Versteckte Gefahr Legionellen Vermieter müssen Anlagen prüfen

Bremen. In Bremer Wasserhähnen lauert eine versteckte Gefahr: Erreger mit dem Namen Legionellen können schwere Krankheiten verursachen.
11.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Julia Gypas und Jan Raudszus

In Bremer Wasserhähnen lauert eine versteckte Gefahr: Erreger mit dem Namen Legionellen können schwere Krankheiten verursachen, wenn sie eingeatmet werden. Ein aktueller Fall aus dem Sauerland verdeutlicht die Gefährlichkeit der Bakterien. Vermieter sind verpflichtet, bis zum Ende des Jahres ihre Wasseranlagen zu überprüfen.

Immer wieder wird im Trinkwasser eine erhöhte Anzahl von Legionellen gefunden. Auch in Bremen war das schon der Fall. Legionellen sind Stäbchenbakterien, die überall dort vorkommen, wo es Wasser gibt. Also auch im Trinkwasser. Sie sind Erreger von Infektionskrankheiten, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen können.

Seit Anfang August ist die Stadt Warstein im Sauerland von einer Legionellenepidemie betroffen. Über 150 Menschen haben sich über eine verunreinigte Fabrikklimaanlage angesteckt. Zwei Männer sollen an den Folgen der Erkrankung gestorben sein. Es wird vermutet, dass eine Kläranlage die Quelle der Infektion ist. Aus einem Bach, in den die Anlage geklärte Abwasser einleitet, gewinnt die Fabrikanlage Kühlwasser.

Einen Vorfall, wie in Warstein hält Oliver Ladeur, Pressesprecher des Abwasserentsorgers Hansewasser, für unwahrscheinlich.„Das Wasser wird nach der Klärung in die Unterweser eingeleitet.“

Außerdem werde in Bremen kein Trinkwasser aus der Weser gewonnen. Nach Angaben des Energieversorgers SWB ist auch eine Epidemie durch eine Verunreinigung des Trinkwassers insgesamt eher unwahrscheinlich. „Das Bremer Trinkwasser ist traditionell gut“, sagt SWB-Sprecher Christoph Brinkmann. Es werde ausschließlich aus Grundwasser gewonnen, bei dem es keine Risiken gäbe. Im gesamten Netz seien 60 Kontrollpunkte platziert, an denen täglich Proben entnommen werden. Diese würden auf Qualität und Freiheit von Krankheitserregern getestet.

Probleme mit Legionellen entstehen vor allem dort, wo das Wasser das Netz der Wasserversorger verlässt und in die Leitungen von Privathaushalten oder öffentlichen Gebäuden gelangt. Legionellen treten meist dann auf, wenn das Wasser nur ein wenig erwärmt wird und anschließend längere Zeit in der Leitung steht. Aufgrund dieser Gefahr hat der Gesetzgeber Vermieter über die Trinkwasserverordnung verpflichtet, ihre Trinkwasseranlagen bis Ende des Jahres auf Legionellen zu überprüfen. Betroffen sind Wohngebäude, deren zentraler Warmwasserspeicher oder Durchlauferhitzer mehr als 400 Liter fasst, und Häuser, in denen die Wasserleitung zwischen dem zentralen Trinkwassererwärmer und dem am weitesten entfernten Wasserhahn ein Volumen von über drei Litern fasst.

Bei Bremens größtem Wohnungsanbieter Gewoba läuft die Überprüfung des Trinkwassers nach eigenen Angaben gut und wird bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Auch beim Landesverband der Eigentümervereinigung Haus & Grund habe man bereits frühzeitig in allen verwalteten Gebäuden die Voraussetzungen zur Legionellenprüfung geschaffen. Damit würden die vom Gesetzgeber vorgegebenen Auflagen erfüllt.

„Wir haben unsere Mitglieder immer wieder umfassend über die anstehenden Prüfpflichten informiert und bezüglich der Vorgaben beraten“, so der Justiziar des Landesverbandes, Ingmar Vergau. „Bislang hat es keine auffälligen Werte bei den laufenden Tests gegeben“, so Vergau weiter. Auch bei der Gewoba sind die Ergebnisse zufriedenstellend. Lediglich bei einem Prozent der entnommenen Proben seien die Werte auffällig gewesen, sagt der Technische Koordinator des Unternehmen, Stefan Fölsch.

Durch die neue Verordnung kommen auf die Mieter zusätzliche Kosten zu. „Es war lange Zeit umstritten, ob es sich bei den Kosten um Betriebskosten handelt“, sagt Gert Brauer vom Bremer Mieterschutzbund. Mittlerweile sei aber klar: „Es ist rechtmäßig, diese Kosten auf die Mieter umzulegen.“

Nach der Untersuchung müssen die Eigentümer ihre Mieter über die Ergebnisse informieren. Bei der Gewoba und bei Haus & Grund soll dies durch einen Aushang geschehen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+