es an Verkäufern.

Keine Obdachlosenzeitung

Eine Ursache ist nach Einschätzung des Chefredakteurs die öffentliche Wahrnehmung des Produkts: „Wir kämpfen momentan ein wenig damit, dass wir als Obdachlosenzeitung wahrgenommen werden.“ Dabei könnte jeder, der Interesse habe, die Zeitschrift verkaufen. „Das Projekt ist für Menschen gedacht, die sich etwas Einkommen hinzuverdienen möchten und beschränkt sich nicht auf Wohnungslose“, stellt Simon klar.

Im Vertriebsbüro der „Zeitschrift der Straße“ arbeitet Reinhard Spöring aus Findorff. Der ehrenamtliche Mitarbeiter der Inneren Mission ist nah dran an den Verkäufern. „Zu Beginn des Projekts hatten wir den Fokus auf Wohnungslose gelegt, um ihnen ein wenig Struktur zu geben. Aber wir mussten feststellen, dass viele potenzielle Verkäufer die Befürchtung hatten, als Bedürftige und Wohnungslose stigmatisiert zu werden.“

Einige hätten sogar von Beschimpfungen und Beleidigungen berichtet, sagt Reinhard Spöring. „Rumänische und bulgarische Verkäufer wurden etwa als Zigeuner, andere als Junkies oder Penner beschimpft.“ Auf der anderen Seite bekämen die Verkäufer aber auch viele Mut machende Rückmeldungen. „Viele Verkäufer haben es sogar geschafft, eine Stammkundschaft aufzubauen und haben ein großes Angebot der „Zeitschrift für die Straße“ ausliegen“, sagt Spöring.

Leser reagieren positiv

Dass die Zeitschrift mit einer Auflage von 13 000 Ausgaben so gut angenommen wird, liege auch an der für Bremen einzigartigen Themenauswahl und dem Gespür für Geschichten, so die Macher. „Unsere Leserreaktionen sind überwiegend positiv“, sagt Simon. „Oft hören wir: Ich lebe schon seit zehn Jahren hier, aber ich hätte nie gedacht, dass man so eine Geschichte hier findet.“

Die Artikel, Gedichte und Kurzgeschichten zu Straßen und Orten werden von Studenten der Hochschule Bremen und der Hochschule für Künste entwickelt, Leiter der Arbeitsgruppe ist Chefredakteur Simon. Die Arbeit mit Studenten habe Vor- und Nachteile: „Mit den wechselnden Studenten kommen auch immer neue Ideen, auf der anderen Seite muss man aber auch jedes Jahr alles neu vermitteln und natürlich auch für Kontinuität sorgen.“

Für die Zukunft setzt Simon auf eine stetige Weiterentwicklung. „Wir wollen uns noch stärker in der Stadt etablieren und nicht mehr als Obdachlosenzeitung wahrgenommen werden“, sagt Simon. Dafür werde als erster Schritt ein Büro in der Stadtmitte gesucht.

Darüber hinaus soll es auch inhaltliche Veränderungen geben, sodass auch die Verkäufer in der Zeitschrift Texte und Artikel veröffentlichen können. „Dafür wollen wir ein Format für kürzere Texte entwickeln, damit die Einstiegshürde nicht so hoch ist“, sagt Simon.

Die „Zeitschrift der Straße“ ist auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern in den Bereichen Vertrieb und Anzeigen. Interessierte wenden sich an den Verein für Innere Mission unter der Telefonnummer 0421/3070481.

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