Anwohner der Bürgerweide sind genervt

Verkehr in Bremen-Findorff: "Grenzen des Zumutbaren überschritten"

Bei Veranstaltungen wie Freimarkt, Osterwiese, aber auch bei Messeevents suchen zahlreiche Autofahrer in den umliegenden Wohnquartieren nach Parkplätzen. Der Findorffer Beirat fordert darum ein Verkehrskonzept.
25.11.2018, 21:14
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Von Anke Velten
Verkehr in Bremen-Findorff: "Grenzen des Zumutbaren überschritten"

Massiver Parksuchverkehr drängt bei Veranstaltungen auf der Bürgerweide und in der Messe in die angrenzen Wohnquartiere.

Roland Scheitz

Die Verkehrssituation in den Straßen am Rande der Bürgerweide treibt Bewohner und Findorffer Stadtteilpolitik bereits seit Jahren um. Nach den Erfahrungen der diesjährigen Freimarktswochen sind sich alle Beteiligten einig: So, wie es war, kann es nicht bleiben. Die Beiratsfraktionen von SPD und Grünen haben Anträge eingebracht, die übereinstimmend ein Park- und Verkehrskonzept fordern, das nicht nur in der Zeit von Freimarkt und Osterwiese den Druck aus dem Quartier nimmt. Mehr Druck soll vielmehr auf Senat und andere Akteure ausgeübt werden, gemeinsam Lösungen für die Anwohner zu finden, deren Straßen vollgeparkt werden. Das Thema steht auf der Tagesordnung der Findorffer Beiratssitzung am Dienstag, 27. November, 19 Uhr, in der Grundschule an der Admiralstraße, Winterstraße 20.

Dass der Freimarkt für die meisten Menschen ein großes Vergnügen und auch ein unverzichtbarer Wirtschafts- und Standortfaktor für die Stadt ist, daran lassen die Findorffer Grünen in ihrem Antrag keinen Zweifel. Seit jeher erduldeten die Bewohnerinnen und Bewohner der angrenzenden Wohnstraßen die erheblichen Belastungen durch den motorisierten Verkehr.

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Doch in diesem Jahr „wurden die Grenzen des Zumutbaren überschritten“, heißt es weiter. „Gerade an den Wochenenden und am Feiertag fluteten die PKW der vielen Besucher den Stadtteil und auch den benachbarten Bürgerpark. Geparkt wurde hier unter anderem auch auf den für den Autoverkehr gesperrten Spazierwegen. In den angrenzenden Quartieren fuhren die Besucherfahrzeuge massenhaft in die engen Wohnstraßen und parkten dort häufig verbotswidrig.“ Absperrungen und die Schilder, die die Einfahrt nur für Anlieger gestatteten, seien ignoriert, Bürgersteige, Kreuzungs- und Einfahrtsbereiche so zugestellt worden, dass sich Fußgänger und vor allem Menschen mit Mobilitätshilfen nicht mehr frei bewegen konnten. Die Situation sei nicht nur für Anwohner und Freimarktbesucher unzumutbar, sondern stelle auch ein erhebliches Sicherheitsproblem dar, weil Polizei und Feuerwehr die Durchfahrt im Notfall blockiert werde, mahnen die Grünen.

Probleme nicht nur beim Freimarkt

Als Konsequenz fordern sie die beteiligten Senatsressorts und Ämter auf, gemeinsam ein neues Verkehrskonzept für Osterwiese und Freimarkt zu erarbeiten und umzusetzen. Erforderlich sei des weiteren die massive Verstärkung von Verkehrskontrollen und die konsequente Ahndung von Verstößen. Konkret fordern die Grünen verkehrslenkende Maßnahmen wie die Umkehrung von Einbahnstraßen, auf die das Amt für Straßen und Verkehr in diesem Jahr verzichtet hatte, sowie die temporäre Sperrung von Wohnstraßen für auswärtige Fahrzeuge.

Deutlich zu verbessern sind nach Ansicht der Grünen schließlich Maßnahmen, die die Festgäste zur Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Park-&-Ride-Flächen zu motivieren. Mit ähnlichen Argumenten und ähnlichen Forderungen hatte bereits Anfang November die Bürgerschafts-Fraktion der Grünen den Senat aufgefordert, bis zum Frühjahr 2019 ein Verkehrskonzept für die Bürgerweide vorzulegen. Zusätzlich fordern die Grünen, dass der Bürgerpark künftig durch eine effektive Sperrung von potenziellen Zufahrtswegen geschützt werden soll und das Parken entlang des unbefestigten Uferbereichs am Torfkanal durch Poller verhindert wird.

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Auch für die Findorffer SPD ist in diesem Jahr „eine Grenze überschritten“ und eine „nicht hinnehmbare Situation“ geschaffen worden, die zum sofortigen Handeln auffordere. In ihrem Antrag weisen die Sozialdemokraten darauf hin, dass das Problem längst nicht mehr auf die Jahrmarktzeiten beschränkt sei, sondern sich ganzjährig eine „massive Dauerbelastung durch Parksuchverkehre“ entwickelt habe.

Begründet sei dies vor allem durch die Tatsache, dass der Messebetrieb - „erfreulicherweise“ – immens zugenommen habe. Zu Buche schlügen aber auch die motorisierten Gäste der diversen Hotels, die sich in den vergangenen Jahren rund um die Bürgerweide angesiedelt hätten. Als Lösungsvorschläge bieten sich laut SPD unter anderem Park-&-Ride-Konzepte sowie eine bessere Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs an. Diskutiert werden müsse auch über den Ausbau von Parkmöglichkeiten im Umfeld der Bürgerweide und der Plantage.

Alle Akteure müssen ihr Handeln miteinander abstimmen

Allerdings sei die komplexe Problematik nur lösbar durch ein „abgestimmtes Handeln aller Akteure“, betont der SPD-Antrag. Die Findorffer Sozialdemokraten plädieren daher für die unverzügliche Einrichtung eines übergreifenden Arbeitskreises „Verkehrskonzept Bürgerweideviertel“. Der Arbeitskreis soll laut SPD gebildet werden von Vertretern der Senatsressorts für Wirtschaft, Verkehr und Inneres, der Brepark, der Messegesellschaft, der Bremer Straßenbahn AG, der SWB sowie der Anwohnerschaft.

Aus eigenen Mitteln wird der Findorffer Beirat kleinere Maßnahmen für das Quartier umsetzen. Die Mitglieder des Bauausschusses haben sich darauf verständigt, in Abstimmung mit den Anwohnern an neuralgischen Stellen Poller und Fahrradbügel anzubringen. Die Maßnahmen sollen in der nächsten Bauausschusssitzung im Januar besprochen werden. Doch für Ausschusssprecherin Hille Brünjes (SPD) ist klar, dass die Stadt die Verantwortung mittragen muss: „Wir können uns nicht alleine darum kümmern, wie die Situation verbessert werden kann.“

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