Figurentheaterfestival: Heike Klockmeier setzt Molièrs „Der eingebildete Kranke“ als Einpersonenstück um Versailles, wie es stinkt und lacht

Ostertor. „Er glänzt wie die Sonne und riecht wie die Sau“, zitiert Heike Klockmeier Molière alias Jean Baptiste Poquelin, einen Zeitgenossen von Ludwig XIV. Die Figurenspielerin aus Hamburg hat Philosophie studiert und ist schon lange vom Sonnenkönig und seinem Komödiendichter fasziniert, der den eingebildeten Kranken und die ihm helfenden Mediziner so trefflich aufs Korn genommen hat.
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Von Edwin Platt

„Er glänzt wie die Sonne und riecht wie die Sau“, zitiert Heike Klockmeier Molière alias Jean Baptiste Poquelin, einen Zeitgenossen von Ludwig XIV. Die Figurenspielerin aus Hamburg hat Philosophie studiert und ist schon lange vom Sonnenkönig und seinem Komödiendichter fasziniert, der den eingebildeten Kranken und die ihm helfenden Mediziner so trefflich aufs Korn genommen hat. Zum Geburtstagsfestival von „Mensch, Puppe!“, Schildstraße 21, spielt sie das Stück am Sonnabend, 14. November, um 20 Uhr in ihrer Fassung.

Jean Baptiste Poquelin möchte ein ernsthafter Schauspieler sein und hat damit wenig Erfolg. Erst als er sich der Ironie bedient, lacht sein Publikum herzlich. Nun strömen die Leute in die Gasthöfe, wo er gegen Umsatzbeteiligung auftritt. Poquelin schreibt Stücke und wird bekannter, nur leider nicht als der ernsthafte Schauspieler, der er sein möchte. Am Hof des Sonnenkönigs wird er, zwischen all dem Prunk im Schloss Versailles, gepflegten Gärten und Wasserspielen, zum Komödiendichter Ludwig XIV, der sagt: „Waschen tun sich die Bauern.“ Der König pudert sich, will keine Toilette und keine Waschräume im Schloss.

Der ganze Hofstaat stinkt, pflegt eingebildete Krankheiten und gönnt sich Ärzte und Quacksalber, die die Höflinge schröpfen, ihnen Klistiere setzen, um Därme zu spülen, und manche unangenehme Prozeduren verläuft nicht schadlos. Jean Baptiste Poquelin wird als Komödiendichter des Sonnenkönigs zu Molière, der im Milieu des Barock reichlich Stoff für Ironie und Lästerliches findet. Sein letztes Stück am Königshof ist „Der eingebildete Kranke“, bei dessen vierter Aufführung er noch auf der Bühne stirbt.

Molière hat Ballettszenen in seine Stücke eingebaut und Rahmenhandlungen entworfen, denn mit einem bloßen Theaterspiel war der Sonnenkönig kaum zufriedenzustellen, zumal er zwischen den Szenen bei Hofe selbst gern ein wenig tanzte.

Das braucht Zeit. „Ja, es geht fast zwei Stunden“, sagt Heike Klockmeier begeistert, die den eingebildeten Kranken als Solistin auf die Figurenbühne bringt und dabei gerne mal den Sonnenkönig oder den Molière als Puppe führt und dabei gleichzeitig zum Beispiel in die Figur einer Hofdame schlüpft. „Ich wollte das Stück so aufführen, wie Molière es gemacht hat, und spiele dafür in der Rahmenhandlung die Geschichte von Molière, um die Barockzeit ganz auferstehen zu lassen“, erklärt Heike Klockmeier ihren Ansatz und weiß: Theater am Hof, das war immer auch ein großes Fest.

Nach ihrem Studium nahm sich Heike Klockmeier Zeit für ihre beiden Kinder, las ihnen gerne vor und ging mit ihnen in ein Puppentheater. „Das kann ich auch“, war eher Begeisterung als ein echter Plan. Sprechausbildung, nicht wegen ihres Dialektes, sondern mit ihrem Sächsisch, folgten, und schon mit dem ersten Stück für Kinder hat sie den Meller Kulturpreis gewonnen.

Erfolg macht Mut. Heike Klockmeier lebt seit Anbeginn von ihrem Puppenspiel, ist viel gefragt und tourt derzeit durch Norddeutschland. „Irgendwann wollte ich auch Stücke spielen für Leute wie mich“, beschreibt sie ihre Entwicklung auch zu Stücken für Erwachsene wie dem eingebildeten Kranken hin. „Ich habe angefangen, habe immer weiter gespielt, konnte immer davon leben und habe manchmal Zeit für neue Stücke“, sagt sie nach sieben Jahren Bühnenerfahrung, in denen sie sich ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut hat.

Ihre Puppen, bei „Molière“ auch die Bühnenrequisiten, hat Jürgen Maaßen angefertigt, ein von Figurenspielern sehr geschätzter Düsseldorfer Bildhauer. Dietmar Staskowiak hat bei dem Stück Regie geführt und für die Musik gesorgt, und Arne Bustorff hat die Bühne gebaut für den „Eingebildeten Kranken“, eine Spezies, die seit 1673, als Molière das Theaterstück schrieb, nicht ausgestorben ist.

Das Festival von „Mensch, Puppe!“, Schildstraße 21, läuft, wie in der vorigen Ausgabe berichtet, vom 12. bis 15. November. „Der eingebildete Kranke“ von Molière, gespielt von Ambrella, wird am Sonnabend, 14. November, um 20 Uhr gegeben. Die Karten kosten 16,50 Euro, ermäßigt 12,50 Euro. Kartenreservierungen sind möglich unter Telefon 794 782 92 oder auch per E-Mail an karten@menschpuppe.de. Mehr über das Programm des Festivals auf Seite 1 der heutigen Ausgabe und auf www.menschpuppe.de.

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