Kinderhilfsorganisationen haben 2013 das Nachsehen

Verlierer im Spendenwettstreit

Berlin/Bremen. Die Spendenbereitschaft ist in diesem Jahr hoch. Kinderhilfsorganisationen beklagen allerdings ein Spendenminus.
05.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Verlierer im Spendenwettstreit
Von Alexander Pitz
Verlierer im Spendenwettstreit
Stevie Schulze

Die Spendenbereitschaft ist in diesem Jahr hoch. Vor allem die Flutkatastrophe im Sommer und der Taifun auf den Philippinen treiben die Einnahmen von Hilfsorganisationen in die Höhe. Doch davon profitieren nicht alle. Kinderhilfsorganisationen beklagen ein Spendenminus.

Adventszeit ist Spendenzeit. Wohltätigkeitsvereine und Hilfsorganisationen nehmen in diesen Wochen einen Großteil ihres Geldes ein. Doch schon jetzt steht fest, wer im Spendenwettstreit 2013 zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern gehört. Der Deutsche Spendenrat, ein Dachverband gemeinnütziger Organisationen, kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass von Januar bis August wesentlich mehr Geld als sonst in die Katastrophenhilfe geflossen ist. Der Anteil verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr von neun auf 18 Prozent. Grund: Die Hochwasserkatastrophe in Deutschland. Wegen des verheerenden Taifuns auf den Philippinen, der Anfang November ganze Landstriche verwüstete, ist das Spendenaufkommen zudem nach wie vor hoch. „Wir werden im Vergleich zum Vorjahr deutliche Zuwächse verzeichnen“, sagt Dieter Schütz, Presssprecher des Deutschen Roten Kreuzes, das sich sowohl in Deutschland als auch weltweit in der Katastrophenhilfe engagiert. Beim Hilfswerk Caritas International ist die Lage ähnlich. „Wir verzeichnen zurzeit sehr viele Spenden“, sagt Pressesprecher Stephan Günther.

Nach einer Prognose des Spendenrats könnte das Spendenaufkommen von Privatpersonen in Deutschland in diesem Jahr bei insgesamt 4,6 Milliarden Euro liegen. 2012 lag es bei rund 4,2 Milliarden Euro.

Doch nicht alle gemeinnützigen Organisationen profitieren von der hohen Spendenbereitschaft der Deutschen. Der Anteil im Bereich Kinderhilfe schrumpfte von Januar bis August im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel. „Das macht sich bei uns deutlich bemerkbar“, klagt Uwe Kamp, Sprecher des Deutschen Kinderhilfswerks. Im Sommer habe die Flut im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden, nun interessierten sich die Leute vor allem für die Philippinen. Für das Kinderhilfswerk ein Problem: „Wenn wir weniger Geld einnehmen, können wir künftig weniger Hilfsprojekte anbieten“, sagt Kamp. Das könne auch Vorhaben in Bremen und Niedersachsen betreffen.

Probleme beim Kinderschutzbund

Beim Deutschen Kinderschutzbund klagt man ebenfalls über Geldprobleme. „Die Spenden gehen komplett an uns vorbei“, sagt Johannes Schmidt, Vorsitzender des niedersächsischen Kinderschutzbunds, für den sich etwa 2500 ehrenamtliche Helfer engagieren. Normalerweise könne er pro Jahr bis zu 20000 Euro verbuchen, 2013 seien es bislang gerade einmal rund 5000 Euro. „Das gefährdet unsere bestehenden Projekte“, so Schmidt. Der Landesverband beteilige sich zum Beispiel an einem Kinder- und Jugendtelefon, das Betroffenen bei Konflikten aller Art kostenlose und anonyme Beratung biete. „So etwas kostet natürlich Geld“, gibt der Landesvorsitzende zu bedenken. Die Kreis- und Ortsverbände benötigten ebenfalls Spenden, um notleidende Kinder mit Essen oder Kleidung zu versorgen. Schmidt ruft potenzielle Spender dazu auf, nicht nur auf die Naturkatastrophen in aller Welt zu blicken. Auch in der eigenen Nachbarschaft gebe es Not.

Andreas Bröcher, Geschäftsführer des Bremer Kinderschutzbunds, wird wie die niedersächsischen Kollegen von Geldsorgen geplagt. Ihm fehlen in diesem Jahr noch 13000 Euro, um den Finanzbedarf zu decken. „Viele Leute geben ihr Geld lieber für die Katastrophenhilfe aus. Das ist ein Dilemma“, sagt Bröcher. Aufgeben wird er aber nicht. Auf dem Bremer Weihnachtsmarkt will der Geschäftsführer nun selbst mit der Sammeldose um Spenden bitten.

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